Wenn ein Eifeler in die Schatztruhe greift

Wenn ein Eifeler in die Schatztruhe greift

GEROLSTEIN. "Schätze" des Bauhofs, gelagertes Baumaterial von historischen Gerolsteiner Plätzen, kommen bei der Altstadtsanierung wieder ans Tageslicht. "Hüter der Schatzkammer" war 39 Jahre lang Peter Leuwer.

Dem Eifeler wird ja nachgesagt, dass er nichts wegwirft, weil "es ja noch mal gebraucht werden könnte". Der 65-jährige Peter Leuwer nickt zustimmend und sagt lachend: "Ich bin gerne ein Altröscher. Davon haben schon oft Leute profitiert." Und jetzt die gesamte Bevölkerung. Als Karl-Heinz Böffgen, bekannt als Gerolsteiner Urgestein "Böbbes" und ehemaliger Dorferneuerungsbeauftragter des Kreises, die Arbeiten an der Treppe in der Mühlenstraße sah, erinnerte er sich an den Lagerplatz des Bauhofs. Mit Rücksprache der Verwaltung folgte ein Baustopp, und in einer Sitzung des städtischen Bauausschusses wurde beschlossen, vom bisherigen Plan abzurücken. Statt Beton-Blumenkübel an den Seiten und Verengung auf nur zwei Meter Breite werden "historische Gerolsteiner Steine" eingebaut. Leuwer kennt viele Geschichten dazu. Immerhin gehörte der gebürtige Lissinger 39 Jahre lang zur städtischen Kolonne, davon mehr als 25 Jahre als Leiter. Leuwer nimmt einen Pflasterstein in die Hand und erzählt: "Das ist Kopfsteinpflaster, über das im Krieg schon die Panzer in der Unteren und Oberen Marktstraße sowie am Brotecken gefahren sind." Nach den Straßensanierungen hat es über 25 Jahre auf dem Bauhof-Lagerplatz am Sandborn gelegen. Leuwer erklärt: "Ich bin in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Da hat man erlebt, wie wichtig es ist, nichts wegzuschmeißen." Treppe wird in die Altstadt eingebunden

Alte Nägel habe er für den späteren Gebrauch wieder gerade geschlagen. Aus dieser Gesinnung heraus war für Leuwer beim Abriss der ehemaligen Flora-Halle (1984 fusionierten der Gerolsteiner Sprudel und Gerolsteiner Flora-Brunnen zum Gerolsteiner Brunnen) klar, dass das schöne Rotsandstein-Blendmauerwerk nicht in den Müllcontainern landete. "Dafür war es zu schade, ebenso wie fürs billige Verramschen", resümiert er. Das Flora-Gebäude in der Brunnenstraße, auffällig mit den roten Sandsteinen, wurde in der Nachkriegszeit gebaut und ist auf vielen alten Aufnahmen von Stadtansichten zu sehen. Auch die Basalt-Treppenstufen, die jetzt den Aufgang zwischen Mühlenstraße und Naturkundemuseum zieren, haben Geschichte. Sie waren in der St. Josefs Treppe zwischen Raderstraße und altem Marktplatz eingebaut und wurden durch neue ersetzt. Leuwers Augen leuchten, wenn er den Arbeitern zuschaut. Er sagt: "Das freut mich." Eigenlob gehört nicht zum Eifeler "Leuwer-Pitter". Böffgen ist auch zufrieden: "Die Treppe wird jetzt richtig in die Altstadt eingebunden, und der ehemalige Wegcharakter bleibt erhalten." Übrigens: Durch den Baustopp und die Änderungen ist das Projekt nicht teurer geworden. Die aufwändigeren Arbeiten werden durch die Einsparungen bei der Materialanschaffung ausgeglichen, so dass es bei den Kosten von 28 000 Euro bleibt.

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