Wie eine fehlende Rollstuhlsicherung das Leben eines Schwerstbehinderten noch schwieriger macht

Wie eine fehlende Rollstuhlsicherung das Leben eines Schwerstbehinderten noch schwieriger macht

Weil eine Rollstuhlfirma die Eltern des schwerbehinderten Daniel immer wieder vertröstet, kann der 36-Jährige wegen eines fehlenden KFZ-Sicherungssystems die Westeifel-Werke nicht mehr besuchen. Nun scheint sich etwas zu tun.

Daniel ist es zurzeit oft langweilig. Das merken seine Eltern Maria und Karl-Josef Gilgenbach am Verhalten des 36-Jährigen. "Dann wird er unruhig und lautstark", erzählen sie beim Besuch des TV. Jetzt gerade schaut er sich alte Traktoren in einer Zeitschrift an, und im Fernsehen läuft zum x-ten Mal ein Video vom Karnevalsumzug in Retterath. "Aber alle zwei bis drei Tage müssen wir etwas mit ihm unternehmen. Dann fahren wir nach Mayen, Daun oder Cochem", erklärt Maria Gilgenbach, "denn Daniel braucht viel Abwechslung."

Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt ist Daniel, das jüngere der beiden Kinder des Ehepaares, geistig und körperlich schwerbehindert. Entgegen der Einschätzung von Ärzten lernte Daniel laufen, wenn auch erst im Alter von vier Jahren auch nur mit Hilfe. Nichts ließ seine Familie unversucht, um ihn in seiner Entwicklung zu fördern. "Besonders die Therapien mit Pferden haben sich positiv ausgewirkt", sagt seine Mutter.

Und nie habe es Probleme gegeben, etwa wenn es um die Anschaffung des Treppenlifts oder den Rollstuhl mit elektrischer Schiebehilfe oder um den behindertengerechten Umbau des Badezimmers ging, betont sie.
Daniel hatte zunächst die Hubertus-Rader-Förderschule in Gerolstein besucht. Von dort wechselte er als Erwachsener zu den Westeifel- Werken (WEW). Doch hier bleibt sein Platz seit Anfang April leer. Hintergrund ist, dass Daniel nach einem Wirbelbruch endgültig an den Rollstuhl gebunden ist, also auch bei den Fahrten zu den WEW. Dafür aber muss sein Rollstuhl aus Sicherheitsgründen mit einem so genannten Kraftknotenadapter (siehe Info) ausgerüstet werden.

Die Krankenkasse stimmte umgehend zu, die Kreisverwaltung Vulkaneifel als Sozialhilfeträger forderte drei Kostenvoranschläge und eine Stellungnahme der Firma Brand-Vital in Schwerte/Nordrhein-Westfalen an. Dieses Sanitätshaus hatte den inzwischen sieben Jahre alten Rollstuhl seinerzeit geliefert.

"Seit Monaten werden wir von dieser Firma hingehalten", ärgern sich Maria und Karl-Josef Gilgenbach. Lediglich die Auskunft, dass Daniels bisheriger Rollstuhl nicht für das Kraftknotensystem geeignet sei, habe man ihnen bisher gegeben. Der Sachbearbeiter sei in einem anderen Gespräch, sei außer Haus, sei zurzeit dienstlich verhindert, er rufe zurück: So seien sie bisher bei ihren zig Anrufen vertröstet worden.

Und auch einen Rückruf habe es bisher nicht gegeben. "Nun hoffen wir, dass der Bericht im TV etwas bewirkt", sagen die Gilgenbachs. "Es wird höchste Zeit, dass Daniel wieder seinen geregelten Alltag hat", erklären sie mit Blick auf seine Betreuung in den WEW.

Der TV scheint bei der Firma Brand-Vital auf offenere Ohren zu stoßen als Daniels Eltern und Britta Sarnes, die sich als Leiterin des Pflegestützpunkts Landkreis Vulkaneifel ebenfalls ohne Erfolg telefonisch an Brand-Vital gewandt hatte.
"Ich kümmere mich sofort persönlich darum", versicherte Herolind Vladi, Leiter des Innendienstes des Unternehmens, dem TV auf (telefonische) Anfrage.Extra: ADAPTER IST WICHTIG FÜR DIE SICHERHEIT


Der Kraftknotenadapter ist ein speziell entwickeltes System zur Personen- und Rollstuhlsicherung im Fahrzeug. Die vorne und hinten am Rollstuhl befestigten Kraftknoten leiten die Zugkräfte in den Fahrzeugboden ab und ermöglichen so einen stabilen Stand. Zusätzlich wird der Rollstuhlfahrer durch einen längenverstellbaren Beckengurt gesichert. Als Kosten werden etwa 300 Euro für den Kraftknotenadapter sowie rund 80 Euro für die Montage angegeben.