Rettungswagen, Hebammenzentrum oder doch Wiederaufbau einer klinischen Geburtshilfe? Der Schwung der Proteste gegen die Schließung der Geburtsstation im Dauner Krankenhaus ist nicht im Sande verlaufen.

Gesundheitswesen : „Geburtshilfe bleibt ein heißes Eisen“

Rettungswagen, Hebammenzentrum oder doch Wiederaufbau einer klinischen Geburtshilfe? Der Schwung der Proteste gegen die Schließung der Geburtsstation im Dauner Krankenhaus ist nicht im Sande verlaufen, es laufen Gespräche über mögliche Zukunftsszenarien

Dass die Bewohner des Vulkaneifelkreises ungern tatenlos zusehen, wenn ihnen Infrastruktur verloren zu gehen droht, ist schon erwiesen: Wer sich etwa an die Gegenwehr anlässlich der beabsichtigten Fusion der Kreissparkassen Vulkaneifel und Bitburg-Prüm vor gut einem Jahrzehnt erinnert, weiß um ihre Beharrlichkeit. Auch die Demonstration von rund 1500 Menschen und die täglichen Mahnwachen gegen die Schließung der Dauner Geburtshilfe belegen, dass es nicht immer beim Schulterzucken bleibt. Und so verkündete Karin Jaskowsky, Vertreterin der Interessengemeinschaft (IG) Geburtshilfe, beim Meeting mit Landrat, Hebammen, Kommunalpolitikern, Kreisentwicklern und Caritas-Vertretern unmissverständlich: „Wir sind Eifeler, wir sind stur! Es muss wieder eine klinische Geburtshilfe in der Vulkaneifel geben!“

Ob es sich dabei um Sturheit oder um ein zukunftsfähiges Szenario handelt, wird sich zeigen. Jedenfalls betonte Kulturwissenschaftler Tim Becker, der den sogenannten WEGE-Prozess der Verbandsgemeinde Daun begleitet und ebenfalls Mitglied der IG Geburtshilfe ist: „Es kann nicht das Signal an die Bevölkerung sein, dass so viele engagierte Akteure es nicht schaffen, die klinische Geburtshilfe wiederaufzubauen.“ Die IG ist vernetzt unter anderem mit der Bundeselterninitiative „Motherhood“ (siehe Infokasten), die keine Alternative zu einer solchen klinischen Lösung sieht. Und Tim Becker äußerte sich überzeugt: „Es ist genügend professionelle Kompetenz vorhanden, um dies zu leisten.“

Als einer der Akteure in vorderster Front angesprochen ist Landrat Heinz-Peter Thiel. Er hatte zum Treffen eingeladen, um gemeinsam Lösungen zu sondieren. Dass der derzeit zusätzlich eingesetzte Rettungswagen keine nachhaltige Versorgung für Gebärende darstellt, sondern ein Provisorium ist, stehe außer Frage. „Die Wege in die nächsten Geburtskliniken sind eindeutig zu lang“, sagte Thiel, „von daher bleibt Geburtshilfe ein heißes Eisen.“

Auch wenn es noch keine Resultate gebe, so doch ein Einvernehmen darüber, dass die Geburtshilfe auf der Agenda des Kreises steht. Ein erster Schritt sei die Einrichtung einer Koordinierungsstelle, um zum Beispiel die Einrichtung einer Hebammenzentrale zu prüfen, welche die geburtliche Vor- und Nachsorge übernimmt.

Für die derzeit teils arbeitslosen oder freigestellten Hebammen sind viele Fragen offen: Müssen sie die Unsicherheit einer Freiberuflichkeit mit sehr hohen Versicherungsbeiträgen tragen oder kann es Angestelltenverhältnisse geben? Wer könnte Träger eines solchen Hebammenzentrums sein? „Wir müssen die Hebammen als Fachkräfte in der Vulkaneifel halten“, betonte Thiel.

Denn wie Ingrid Mollnar, aus Worms angereiste Vertreterin des rheinland-pfälzischen Hebammenverbandes, erläuterte: „Der berufliche Nachwuchs wird sich in der Umgebung der verbleibenden Geburtskliniken ansiedeln.“ Darum sei es sehr wichtig, vor Ort in der Vulkaneifel eine Lösung zu etablieren, denn andernfalls sei auf lange Sicht auch die Vor- und Nachsorge gefährdet.

Ebenfalls als Übergangslösung im Gespräch ist die Einrichtung von so genannten Familienzimmern im räumlichen Umfeld der verbleibenden Geburtsstationen: Dort können werdende Mütter – und bisweilen auch Väter und Geschwister – rund um die Geburt nah an der Klinik untergebracht sein. Entsprechende Vorbilder gibt es etwa in Schleswig-Holstein. Aber auch da ist vieles unklar: „Wir wissen nicht, wer dafür die Kosten trägt und ob das die Familien selbst stemmen müssen“, räumte Thiel ein. Auch er sieht die Wiedereinrichtung einer klinischen Geburtshilfe im Kreis als Ziel, das man nicht aus den Augen verliere. „Da ist auch die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Mit dem Träger des Maria-Hilf-Krankenhauses und der Kassen sowie mit freien Wohlfahrtsverbänden sucht er jedoch zeitnah das Gespräch, um die Chancen für ein Hebammenzentrum zu erörtern. „Da wurde schon Entgegenkommen signalisiert.“

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