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Weiter Diskussion um Energieplanung in der Verbandsgemeinde Gerolstein

Energie : Keine einheitliche Linie bei Windkraft-Abstandsregeln

1000 oder 2000 Meter? Der VG-Rat Gerolstein wird sich wieder mit dem Streitthema befassen. In der VG Kelberg geplantes Windkraft-Vorhaben hat die Kreisverwaltung abgelehnt.

In der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein stagniert seit mehr als einem Jahr die formale Windkraftplanung. Nachdem der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss im Sommer 2020 einen Empfehlungsbeschluss für die Ausweisung neuer Vorrangflächen für Windenergie gefasst hat, gab es bislang kein abschließendes Votum, das das weitere Verfahren in Gang gesetzt hätte. Das will der VG-Rat in seiner Sitzung am 16. September fällen. Zu einer erneuten Empfehlung kam es in der jüngsten Ausschusssitzung nicht.

Das lag an einem Streitpunkt, über den keine Einigung erzielt wurde: Soll es beim Mindestabstand von 1000 Metern um Ferienhausgebiete bleiben, oder soll der Schutzabstand auf 2000 Meter erhöht werden. Letzteres befürworten die Verwaltung sowie einige Fraktionen und auch Bürgermeister Hans Peter Böffgen (parteilos), nachdem sich die politischen Vertreter bei Ortsbesichtigungen an der Oberen Kyll ein Bild von der Situation gemacht haben. Die CDU-Fraktion hingegen will mehrheitlich keine Erhöhung des Schutzabstandes.

Hintergrund: Mit der Verdoppelung des Abstandes könnten die touristisch bedeutsamen Ferienparks an der Oberen Kyll ein wenig geschützt werden – und vor allem auch der Stadtkyller Ortsteil Schönfeld. Südlich und westlich von ihm stehen bereits Windkraftanlagen, künftig dürften dann auch westlich und nördlich etliche dazukommen, so dass der Ort umzingelt wäre. Bei einer Erhöhung des Schutzabstandes würde im nordöstlichen Bereich hingegen ein 60 Grad großer Korridor vom Schönfeld aus frei bleiben. Über die sonstigen und in der Vergangenheit bereits ausgiebig diskutierten harten und weichen Ausschlusskriterien für Windenergieanlagen in der VG Gerolstein herrscht allerdings weiter weitgehende Einigkeit unter den verantwortlichen Kommunalpolitikern.

In Teilen der Bürgerschaft, angeführt von der politischen Gruppierung Sturm im Wald, hingegen herrscht nach wie vor Widerstand gegen die Windkraftplanung. Wie bereits in der Vergangenheit kamen auch diesmal wieder knapp drei Dutzend Aktivisten, um vor der Ausschusssitzung lautstark gegen die Windkraftpläne zu demonstrieren: mit Megafonen, Sirenen, Plakaten und Sprechchören: „Wir schützen unseren Wald.“

Besonders protestierten sie gegen der Planung der fünf Ortsgemeinden Schüller, Gönnersdorf, Birgel, Lissendorf und Steffeln, auf dem stark bewaldeten Duppacher Rücken gemeinschaftlich Anlagen errichten zu lassen.

Bürgermeister Böffgen stellte noch mal seine Grundsatzüberlegung dar: „Wir sind verpflichtet, die Flächennutzungsplanung fortzuschreiben und stehen jetzt unter einem gewissen zeitlichen Druck. Mit der Ausweisung von Eignungsflächen für die Windenergie nach einem strikten und nachvollziehbaren Kriterienkatalog verhindern wir, uns dem Vorwurf einer Verhinderungsplanung auszusetzen. Denn dies hätte die Folge, dass überall im Außenbereich Anlagen aufgestellt werden dürften. Uns liegt aber allen daran, unsere Heimat zu schützen.“

Besonders emotionsgeladen waren die Diskussionen um die Windkraft in der VG Kelberg. Zuletzt auch in der Gemeinde Bodenbach, wo es im März einen Bürgerentscheid gegeben hatte. Die Einwohner waren gefragt worden, ob sie für oder gegen den Bau einer Windkraftanlage sind. Ergebnis: Eine Mehrheit der Bodenbacher befürwortete das Vorhaben.

2017 hatte der VG-Rat Kelberg mit knapper Mehrheit entschieden, aus der Windkraft-Planung auszusteigen. Seitdem ist die Verwaltung des Kreises Vulkaneifel dafür zuständig, über Anträge, die das Aufstellen von Windrädern im Kelberger Land betreffen, zu entscheiden. Und das hat sie jüngst getan: Die Firma Grünwerke GmbH in Düsseldorf hat von der Kreisverwaltung einen ablehnenden Bescheid zur Errichtung und zum Betrieb von sechs Windenergieanlagen an den Standorten Bongard und Boxberg erhalten. Die Ablehnung begründet sich im Wesentlichen über den Artenschutz. Zwar seien die Flächen für solche Anlagen geeignet. Aber die Rotmilane im direkten Umfeld sowie das Vorkommen des streng geschützten Raubwürgers (eine etwa amselgroße Vogelart) war für die Genehmigungsbehörde der zentrale Ablehnungsgrund.

 Überzeugte Befürworter, kategorische Gegner: Beim Thema Windkraft scheiden sich die Geister. Foto: Fritz-Peter Linden  
Überzeugte Befürworter, kategorische Gegner: Beim Thema Windkraft scheiden sich die Geister. Foto: Fritz-Peter Linden   Foto: TV/Fritz-Peter Linden  

Die Absage an die Düsseldorfer Firma wertet die Wählergruppe Sturm im Wald, die auch im VG-Rat Kelberg vertreten ist, erwartungsgemäß als „großen Erfolg für den Natur- und Artenschutz in der Vulkaneifel“. Die Ablehnung lasse hoffen, „dass für weitere Verfahren eventuell Lehren gezogen werden und auch hier die Hinweise der Wählergruppe auf die artenschutzrechtlichen Hindernisse Gehör finden – damit der Natur- und Artenschutz in der Vulkaneifel nicht unter die (Wind)Räder kommt.“