Wie der kleine Tim mit der Autobahn wächst

Wie der kleine Tim mit der Autobahn wächst

Der 2,2 Kilometer lange Abschnitt der Autobahn 1 zwischen den Anschlussstellen Gerolstein und Kelberg wird heute für den Verkehr freigegeben. Hautnah miterlebt hat den Autobahnbau in den vergangenen sechs, sieben Jahren der heute neunjährige Tim Saxler aus Daun-Rengen.

Daun-Rengen/Dreis-Brück. Wenn heute ein weiteres Stück der A 1 wie üblich mit hohem Besuch aus Mainz und Berlin (früher Bonn) und viel Tamtam eröffnet wird, kann Tim Saxler (neun Jahre) nicht dabei sein. "Ich muss in die Schule", erklärt er.
Damals, im August 2005, war das noch anders. Da war Tim noch keine drei Jahre alt, daher auch noch nicht im Kindergarten und hatte somit Zeit, um mit Opa Josef beim feierlichen Spatenstich zum Weiterbau der A 1 ab Rengen dabei zu sein. Da gab es überhaupt keine Frage, denn über Monate hatten die beiden das Treiben verfolgt - um "die Bagger und großen Lkw zu gucken". Und wenn ihnen der Weg hoch hinauf mal zu beschwerlich war, setzten sie sich eben unten ans Heiligenhäuschen und beobachten die vielen Laster, die jeden Tag von und zur Baustelle fuhren. Die Marken kennt Tim heute noch gut. Und während die Damen und Herren Politiker seinerzeit nur kurz während des Blitzlichtgewitters mit je einem der neun nigelnagelneuen Spaten in den Hügel aus Lavasand gestochen hatten, schaufelte der Zweieinhalbjährige mit seinem mitgebrachten Werkzeug - sicher ist sicher - unentwegt weiter. Opa Josef hatte dieser Eifer zu der Aussage verleitet: "Wenn alle so fleißig wären, wäre die Straße bald fertig."
Doch heute kann Tim aus besagtem Grund nicht. Aber diesmal wird ja nicht geschaufelt, sondern wohl nur ein Band zerschnitten. "Das klappt auch ohne mich", sagt Tim. Opa Josef (74) hat hingegen angesichts des zögerlichen Baufortschritts - sechs Kilometer Autobahn in sieben Jahren - der Optimismus verlassen. Er sagt: "Bis die Autobahn fertig ist, ist Tim bestimmt 30 - wenn das reicht. Ich erlebe das auf jeden Fall nicht mehr." Verstehen kann er das nicht. Als Eifeler schon dreimal nicht, denn: "Wenn man etwas anfängt, macht man es auch fertig."
Sechs Kilometer in sieben Jahren


Fertig ist mittlerweile aber immerhin die Liesertalbrücke, das neue Wahrzeichen von Rengen, wo Tim und Opa Josef wohnen. Manchmal fahren die beiden noch "hoch" zur Autobahn - unter der mächtigen Brücke hindurch. Aber nicht mehr so oft wie früher. "Ich spiele lieber mit meinen Freunden Fußball", sagt der F-Jugend-Kicker. Opa Josef hingegen fasziniert die Großbaustelle nach wie vor - auch wenn sie mittlerweile einige Kilometer weiter gen Norden gewandert ist. Die Autobahn samt Liesertalbrücke bleibt den beiden Rengenern aber erhalten - ebenso die Erinnerung an die vielen Baustellenbesuche und den Spatenstich vor sieben Jahren. Den haben Tims Eltern ausgeschnitten und aufbewahrt, und Opa Josef hat das Bild "eingerahmt und aufgehängt".
Der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) wird das Autobahn-Teilstück zwischen den beiden Anschlussstellen Gerolstein und Kelberg am heutigen Donnerstag, 10 Uhr, am Gewerbegebiet Radersberg eröffnen.
Extra

Die Bauarbeiten für das sechs Kilometer lange Teilstück von der - mittlerweile zurückgebauten - Behelfsausfahrt Rengen bis zur Anschlussstelle (AS) Kelberg haben im August 2005 begonnen. Im Oktober 2010 wurde davon das 3,8 Kilometer lange Stück bis zur AS Gerolstein für den Verkehr freigegeben. Die Baukosten für die gesamten sechs Kilometer von Rengen bis zur AS Kelberg betrugen rund 60 Millionen Euro, wovon allein die Liesertalbrücke mit 19 Millionen Euro zu Buche schlug. Insgesamt wurden auf diesem Teilstück 1,2 Millionen Kubikmeter Boden bewegt. Die Gesamtfläche der Fahrbahn beträgt 120 000 Quadratmeter, die Gesamtlänge der Entwässerungsleitungen 20 Kilometer. mh