Was Bauer, Rind und Kunde froh macht

Was Bauer, Rind und Kunde froh macht

Was sollen und was können die Landwirte in der Region leisten? Nicht nur darüber wurde bei einer vom TV moderierten agrarpolitischen Fachtagung in Daun gesprochen.

Daun "Ohne Bauer fehlt dir was!?!" lautete der Titel einer Fachtagung der landesweit agierenden Akademie Ländlicher Raum in Daun. Dabei waren sowohl Frage- als auch Ausrufezeichen bewusst gesetzt, denn: Während einerseits Schlagzeilen von schlechter Tierhaltung, Überdüngung von Feldern und damit Verunreinigung von Flüssen, Bächen und Grundwasser die Bauern eher als Ursache von Problemen zeigen, sind sie andererseits unbestritten wichtige Lebensmittelproduzenten, Naturschützer und Problemlöser ökologischer und globaler Herausforderungen. Stichwort regionale Vermarktung. Welche Probleme verursachen Landwirte, was können und müssen sie ändern, welchen Zwängen sind sie unterworfen, welcher Erwartungen haben die Verbraucher an sie, welche Absatzmöglichkeiten haben sie, wie können sie - in Eifel, Mosel, Hunsrück - überleben? Über diese und viele weitere Fragen haben Landwirte mit Experten gesprochen, bei der abschließenden Diskussionsrunde, die von TV-Redakteur Marcus Hormes moderiert wurde, wurden die wichtigsten Themen nochmals zusammengefasst. Bei allen unterschiedlichen Auffassungen waren sich die Teilnehmer einig: Landwirte und Verbraucher müssen (noch mehr) ins Gespräch kommen. Hier die Schwerpunkte:

Image: Tierquäler, Vergifter der Natur, Produzent von Billignahrungsmitteln und weitere Schlagwörter: Auf die Feststellung von Moderator Marcus Hormes, Ressortleiter der Lokalredaktion Trier/Trier-Saarburg des Trierischen Volksfreunds, dass es ums Image der Bauern nicht allzu gut bestellt sei, erhielt er breite Zustimmung. So sagte Michael Horper, Chef des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, erwartungsgemäß: "Genau so sieht es aus!" Schwarze Schafe hätten einen ganzen Berufsstand in Misskredit gebracht. Zudem sei von der Landwirtschaft über Jahrzehnte gefordert worden, vor allem viel und günstig zu produzieren. Er macht aber seit zwei, drei Jahren einen Stimmungswandel in der Gesellschaft aus: "Es hat sich viel geändert, auch bei uns. Und das wird wahrgenommen. Das Image der Landwirtschaft verändert sich zum Positiven."
Sebastian Reif, Jungbauer und Vorsitzender der Landjugend im Kreis Vulkaneifel, meinte dazu: "Klar, freut einen ein schlechtes Image nicht. Aber all die jungen Leute, die sich für die Landwirtschaft entschieden haben, haben das bewusst gemacht. Und wir sind Kämpfernaturen."

Tierwohl: Gerd Ostermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) stellte fest, dass bei der Haltung der Tiere zwar vieles verbessert worden sei. Gleichzeitig bemängelte er, dass "die Tiere aber leider immer seltener auf die Weide geführt werden".
Jungbauer Reif hielt entgegen: "Wenn ich 100 Tiere habe und es tagelang geregnet hat, lasse ich sie besser drinnen, sonst stehen sie nur im Matsch. Oder im Sommer bei 30 Grad, wo die Wiese eh nicht viel Futter hergibt, bringt das auch nicht viel: Abends haben die Tiere einen Sonnenbrand und sind total fertig." Er betonte: "Wir Landwirte heutzutage sind gut ausgebildet. Wir wissen, was wir tun!"
Das bestätigte auch Alfred Lorenz vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bitburg: "Das Wissen über tiergerechte Haltung vermitteln wir den Bauern schon seit vielen Jahren - während der Ausbildung, bei Beratungen bei Exkursionen zu Vorzeigeställen." Bauernchef Horper dazu: "Kühe mit Hörnern auf der Weide. Das ist zwar ein sehr schönes Bild, aber in größeren Einheiten schwierig bis unmöglich."
Waltraud Fesser von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ist sich sicher, dass Verbraucher honorierten, wenn es den Tieren Zeit ihres Lebens gut gegangen sei. "Dafür zahlt er auch gerne einen höheren Preis für das Stück Fleisch", sagte sie.

Verbraucher: "Tut er das wirklich?" hakte Moderator Hormes nach. Fesser stellt zwar fest, dass Fleisch zu einem Billig-Lebensmittel geworden sei. Sie macht aber einen Trend aus, dass Verbraucher immer öfter nicht nur Bio, sondern regionale Produkte nachfragen würden. Dabei gab sie zu bedenken, dass man genau hinschauen sollte: "Ist es noch Bio, wenn ein Lebensmittel 1000 Kilometer durch die Welt transportiert wurde? Bedeutet es für einen noch regional, wenn etwas Hunderte Kilometer entfernt hergestellt wurde, oder wenn Zutaten gar aus dem Ausland kommen?" Doch sei dies wegen mangelnder Kennzeichnungspflicht oftmals nur schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Die Experten waren sich einig: Das muss sich rasch ändern.
Das Stichwort regionale Vermarktung griff Naturschützer Ostermann gerne auf - am Beispiel der Milchtankstellen: "Da weiß ich, wer der Bauer ist, wo die Kühe stehen, wo das Produkt herkommt - und bin daher auch gerne bereit, gut einen Euro für den Liter Milch zu zahlen."

Vermarktungsmöglichkeiten: Dass sich kein Bauer nur mit einer Milchtankstelle über Wasser halten kann, ist jedem bewusst. Horper erkärte zur Verdeutlichung einmal die Relationen: "Das entspricht etwa dem Eintrag von gerade mal einer Kuh." Seines Wissens nach waren solche Einrichtungen wegen der hohen Anschaffungskosten daher für viele ein Flop. Die meisten Bauern aber würden deswegen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern Wurstkonserven, Eier sowie jahreszeitliches Obst und Gemüse dazustellen. "Das kann dann ein erster Schritt in die Direktvermarktung sein", meinte er. Dass das Thema regionale Vermarktung noch viele Möglichkeiten biete - besonders unter der Dachmarke Eifel - davon ist Alfred Lorenz vom DLR überzeugt. Er sagte: "Auch, wenn da schon einige Landwirte erfolgreich unterwegs sind, bietet die regionale Vermarktung noch viele Chancen." Für ihn ist die Dachmarke Eifel "DIE Erfolgsgeschichte schlechthin".
Jungbauer Reif sieht das zwar ähnlich, er tritt aber auch auf die Euphoriebremse: "Es gibt da durchaus interessante Nischen, aber man muss sich das genau anschauen. Eine Milchtankstelle beispielsweise lohnt sich nur, wenn man seinen Hof an der Hauptstraße hat, sonst bekommt das ja niemand mit." Er geht davon aus, dass der Großteil der hiesigen Betriebe bei seiner bisherigen Produktion bleiben werde. "Aber innerhalb dieser werden wir immer wieder innovativ sein", sagte er.
Auch Horper betonte, dass Bio, Nischenmärkte und Direktvermarktung nicht für jeden geeignet sei: "Jeder muss machen, was er kann." Außerdem müsse eine Umstellung der Produktion gut durchdacht sein. Schließlich betreffe eine solche Entscheidung es angesichts der Investitionen eine gesamte Generation.Extra: LANDWIRTSCHAFT DER REGION IN ZAHLEN


Die Region Trier ist nach wie vor sehr landwirtschaftlich geprägt, dennoch ging die Zahl der Betriebe von 28 313 (1971) auf aktuell rund 5000 zurück. Landwirtschaftliche Fläche: Bitburg-Prüm (87 000 Hektar), Vulkaneifelkreis Daun (38 000 Hektar), Bernkastel-Wittlich (43 000 Hektar). Betriebe: BIT (716 im Haupterwerb, 626 im Nebenerwerb), DAU (204, 417), WILL (826, 733). Tierhaltung: BIT (1332 Betriebe), DAU (546), WILL (457). Anzahl der Tiere: BIT (94384), DAU (32166), WILL (23824). Milcherzeuger: BIT (593 Betriebe), DAUN (182), WILL (114). Insgesamt werden in der Region Trier rund 500 Millionen Kilogramm Milch im Jahr erzeugt.