Weiter Hoffnung auf Fachoberschule

Weiter Hoffnung auf Fachoberschule

Daun ist sicher, Hillesheim muss weiter warten: Während es für eine Fachoberschule (FOS) Gesundheit in der Kreisstadt genug Anmeldungen gegeben hat, ist noch nicht klar, ob es eine FOS Technik in Hillesheim geben wird.

Daun/Hillesheim/Gerolstein. Die Bildungslandschaft im Kreis Vulkaneifel ist um einen Baustein reicher: An der Realschule plus in Daun wird eine Fachoberschule (FOS) mit Schwerpunkt Gesundheit angegliedert. 38 Anmeldungen waren Voraussetzung, zusammengekommen sind 60. Damit steht dem Start zu Beginn des Schuljahrs 2013/2014 nichts mehr im Weg.
Was in Daun kommt, hätte Hillesheim auch gern: eine FOS, allerdings mit dem Schwerpunkt Technik. Die Verbandsgemeinde (VG) hatte beim Kreis den Antrag gestellt, zum Schuljahr 2014/2015 eine solche Schule installieren zu dürfen.
Zunächst ohne Erfolg: In Hillesheim war die Enttäuschung groß, als sich der Kreisausschuss vor einigen Wochen noch mehrheitlich gegen die Einrichtung ausgesprochen hatte.

Ausschuss befasst sich mit dem Thema: Im letztlich entscheidenden Gremium, dem Kreistag, hat Hillesheim aber doch noch eine Chance bekommen. Endgültig entschieden werden soll nun erst, wenn sich der für Schulangelegenheiten zuständige Ausschuss des Kreistags mit dem Thema beschäftigt hat.
Zu einer Sondersitzung des Gremiums werden Wolf Krämer-Mandeau, der den Schulentwicklungsplan des Kreises erarbeitet hat, die Bürgermeister der Verbandsgemeinden Gerolstein und Hillesheim sowie die Leiter der Hillesheimer Schule und der Berufsbildenden Schule Gerolstein eingeladen.
Zur Freude der Bürgermeisterin der VG Hillesheim, Heike Bohn (parteilos), die trotz des ablehnenden Votums des Kreisausschusses "verhalten optimistisch" zur Kreistagssitzung nach Daun gefahren war.
Zu Beginn schien ihre Zuversicht aber nicht begründet zu sein. So kritisierte Edmund Geisen (FDP), dass das Land auf dem Schulsektor immer neue Angebote mache, obwohl das die Schülerzahlen gar nicht hergäben. Georg Linnerth (SPD) verwies darauf, dass es ein vergleichbares Angebot wie das von Hillesheim geplante bereits an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Gerolstein gebe.

Nicht nur auf Daun und Gerolstein konzentrieren: Auf diese Konkurrenzsituation wies auch Karl-Wilhelm Koch (Bündnis 90/Grüne) hin. Allerdings kritisierte er wie auch andere Redner, dass es nicht sein könne, dass solche schulischen Angebote nur auf Daun und Gerolstein konzentriert würden.
"Warum kann es nicht auch an kleineren Schulen möglich sein, einen Abschluss der Sekundarstufe II zu machen?", fragte Anne Püllen (CDU/Hillesheim).
Auch Bürgermeisterin Bohn bekam Gelegenheit, für den Antrag von VG und Schule zu werben.
Sie verwies darauf, dass viele Betriebe die Einrichtung einer FOS Technik in Hillesheim ausdrücklich unterstützten. "Wir brauchen gut ausgebildete junge Leute, um die Region attraktiv zu halten", sagte Heike Bohn.
Zwischenzeitlich war erkennbar geworden, dass eine Mehrheit des Kreistags die Entscheidung nicht "übers Knie brechen" (CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder) wollte, während die Verwaltung bei ihrer Ablehnung der FOS blieb. So wurde entschieden, die Entscheidung auf "solidere Füße" zu stellen.
Konkret bedeutet das: Der Fachausschuss wird sich mit dem Thema beschäftigen.
Eine Lösung, mit der Heike Bohn leben kann. Zwar war ursprünglich geplant, dass die FOS in Hillesheim zum Schuljahr 2014/2015 starten sollte, aber dazu hätte bis Ende März ein entsprechender Antrag gestellt werden müssen.

Bürgermeisterin ist "verhalten optimistisch": Das ist aber nicht mehr möglich, weil sich der Kreistag Vulkaneifel nach der Sitzung des Fachausschusses wieder mit dem Thema beschäftigen und eine Entscheidung fällen muss. Möglicher Starttermin: zum Schuljahr 2015/2016.
Bei Heike Bohn hat sich die Erwartungshaltung angesichts der Kreistagsentscheidung vom Montag nicht geändert: "Ich bleibe verhalten optimistisch."
Meinung

Ernsthaft prüfen
Die Entscheidung des Kreistags, nicht der Empfehlung des Kreisausschusses zu folgen und einem Fachoberschulzweig an der Realschule Hillesheim eine Chance zu geben, ist überraschend. Und richtig. Natürlich sind die Gerolsteiner dagegen, da sie ein neues Angebot im Norden des Kreises als Bedrohung für ihre Real- und Berufsschule sehen. Die Eltern aber, die ihre Kinder täglich nach Gerolstein (oder Daun) zur Schule schicken, werden die Möglichkeit, auch in Hillesheim das Fachabi zu machen, nicht als Bedrohung sehen, sondern als willkommene Alternative. Daher ist es sinnvoll, nicht vorschnell einen Schlussstrich zu ziehen, sondern zunächst exakt auszuloten, wie viele Schüler es in naher Zukunft überhaupt im Hillesheimer Einzugsbereich gibt, wie viele das Angebot vermutlich wahrnehmen werden, und ob die neue Schulform die bestehenden Angebote in Gerolstein tatsächlich fundamental schwächt. Erst dann sollte der Kreis entscheiden, ob er sich eine Fachoberschule in Hillesheim leisten kann und will. m.huebner@volksfreund.deExtra

Der Kreistag ist in Sachen FOS an der Augustiner-Realschule plus Hillesheim beteiligt, weil sich bei Einrichtung eines solchen Bildungsangebots die Trägerschaft ändern würde. Kommt eine FOS Technik, wird der Kreis laut Schulgesetz automatisch Träger der Realschule. Hintergrund: Nach den Bestimmungen des Schulgesetzes kann nur ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt Träger sein, da es sich dabei um ein schulisches Angebot der Sekundarstufe II handelt. Die VG Hillesheim hatte die Realschule vom Kreis übernommen, um mehr Einfluss auf die Investitionen in die Schule zu nehmen. sts