"Was für ein Trubel!"

OBERELZ. Sie stammt aus Berlin, lebte lange in Wiesbaden und liebt heute das ruhige Leben in der ehemaligen Oberelzer Schule. Dort feierte sie kürzlich ihren 100. Geburtstag. Davon und aus ihrem Leben erzählte sie beim Besuch des Trierischen Volksfreunds.

"War das ein Trubel!", sagt Vera Brunn lachend. An ihrem 100. Geburtstag hatten sich die Gratulanten die Klinke in die Hand gegeben, und der Briefträger hatte zahlreiche Glückwunschschreiben gebracht, darunter auch eines aus ihrer Geburtsstadt Berlin: von Bundespräsident Horst Köhler. Der Tag darauf war ganz ihrer Familie vorbehalten, allen voran den beiden 70 und 66 Jahre alten Söhnen und der 65jährigen Tochter. Ein ganzes Meer von Blumen erinnert noch an die große Aufmerksamkeit, die Vera Brunn an ihrem Geburtstag erfahren hatte. Sie sei dankbar und zufrieden, sagt die 100-Jährige mit dem Blick auf ihr bisheriges Leben. Nach dem Geheimnis ihrer Vitalität befragt, erklärt sie: "Positiv denken, viel lesen, die Augen offen halten für das Weltgeschehen, aber auch für die kleinen Wunder im Garten und am Wegesrand." Und: "Nicht oder wenigstens nicht viel über Krankheiten sprechen!" Vera Brunn ist am 27. September 1906 in Berlin geboren. Sie wuchs in gehobenen Verhältnissen in Potsdam auf, nicht weit entfernt von Schloss Sanssouci. "Sonntags haben wir den Kaiser und die Kaiserin durch den Park spazieren sehen", erzählt sie. Mit 21 Jahren machte sie den Führerschein; sie wurde eine leidenschaftliche Autofahrerin - bis zu ihrem 95. Lebensjahr. Sie wollte Medizin studieren, aber ihr Vater befand: "Das gehört sich nicht." Heirat und Familiengründung waren in Berlin, später zog die Familie nach Wiesbaden. Mit Anfang 50 wurde Vera Brunn berufstätig: als Direktionsassistentin bei der deutschen Niederlassung eines französischen Unternehmens. 1972 beauftragten sie und ihr Lebensgefährte einen Makler mit der Suche nach einem Haus auf dem Land, mit großen Räumen und großem Garten. Bestes Such- ergebnis war die damals erst zehn Jahre alte, aber bereits leer stehende Schule in der Oberelzer Bergstraße. Nun ist die Pausenhalle der Wintergarten, der große Schulsaal das Wohnzimmer - mit Blick über die Dächer von Oberelz hinweg in die Natur und mit Platz für die mächtigen Bücherschränke. Ein kleineres Klassenzimmer ist ihr Büro. Eine Land- und eine Vogelarten-Karte erinnern an die (Schul-) Zeiten, als die Kinder noch auf diese Weise lernten. Jetzt steht hier ein Computer. "Ich maile gerne mit meinen Kindern und Freunden, ich stöbere gerne bei Google und Wikipedia," sagt sie. "So lebe ich zwar abgeschieden, aber bin dennoch mittendrin." Wohl wahr!

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