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Warten auf ein Signal aus Nordrhein-Westfalen

Warten auf ein Signal aus Nordrhein-Westfalen

Vor mehr als vier Jahren wurde das Observatorium auf dem Hohen List als wissenschaftliche Einrichtung geschlossen. Seitdem wird beratschlagt, wie das Areal langfristig genutzt werden könnte. Die Künstlergruppe Sternwarte Vulkaneifel will einen Ort für Astronomie, Kunst, Kultur und Bildung schaffen.

Schalkenmehren/Daun. Noch gut vier Wochen, dann ist für die As tronomische Vereinigung Vulkaneifel (AVV) die Winterpause beendet. "Von der Molekülwolke zum Stern" heißt der erste Vortrag, denn die AVV in diesem Jahr in der ehemaligen Sternwarte auf dem Hohen List bei Schalkenmehren anbietet. "Die Vorträge und Führungen werden so gut angenommen, dass wir in diesem Jahr schon im Februar beginnen", berichtet Harald Simon, der zweite Vorsitzende der AVV. Gerne würde die Vereinigung noch mehr machen, aber dafür fehlt eine langfristige Perspektive.
Vertrag jeweils für ein Jahr


Denn obwohl die wissenschaftliche Arbeit auf der Sternwarte 2012 eingestellt wurde, ist die Universität Bonn nach wie vor Mieterin der Einrichtung, die dem landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Nordrhein-Westfalen gehört. Auf dem Gelände stehen fünf Gebäude und mehrere Kuppeln, zudem gibt es eine Werkstatt, in der Verschlüsse für Teleskope hergestellt werden. Eine Kuppel hat die AVV von der Universität gemietet. Aber immer nur für ein Jahr, "was langfristige Planungen leider nicht möglich macht", sagt Simon.
Ohnehin ist das Ringen um eine zukünftige Nutzung des Areals zu einer echten Hängepartie geworden, wie auch Jutta Schulte-Gräfen erfahren hat. Sie ist Vorsitzende der 2015 gegründeten Künstlergruppe Sternwarte Vulkaneifel.
Deren Anliegen: das Observatorium zu einem Ort für Astronomie, Kunst, Kultur und Bildung machen. Deshalb würde die Gruppe gern das ehemalige Hauptgebäude mit den drei Kuppeln und dem benachbarten früheren Wohnhaus mieten und dort Ateliers an Künstler vermieten. "Das Interesse daran ist groß", sagt Jutta Schulte-Gräfen und ist optimistisch, die Unterhaltungskosten von gut 30 000 Euro pro Jahr mit den Mieteinnahmen decken zu können.
Unterstützt wird die Gruppe auch vom Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Daun, Werker Klöckner. Er hat zusammen mit Vertretern von AVV und der Künstlergruppe im November ein Gespräch in der BLB-Zentrale in Düsseldorf geführt. Ergebnis: "Dabei wurde zugesagt, dass die BLB-Zentrale mit der BLB-Niederlassung Köln eine befristete Vermietung des Haupthauses und des Wohnhauses an die Künstlergruppe Sternwarte Vulkaneifel klärt. Die Prüfung der Möglichkeit eines Untermietvertrags zwischen Uni Bonn und dem Verein wird dabei bevorzugt." Also immer noch nichts Verbindliches, aber Jutta Schulte-Gräfen wertet das Gespräch positiv. "Es hat erstmals einen persönlichen Kontakt mit Verantwortlichen beim Landesbetrieb gegeben. Dabei konnten wir unser Konzept vorstellen, das als durchaus realistisch bewertet wurde."
Nun warten die Mitglieder der Delegation aus der Vulkaneifel auf ein Signal aus Nordrhein-Westfalen. "Denn wir würden natürlich gerne so schnell wie möglich mit der Umsetzung unseres Konzepts begonnen", sagt Jutta Schulte-Gräfen. Und auch Harald Simon von der AVV hofft, "dass dem Konzept eine Chance gegeben wird."Extra

 Harald Simon von der Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel zeigt eines der Teleskope in der Sternwarte. TV-Foto/Archiv: Nora John
Harald Simon von der Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel zeigt eines der Teleskope in der Sternwarte. TV-Foto/Archiv: Nora John Foto: (e_daun )

Die Sternwarte steht seit mehr als 60 Jahren auf dem Hohen List bei Schalkenmehren. Ein Dauner Geologe hatte die As tronomen an der Universität Bonn Anfang der 1950er Jahre auf die 550 Meter hohe Erhebung als Standort für eine Sternwarte aufmerksam gemacht. Baubeginn war 1952. Zunächst entstanden das Hauptgebäude und drei Kuppeln. Der Erweiterungsbau und die Errichtung von zwei weiteren Kuppeln erfolgten 1964. 2012 hat die Uni Bonn das Observatorium geschlossen. 2013 ist sie in die Liste der Kulturdenkmäler des Landes aufgenommen worden. Deshalb kann das Gebäudeensemble ohne Erlaubnis der Denkmalpflege weder abgerissen noch verändert werden. sts