Wie Frau von Wille mit Topfdeckeln an der Burgmauer zum Essen trommelte

Wie Frau von Wille mit Topfdeckeln an der Burgmauer zum Essen trommelte

Es waren die Gemälde des Kunstmalers Fritz von Wille, der die Eifel in harmonisierenden Farben darstellte, die mit dazu beitrugen, den Landstrich statt als "arm und öd" nun gelegentlich romantisch zu betrachten. Noch heute erzählt man sich rund um Kerpen Geschichten aus dem persönlichen Leben des berühmten Eifelmalers.

Kerpen. Maria Schäfer (88) erinnert sich an eine Geschichte, die ihr Großvater Peter Keul erlebte. "Bei uns in Kerpen fuhr Anfang des 20. Jahrhunderts noch keine Eisenbahn, daher nutzten alle die nächste Bahnstation in Oberbettingen. So musste mein Großvater das Langholz mit seinem Pferdegespann zum weiteren Transport bis dorthin bringen. Auf dem Heimweg gönnte er sich meistens in Hillesheim eine Pause. Der damalige Besitzer und Gründer von Kaufhaus Esselen lud dann auf den leeren Holzwagen Lebensmittel und Waren für das kleine Geschäft Widua in Kerpen.
Auch die Petroleumkannen wurden drangehängt, denn elektrisches Licht gab es damals noch nicht. Das Schönste aber, was mein Großvater je transportierte, war eine Hutschachtel für Auguste von Wille, die Ehegattin des Eifelmalers, die seit 1911 auf der Kerpener Burg wohnte. Nach der Größe der Hutschachtel zu urteilen muss es wohl ein großer Hut gewesen sein, den die Hutmacherin Frau Arens an den "Langfart" (Verlängertes Rundholz am Ende des Wagens) hängte."
Dorf- geschichte(n)


Als Student der Kunstakademie Düsseldorf unternahm der 1860 in Weimar geborene Fritz von Wille ab 1885 regelmäßig Reisen in die Eifel. Der Künstler nutzte die auf einem Riffsporn stehende Burg Kerpen ab 1911 bis zu seinem Tod im Jahre 1941 als Sommeratelier.
Beim Besuch von Kaiser Wilhelm II. in Daun im Jahre 1911 wurde dem Maler der Rote Adlerorden verliehen, was Anerkennung und Aufträge unter anderem von großformatigen Wandgemälden brachte. Älteren Hillesheimern ist noch bekannt, dass er zum Einkaufen mit der Eisenbahn von Kerpen kam und sein großer leerer Rucksack bis in die Kniekehlen hing. Lief er paar Stunden später die Straße zum Bahnhof wieder rauf, dann war er prall gefüllt. "Oftmals wurde bei uns in der Drogerie angerufen und Waren bestellt, die ich in einem Karton auf dem Gepäckträger mit dem Fahrrad zur Burg brachte", erinnert sich Magda Hennrich (89).
Im Dorf wusste jeder, wenn bei Willes gegessen wurde. Dann beugte sich Frau Auguste über die Burgmauer und schlug energisch mit zwei alten Topfdeckeln, so hörten ihre Kinder und auch ihr Mann, der nachmittags im Gasthof Manstein gern einkehrte, was es geschlagen hat.fs