Wenn Maschinen über Leben und Tod entscheiden

Wenn Maschinen über Leben und Tod entscheiden

Jürgen Altmann, Physiker und Friedensforscher an der Technischen Universität (TU) Dortmund, hat bei seinem Vortrag in Daun die Zuhörer über Spionagesatelliten, Kampfdrohnen und tödliche Miniroboter informiert.

Daun. (red) Auf Einladung des Forums Eine Welt beschrieb Jürgen Altmann, der auch Autor mehrerer Bücher über moderne Waffentechnologien und deren vorbeugende Begrenzung ist, die Entwicklung von Kriegswaffen auf der Grundlage der Informationstechnik. Das Motto des Vortrags: "Wie die Informationstechnik den Krieg verändert".

Die Informationstechnik befinde sich zwar zum Teil noch im Forschungsstadium. Altmann machte aber deutlich, dass sich die großen Militärmächte - allen voran die USA - in raschem Tempo auf eine Situation zu bewegten, die kaum mehr beherrschbar sei. Einige dieser Waffen seien bereits zum Beispiel im Irak und in Afghanistan im Einsatz.

Die technische Entwicklung sei schon immer durch die Bedürfnisse der Kriegführung geprägt gewesen, sagte Altmann; das gelte besonders für die Informationstechnik in den vergangenen Jahrzehnten. So sei es nicht verwunderlich, dass vor allem das Militär lange Zeit die Entwicklung von Computern, Software und Netzwerken finanziert habe. Das ARPAnet, vom Militär für die sichere Datenübertragung unter Atomkriegsbedingungen entwickelt, wurde zum Vorläufer des heutigen Internet.

Mit der wachsenden Bedeutung von Rechnernetzen steigt nach Altmanns Auffassung das Interesse an Cyber-Kriegsführung. Man möchte in gegnerischen Netzen spionieren, sie blockieren und infiltrieren. Dabei ließe sich die Herkunft verschleiern, so dass der Verursacher seine Beteiligung abstreiten kann.

Ein Haupttrend der nächsten Jahrzehnte sei der zu besatzungslosen und robotischen Kampfsystemen. Die USA haben ihr besatzungsloses Aufklärungsflugzeug "Predator" nachträglich mit Hellfire-Flugkörpern ausgestattet und seit 2002 im sogenannten Krieg gegen den Terrorismus eingesetzt.

Es werde auch über die "autonome Entscheidung" durch Computer an Bord nachgedacht. Insbesondere wenn es zukünftig auch gegnerische besatzungslose Fahr- und Flugzeuge geben wird, werde es den Druck geben, schneller zu entscheiden, als die Satellitenverbindung und menschliche Reaktionszeit am anderen Ende der Übertragungsstrecke es erlauben.

Altmanns Meinung dazu: "Es ist prinzipiell nicht in Ordnung, dass eine Maschine von sich aus über Leben und Tod von Menschen entscheidet."

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