Wasserleitungsnetz der Oberen Kyll wird generalsaniert

Wasserleitungen : Wasserleitungsnetz der Oberen Kyll wird generalsaniert

Die VG-Werke der neuen Verbandsgemeinde Gerolstein stehen vor großen Herausforderungen – auch weil das Land geringer bezuschusst. Der neue Hochbehälter Schüller wird schon gebaut.

Das größte Vorhaben, das sogar mit dem Vermerk „dringend“ in den Maßnahmenkatalog der neuen Verbandsgemeindewerke Gerolstein aufgenommen wurde, ist die Neuordnung der Wasserversorgung im Gebiet der Oberen Kyll. Gesamtkosten: satte fünf Millionen Euro.

Der bereits im Bau befindliche neue Hochbehäter bei Schüller wird ab 2021, wenn alle drei geplanten Bauabschnitte vollendet sind, zum Herzstück der Wasserverteilung im Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde. Die Anlage kann zunächst ein Volumen von 500 Kubikmetern Wasser in zwei Edelstahltanks aufnehmen, eine Erweiterung auf weitere 500 Kubikmeter Fassungsvermögen ist möglich.

Nach dem ersten Schritt, dem Neubau des Hochbehälters (HB), bei dem 2013 mit Kosten von rund zwei Millionen Euro kalkuliert wurde, soll in der zweiten Baustufe die Verlegung von insgesamt zehn Kilometern Verbindungsleitungen und weiteren fünf Kilometern an Anbindungen an Ortsnetze erfolgen. Der HB Schüller soll ab 2020 das Ortsnetz Stadtkyll, Gönnersdorf und den Hochbehälter Schönfeld mit Trinkwasser versorgen, außerdem sind Verbindungsleitungen zu den Hochbehältern Lissendorf und Schönfeld vorgesehen. Die Leitung zum Ort Schüller wird ebenfalls erneuert.

Schließlich erfolgen im dritten und letzten Bauabschnitt 2021 die Fertigstellung der Verbindung zum HB Schönfeld und der Anschluss des HB Schüller an das Pumpwerk Birgel. Die Kosten für den zweiten und dritten Bauabschnitt liegen bei rund drei Millionen Euro. Für das gesamte Projekt wurden Ausgaben von fünf Millionen Euro errechnet.

Das Ziel der Neuordnung der Wasserversorgung an der Oberen Kyll sei es, mittel- und langfristig Einsparungen zu erreichen, erläutert Werksleiter Harald Brück. „Die Optimierungen führen dazu, dass wir alte Anlagen zur Druckerhöhung und auch in die Jahre gekommene Hochbehälter nach und nach aufgeben können.“

Doch bevor gespart werden kann, muss in Zukunft womöglich mehr ausgegeben werden als ursprünglich veranschlagt: Die Finanzierung des ersten Bauabschnitts in Höhe von rund zwei Millionen Euro erfolgte im Rahmen der Fördervorschriften aus dem Jahr 2013, die tatsächlichen Ergebnisse der Ausschreibung im Jahr 2018 führten zu Mehrkosten von 413 000 Euro. Nicht nur das Material und die Arbeitspreise sind in den vergangenen Jahren kostspieliger geworden – Bauunternehmen haben Hochkonjunktur, die hohe Nachfrage führt nach Einschätzung von Werkleiter Brück zu Preisanhebungen.

Die Mehrausgaben ergeben einen Aufschlag von satten 20 Prozent auf die 2013 errechneten Baukosten für den ersten Bauabschnitt. „Das mit der Maßnahme betraute Ingenieur­büro ermittelt derzeit gemeinsam mit der Verwaltung die tatsächliche Kostenüberschreitung“, heißt es von Seiten der Verbandsgemeindewerke.

Die dann ermittelten zusätzlichen Ausgaben unterliegen allerdings den Fördervorschriften für die Wasserwirtschaft des Jahres 2018 – und die besagen, dass Förderdarlehen in Höhe von nur noch 60 Prozent vom Land vergeben werden, 2013 waren es noch 65 Prozent.

Dazu kommt, dass die neue Verbandsgemeinde Gerolstein nach der Fusion mit Hillesheim und der Oberen Kyll nicht mehr als „überdurchschnittlich belasteter Maßnahmeträger“ gilt. Dadurch fallen Zuschüsse des Landes in Höhe von 20 Prozent weg. Noch laufen Gespräche mit dem zuständigen Ministerium für Umwelt und Energie mit dem Ziel, die vor 2018 geltenden Fördermittel und die gestrichenen Zuschüsse zu erhalten.

Sollte Mainz nicht einlenken, dann müssen die Mehrkosten für den ersten Bauabschnitt und die Kosten für die Bauabschnitte zwei und drei voraussichtlich zu 60 Prozent aus Förderdarlehen und zu 40 Prozent über Kredite finanziert werden.

Für die Wasserwerke stiege in diesem Fall der Eigenanteil an den Kosten von 500 000 Euro auf rund 1,4 Millionen Euro. Dass will auch Bürgermeister Hans Peter Böffgen (parteilos) nicht so ohne Weiteres hinnehmen. er sagte im Ausschuss. „1,4 Millionen Euro statt 500 000 Euro Eingenanteil. Das ist schon heftig. Wir fahren nochmals nach Mainz, um nachzuverhandeln.“

Die bisher geltende Kostenschätzung für den zweiten und dritten Bauabschnitt (rund drei Millionen Euro) wird derzeit geprüft: „Es ist in den nächsten Wochen vorgesehen, die Kosten anhand aktueller Ausschreibungspreise fortzuschreiben und den Förderantrag zu aktualisieren“, heißt es in einer Beschlussvorlage der Werke an den Verbandsgemeinderat.

Mehr von Volksfreund