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Wenn Böllerschüsse gegen böse Geister helfen

Wenn Böllerschüsse gegen böse Geister helfen

Zahlreiche alte Bräuche sind in der Eifel mit der Zeit nach Weihnachten und dem Jahreswechsel verbunden. Die Menschen gossen Blei, vertrieben mit Krachern oder alten Flinten böse Geister. Wohnstuben und Ställe wurden mit Weihwasser gesegnet.

Bitburg/Prüm/Daun/Gerolstein. "Ein zuckerbeck mit confect grosz und klein, mit sultz und marzepan das newjahr uns bescheret." So sagte es bereits der Stuttgarter Georg Rodolf Weckherlin, ein deutscher Lyriker, der von 1584 bis 1653 lebte.
Ein Beweis, dass es bereits zu jener Zeit den liebenswerten Brauch gab, sich zu Beginn des neuen Jahres etwas zu schenken. Das neue Jahr sollte eben gut und süß beginnen.
Denn im Volksempfinden waren dereinst die Tage "zwischen den Joahren" nicht angenehm. Man betrachtete sie als eine dunkle Zeit, in der sich Schicksale entschieden und die Zukunft vorausgedeutet werden konnte. Merkwürdige Bräuche umrankten diese Tage. Denn die Furcht vor Unheil oder Unglück war aufgrund von Aberglauben groß. Es galt das Motto "So wie man die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verbringt, so wird es im kommenden Jahr weitergehen."
DORF- GESCHICHTE(N)


Von Region zu Region unterschiedlich hatten sich bestimmte Bräuche entwickelt. In diesen Tagen sollte weder gewaschen noch gesponnen werden. Über Neujahr sollte niemand Wäsche trocknen. Das bringt Unglück im kommenden Jahr mit sich, wussten die Menschen. Sie gossen Blei und befragten Orakel. Temperaturen und Wind, Pflanzen und Knospen wurden betrachtet, um Wettervorhersagen fürs kommende Jahr zu machen. Gedungene Knechte und Mägde waren fort. In den Stuben und Zimmern war es still. Die Arbeit auf dem Bauernhof war aufs Notwendigste, auf die Versorgung des Viehs, reduziert. Viel Zeit hatte man nun, die die Menschen sich mit Würfel- und Kartenspielen vertrieben. Sie erzählten unheimliche Geschichten, die jedes Mal fantasiereicher und gruseliger wurden.
Welche Freude, wenn dann die Silvesterglocken um Mitternacht das neue Jahr einläuteten. Alle, die diese Stunde wachend erlebten, verließen dann das Haus. Man traf sich am Dorfplatz, beglückwünschte sich lachend mit "Prost Neijoahr, de Buckel voll Seijhoar, de Kopp voll Flieh, wat willste noch mieh!" Oder man schoss mit Krachern und Böllern, mit alten Flinten in die Luft, um böse Geister zu vertreiben. Alle stimmten dann ein in das Jubellied "Großer Gott, wir loben dich". Aber auch Segenssprüche wurden ausgetauscht.
Schinkenbrot und Rühreier


Heiratsfähige Burschen weiteten das Schießvergnügen noch aus. Vor dem Hause ihrer Verehrten schossen sie, was die Flinte hergab - eine Art Ehrerweisung, die sagen wollte: "Ich mag dich und halte dir Unglück fern." Und wenn das Liebchen dann die Tür öffnete, zum Dank einen Kuss verschenkte oder zu kräftigem Schinkenbrot oder einer Pfanne voller Rühreier einlud, was war das für ein toller Jahresbeginn.
In manchen Eifelorten pflegten auch fromme Bauern den Brauch, Wohn- und Arbeitsräume und Stallungen mit Weihrauch oder Weihwasser zu segnen, um böse Geister zu vertreiben und den Segen Gottes herabzubitten.
Besonders für Kinder war der erste Tag des neuen Jahres eine freudige Bereicherung in ihrem ansonsten so kargen Jahreslauf. Sie gingen zu "Pättchen" oder der "Jött", wünschten ihnen "Prost Neujoahr! Viel Glück im neijen Joahr!" und erhielten dann einen wohlschmeckenden Neujahrsweck, einen süßen Kuchen in Zopfform.
Und am Neujahrstag wurde gefeiert. Mit gutem Essen, beispielsweise mit einem Neujahrskarpfen, und manchem Schnaps. Denn: "Wer an Neujahr gut isst, dem ist ein gutes Jahr gewiss." Und dann sagte man "Prost!" Ein guter Wunsch, denn er leitet sich von dem lateinischen Wort "Prosit" ab. Und dieser fromme Wunsch lautet übersetzt: "Es möge dir nützen." red