1. Region
  2. Vulkaneifel

Wenn die Diagnose Alzheimer lautet...

Wenn die Diagnose Alzheimer lautet...

Der Pflegestützpunkt Daun startet in Kooperation mit dem Seniorenhaus Helena in Mehren am Mittwoch, 4. Dezember, eine Kampagne zur Unterstützung von Demenzkranken und den zu ihnen gehörenden Menschen. Warum sie dankbar für dieses neue Angebot in der Vulkaneifel sind, erklärt dem Trierischen Volksfreund ein betroffenes Ehepaar.

Daun/Mehren. Seit 47 Jahren sind Marianne (67) und Wolfgang A. (68) (Namen von der Redaktion geändert) verheiratet. Sie haben drei Kinder und ein Enkelkind und sind mittlerweile auch schon Urgroßeltern. Als ihre Kinder Ende der 1990er Jahre aus dem Haus waren, erfüllten sie sich einen Herzenswunsch und bauten in ihrem Heimatdorf im Landkreis Vulkaneifel noch einmal neu - mit vielen Extras und zeitgemäßer Einrichtung, ganz nach ihrem Geschmack und mit viel Eigenleistung des Maurerpoliers Wolfgang A., ein schöner Bungalow, in dem das Paar seinen Lebensabend mit allen Annehmlichkeiten verbringen wollte.
Doch spätestens seit vor sieben Monaten bei Wolfgang A. die Diagnose Alzheimer gestellt wurde, ist alles anders. "Etwa ein Jahr vorher bemerkten unsere Kinder und ich die ersten Anzeichen", erzählt Marianne A. und nennt ungewöhnlich häufige Kopfschmerzen ihres Mannes, die rapide Zunahme von Vergesslichkeit, das Suchen nach Wörtern, die Unfähigkeit, selbstständige Arbeiten am Neubau des Sohnes zu verrichten. Vor kurzem sagte das Ehepaar eine lang geplante Urlaubsreise ab, und Wolfgang A. gab seinen Führerschein zurück. Auch beim TV-Besuch herrscht Betroffenheit und Traurigkeit: Wie immer zum Advent hatte Wolfgang A. den Wintergarten und den Vorgarten mit Lichterketten schmücken wollen. Nun liegt ein wirres Knäuel aus Kabeln und Glühbirnchen auf dem Boden, und Wolfgang A. hebt bedauernd die Hände. Seine Frau erklärt: "Er weiß einfach nicht mehr, wie das geht." Wolfgang A. meint: "Manchmal könnte ich aus der Haut fahren."
Dabei sei er von Natur aus immer ein froher und ausgeglichener Mensch gewesen, räumt Marianne A. ein. Nun sei er oft ungeduldig und unruhig, habe Angst im Dunkeln, wolle nicht allein im Haus sein. Die beiden gehen oft spazieren. Frische Luft tut ihm gut.
Auf eine Empfehlung hin hatten sich Marianne und Wolfgang A. vor kurzem an Manfred Wientgen vom zuständigen Pflegestützpunkt Daun gewandt. Er besuchte sie zu Hause und machte im Rahmen des Beratungsgesprächs das Ehepaar auf ein neues Projekt für Demenzkranke und die in ihrem Umfeld lebenden Menschen aufmerksam (siehe Extra). "Wir haben uns sofort angemeldet", sagt Marianne A., "denn wir sind dankbar für alles, was uns hilft, mit diesem Schicksal zurechtzukommen." bbExtra

In dem Projekt "Lasst uns darüber sprechen - Selbsthilfe Demenz" sollen gemeinsam mit Erkrankten und ihren Angehörigen Wege entwickelt werden, um den Bedürfnissen der Betroffenen individuell gerecht zu werden. Das erste Treffen ist am Mittwoch, 4. Dezember, um 15 Uhr, im Haus Helena in Mehren, Dauner Straße 13 (gegenüber der Hausgemeinschaft). Es wird organisiert von Britta Sarnes und Manfred Wientgen vom Pflegestützpunkt Daun und von Katja König, Inhaberin des als Facheinrichtung zur Unterstützung von Menschen mit einer Demenzerkrankung geführten Hauses Helena. Auf dem Programm stehen zunächst die Vorträge von Katja König und von Uschi Wihr vom Demenzzentrum Trier. Es steht zudem ausreichend Zeit zum Kennenlernen und Austausch zur Verfügung. Fahrdienst ist möglich, fachliche Betreuung ist gewährleistet. Kontakt und Info: Telefon 06592/9848777. bb