Wenn die Sprache verloren geht

Wenn die Sprache verloren geht

Für Menschen aus der Vulkaneifel, deren Sprache nach einer Hirnschädigung (meist durch Schlaganfall) gestört ist und die unter Aphasie (siehe Extra) leiden, ist am Maria-Hilf-Krankenhaus eine Selbsthilfegruppe gegründet worden. Die Leitung hat die Logopädin Johanna Hoffmann. Erstes Treffen ist am 23. April.

Daun. Das "A" von Aphasie im Logo des Bundesverbands für die Rehabilitation der Aphasiker (BRA) steht schief. "Denn es ist etwas aus dem Lot geraten", erklärte bei der Gründung der "Selbsthilfegruppe Aphasie Vulkaneifel" Hugo Baumgärtner vom Landesverband Rheinland-Pfalz.

Baumgärtner ist als Angehöriger betroffen: Vor sechs Jahren war seine Frau durch einen Schlaganfall sprachlos geworden. Heute sagt er: "Ich weiß, wie viel Kraft und Mut sie gerade aus der Selbsthilfegruppe schöpft." Zeit und Verständnis für einander seien das Wertvollste daran.

Erst konnte sie nur ja und nein sagen



Er berichtete von therapeutischen Erfolgen durch Malen und Singen und bot die Computerstationen des Landverbands zur Unterstützung der Sprach- und Ergotherapie zur Ausleihe an.

Selbst von Aphasie betroffen ist Karin Schneider aus Ürzig/Mosel. Sie hatte vor 13 Jahren einen Schlaganfall, seit 2003 leitet sie die Selbsthilfegruppe Bernkastel-Kues. Bei der Gründungsversammlung im Dauner Krankenhaus - es ist die 22. Selbsthilfegruppe Aphasie in Rheinland-Pfalz - erzählte sie den etwa zwei Dutzend interessierten Betroffenen und Angehörigen, dass sie anfangs nur noch Ja und Nein habe sagen können - "alles andere war verschüttet". In der Begegnung mit Gleichgesinnten habe sich ihre Lebenssituation verbessert und ihre Persönlichkeit gestärkt, erklärte sie und sagte Johanna Hoffmann ihre Unterstützung zu.

Die Dauner Logopädin war vom Aphasie-Zentrum Rheinland-Pfalz mit der Gründung und Leitung der Selbsthilfegruppe Vulkaneifel beauftragt worden. "Die Betroffenen sollen aus der Isolation kommen, informiert werden und ihre Erfahrungen austauschen", beschrieb Johanna Hoffmann das Anliegen der Selbsthilfegruppe.

"Ich gehe auf jeden Fall hin", sagte Susanna Sachen aus Daun-Neunkirchen dem Trierischen Volksfreund. Als Aphasikerin möchte sie Menschen kennenlernen, die das gleiche Schicksal hätten, sowie Hilfe und Beratung aus Fachvorträgen erhalten.

Als eine wichtige Ergänzung der klinischen Behandlung, der Rehabilitation und der logopädischen Therapie bezeichnete Dr. Wilfried Lengsfeld, Oberarzt am Maria-Hilf-Krankenhaus, die Selbsthilfegruppe Aphasie. "So können Patienten langfristig genesen", sagte er. Das erste Treffen der neuen Selbsthilfegruppe ist am Freitag, 23. April, um 16 Uhr im Maria-Hilf-Krankenhaus Daun. Kontakt und Info: Johanna Hoffmann, Wirichstraße 3a, 54550 Daun, Telefon 06592/173981, Fax 06592/173982.Extra Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach einer Hirnschädigung (Schlaganfall, Kopfverletzung, Tumor) auftreten kann und bedeutet "Verlust der Sprache". Aphasie hat nichts mit geistiger Behinderung oder psychischer Störung zu tun. Aphasiker können oft nicht sprechen und verstehen Gesprochenes schlecht. Sie verlieren mitunter ihre Kenntnisse im Lesen, Schreiben, Rechnen, keineswegs aber ihre Intelligenz und ihr Weltwissen. Zudem beeinträchtigt die Hirnschädigung die Motorik; es kommt zu Lähmungen und Störungen der vegetativen Funktionen. Die Kommunikation mit aphasischen Patienten erfordert Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen. Info: Landesverband Aphasie Rheinland-Pfalz e.V., Buchenstraße 6, 56588 Waldbreitbach, Telefon 02638/898331, Fax: 02638/898401, E-Mail: info@landesverband-aphasie.de, Internet: www.landesverband-aphasie.de. (bb)

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