Wandern ohne Eile - Der Muße-Pfad von Ulmen nach Bad Bertrich

Wandern ohne Eile - Der Muße-Pfad von Ulmen nach Bad Bertrich

Auf dem jetzt eröffneten ersten von sieben Muße-Pfaden von Ulmen nach Bad Bertrich soll die Landschaft durch Geschichten lebendig gemacht werden. Auch in Gerolstein und Kelberg sind solche Wege geplant.

Lutzerath/Gerolstein/Kelberg "Et jit net jerannt", auch nicht beim Wandern. Muße und Verweilen heißt die Devise. Der Wanderer soll ohne Hektik die Landschaft und ihre geologische und historische Geschichte erleben. Möglich wird dies auf dem ersten von sieben Muße-Pfaden in der Vulkaneifel, der jetzt in Lutzerath eröffnet wurde. Auf einer Länge von 35 Kilometern, von Ulmen bis Bad Bertrich, führt der Maare-und-Thermen-Pfad durch die Landschaft der Eifel.
Ein Kerbholz ist das Symbol, das den Wanderern immer wieder auf diesem Weg begegnet und das eine besondere Bedeutung hat. Einst diente das Kerbholz dazu, Schuldverhältnisse zu dokumentieren. Auf dem neuen Wanderweg soll das längs in zwei Hälften geteilte Holzscheit mit den eingekerbten Rillen das Sinnbild des Lebens darstellen. Der Wanderer soll - so die Idee - seine persönlichen Kerben oder Sorgen auf dem Muße-Pfad im übertragenden Sinn abarbeiten können.
Volker Teuschler von der Werbeagentur CUBE in Daleiden gibt der Eröffnungsveranstaltung als symbolischer Vertreter des Waldes eine ganz besondere Note. Er erzählt von der berüchtigten Moselbande, die auch einiges auf dem Kerbholz hatte und früher in den Wäldern der Vulkaneifel ihr Unwesen trieb. Und sie ist Teil der Geschichten, die hier auf dem Mußepfad den Wanderern erzählt werden, um ihnen die Landschaft näherzubringen. Eingebettet sind diese Geschichten in das große Thema vom Kampf der Elemente. "Storytelling" ist das Stichwort, das den besonderen Charakter des Wegs prägen soll und von der führenden österreichischen Agentur auf diesem Gebiet konzipiert wurde. Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun und Aufsichtsratsvorsitzender der Natur- und Geopark Vulkaneifel spricht bei der Eröffnung vom "Megatrend der Regionalität". Menschen könne man besser erreichen, wenn Geschichten erzählt würden.
Alfred Steimers, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ulmen, betont die große wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Region. "Es ist wichtig, Wanderwege aufzuwerten".
Und Günter Welter, Ortsbürgermeister von Lutzerath, wünscht sich, dass die Menschen nicht mit "Handyklicken in die Welt reisen", sondern die Umgebung kennenlernen. "Stückelscher verzählen", nennt er auf Eifeler Platt das neudeutsche "Storytelling".
Doch was genau macht so ein Mußepfad aus? Es sind die sieben "Mußeplätze", die laut Andreas Schüller, Geschäftsführer des Natur- und Geoparks Vulkaneifel, vor allem drei Funktionen übernehmen sollen: Achtsamkeit, weil es hier etwas Besonderes gibt, Aufmerksamkeit, weil man sich etwas erzählen lassen kann, sowie verweilen und abfeiern. An sieben Stationen werden auf Tafeln Geschichten erzählt, die auf die kommende Wegstrecke vorbereiten und damit Ausblicke und Landschaften erlebbar machen sollen. Die Rolle des Erzählers übernehmen dabei der Wald, das Feuer oder andere für die Region typische Elemente.
Besonders intensiv wird das Wandererlebnis natürlich mit fachkundigen Führungen. Roswitha Lescher bietet auf dem neuen Pfad solche Touren an. "Die Gäste wollen Geschichten hören", so ihre Erfahrung. Der mittelschwere Pfad wird idealerweise in zwei Tagestouren von 18 und 17 Kilometern von Ulmen nach Lutzerath und Lutzerath nach Bad Bertrich erwandert.Extra: MAARE-UND-THERMEN-WEG


Für alle Muße-Pfade, zu denen neben dem Maare-Thermen-Pfad noch Gerolsteiner Kelten- und Felsenpfad, Vulkanpfad, VulkaMaar-Pfad, Schneifel-Pfad, Hochkelberg-Panorama-Pfad, Vulcano Pfad gehören, sind für die Konzeptentwicklung 60 000 Euro angefallen. 8650 Euro entfallen davon auf den Maare-Thermen-Pfad. Beauftragt wurde die führende Beratungsagentur Storytelling TAO aus Österreich. Ein Teil wurde über das Leader-Projekt finanziert. Die Investitionskosten am Maare-Thermen-Pfad liegen bei 18 500 Euro. Weitere Eröffnungen von Muße-Pfaden sind geplant: Schneifel-Pfad-Weg des Friedens in Prüm, Sonntag, 10. September, 11 Uhr, am Kalvarienberg. Wollmerath, Samstag, 16. September. Kelten- und Felsenpfad Gerolstein, Montag, 23. Oktober, 11 Uhr. Projektpartner Muße-Pfade Vulkaneifel: Natur- und Geopark GmbH Tourismusorganisationen der Vulkaneifel und Naturpark Nordeifel Sektion Rheinland-Pfalz: TW Gerolsteiner Land, GesundLand Vulkaneifel; Ferienregion Oberes Kylltal, Kelberg, Prümer Land. Eifel Tourismus GmbH Infos und Tourenreservierung bei GesundLand Vulkaneifel, Telefon 02676/9599002, oder Natur- und Geopark Vulkaneifel, Telefon 06592/ 933203.

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