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Wie die Heimat vor 120 Jahren aussah

Kultur : Wie die Heimat vor 120 Jahren aussah

24 Aufnahmen werden unter dem Titel „Das älteste Fotoalbum der Eifel“ bis zum 29. Juni in der Volksbank in Daun gezeigt.

Nein, die Menschen, die damals in der Eifel lebten und arbeiteten, seien auf den Fotografien nicht zu sehen, räumte in seinem gleichermaßen informativen und unterhaltsamen Einführungsvortrag der Historiker und Hauptkulturwart des Eifelvereins, Professor Wolfgang Schmid (Winningen) ein. Doch wer sind dann die Kinder, die in Prüm vor Basilika und Konvikt dem Luxemburger Fotografen Charles Bernhoeft (1859-1933) offenbar bei seiner Tätigkeit zuschauen? Oder die Jungen mit Strohhüten und in Anzügen, die den Vordergrund des Bildes von Schönecken bevölkern? Wer ist denn der Mann mit Hut, der auf der Fotografie „Daun um 1890, Blick vom Wehrbüsch“ lesend auf einem Stein sitzt?

   „Es handelt sich um so genannte Staffagefiguren, die nachträglich hineinretuschiert wurden“, erklärte Professor Schmid den etwa 80 Gästen der Eröffnung der Ausstellung. Diese Figuren sollten die Bilder beleben, die sonst – wegen der langen Belichtungszeiten – keine Menschen zeigten. Der Star- und Hoffotograf und Chronist Bernhoeft habe die Eifel aus der Sicht seiner Kunden, der Sommerfrischler, die ein Reiseandenken mitnehmen wollten, gesehen. Daher habe er bevorzugt romantische Landschaftsensembles mit pittoresken Ortschaften fotografiert – und nie die Bewohner und ihre Arbeit. Die Alben mit Bildersammlungen von Städten und Landschaften seien seinerzeit Exportschlager gewesen, sagte Schmid.

   Die 24 ausgestellten historischen Fotografien stammen aus dem 1896 erschienenen „Eifel-Album“ Bernhoefts und ermöglichen eine Rundreise durch die Eifel vor 120 Jahren. Sie beginnt in Prüm und in Orten entlang der Kyll, setzt sich dann in der Vulkaneifel fort und präsentiert schließlich eine Auswahl von Ansichten aus der Nord- und Osteifel. Von diesen Eifel-Alben können heute noch vier Exemplare nachgewiesen werden. Das für die Ausstellung in Daun verwendete gehört der Eifelbibliothek in der Genovevaburg in Mayen.

    Die Idee zu der Schau in der Dauner Volksbank habe Alois Mayer, Kulturwart der Eifelvereins-Ortsgruppe, gehabt, sagte der Volksbank-Direktor Thomas Klassmann. Was das Geldinstitut, den Eifelverein und die Fotoausstellung miteinander verbinde? „Wir stammen ursprünglich alle aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, erklärte Klassmann mit Blick auf 150 Jahre Volks- und Raiffeisenbanken, 130 Jahre Eifelverein und 120 Jahre Eifel-Alben. Die Musik zu den Worten der Vernissage machte der Saxophonist Ulrich Nonn (Daun).

Die Ausstellung kann bis zum 29. Juni während der Schalterzeiten in der Dauner Geschäftsstelle der Volksbank RheinAhrEifel, Abt-Richard-Straße 13, besichtigt werden, und zwar montags bis freitags, von 8.30 bis 12.30 Uhr, montags bis mittwochs und freitags, von 14 bis 16 Uhr sowie donnerstags, von 14 bis 18 Uhr.