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Wilde Findelkinder im Wald lassen

Wilde Findelkinder im Wald lassen

Ein buschiger Schwanz und eine dunkle Linie im Rückenfell: Das sind die typischen Merkmale, die eine Wildkatze von einer Hauskatze unterscheiden. In menschliche Obhut gehören die Wildtiere nicht, sagen Naturschützer.

Kaisersesch. Ein kleines fauchendes Haarknäuel mit großen blauen Augen beherrscht derzeit die Garage von Agnes und Hans-Peter Hennen in Kaisersesch. Die Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Cochem-Zell wurde unverhofft "Ziehmutter" eines etwa zweieinhalb Monate alten Wildkätzchens. Dass ihr das Katzenkind, das eine Spaziergängerin mit zwei Hunden auf einem Feldweg gefunden und mitgenommen hatte, zur Pflege gebracht wurde, bedauert Agnes Hennen einerseits: "Wildkatzen gehören ganz und gar nicht in menschliche Obhut." Zu jung, um Mäuse zu fangen

Anderseits ist das Kätzchen noch zu jung, dass man es jetzt schon allein seinem natürlichen Lebensraum im Wald überlassen könnte: "Es hat von seiner Mutter noch nicht das Mäusefangen gelernt. Draußen würde es eingehen."Leider ist zu viel Zeit vergangen, bis die kleine Wildkatze über Umwege zur BUND-Vorsitzenden kam, denn sie hätte das Jungtier sofort wieder an die Stelle gebracht, wo es als vermeintlich ausgesetztes Hauskatzenbaby aufgefunden wurde: "Möglicherweise musste die Mutter des Kleinen aus einem Versteck mit ansehen, wie ihr Junges mitgenommen wurde. Sie hat sicher noch einige Stunden nach ihm gesucht." Darüber, warum das Muttertier ihr gut genährtes Kind überhaupt allein auf einem Weg liegen ließ, kann man nur spekulieren. Agnes Hennen vermutet: "Die Katze hatte vielleicht zwei Junge, die sie nacheinander zu einem Versteck bringen wollte. Als dann die Spaziergängerin mit ihren Hunden auftauchte, hatte die Wildkatze keine Chance mehr, das zurückgelassene Junge in Sicherheit zu bringen."Was genau passiert ist, kann der kleine Wildfang auch nicht erklären. Aber da das Tier nun einmal in ihrer Obhut gelandet ist, kümmert sich Agnes Hennen auch um sein Wohlergehen, bis es vom Wildkatzenzentrum Wildenburg in Kempfeld/Hunsrück aufgenommen werden kann. Mit den dortigen Fachleuten hat Agnes Hennen auch besprochen, wie sie das Katzenkind behandeln und ernähren muss, damit es ohne seine Mutter überleben kann. Gehege in der Garage

Zuerst hat Hans-Peter Hennen ein großes Gehege gebaut, das nun statt Auto in der Garage steht. Darin hat das Jungtier seine Ruhe, die es unbedingt braucht, betont Agnes Hennen: "Sobald ein Mensch auch nur in seine Nähe kommt, gerät es in Panik." Wildkatzen fauchen, spucken und schlagen heftig um sich, wenn sie in Gefangenschaft sind und Gefahr wittern. Und der Mensch ist für sie nun mal eine Bedrohung.Dreimal täglich schleicht sich die "Wildkatzen-Pflegemutter" ins Gehege, um dem Kleinen Futter hinzustellen und seine vorübergehende Behausung zu säubern. "Dabei halte ich mich höchstens zwei Minuten auf, um dem Tier so wenig Stress wie möglich zu machen." Agnes Hennen ist froh, dass es das magere Rinderhackfleisch frisst, das sie ihm anbietet. In freier Wildbahn würde seine Mutter ihm frisch gefangene Mäuse oder Ratten servieren. Auf gar keinen Fall darf das Wildkätzchen Hauskatzenfutter aus der Dose oder gar Sahne bekommen. Zum Spielen hat das Katzenkind ein paar Stoffmäuse, einen Ast und ein altes Handtuch, unter dem es sich gern verkriecht.Agnes Hennen ist sich sicher, dass das fauchende Findelkind eine junge Wildkatze ist, weil es die typischen Merkmale trägt, die es von einer Hauskatze unterscheiden, zum Beispiel die dunkle Linie im langhaarigen Rückenfell, der sogenannte Aalstrich, und der auffallend buschige Schwanz mit den dunklen Ringen am stumpfen Ende. Erbgut wird analysiert

Doch um einen wirklichen Nachweis zu haben, lässt sie eine vom BUND unterstützte DNA-Analyse machen, auch um die Verwandtschaft der Wildkatzenpopulationen festzustellen, die in rheinland-pfälzischen Wäldern umherstreifen.Wenn das Wildkatzenkind in den nächsten Tagen ins Wildkatzenzentrum Wildenburg umzieht, wird es dort im großen Freigehege artgerecht leben und gefüttert, bis es "auf eigenen Pfoten stehen" und selbst Mäuse fangen kann. Agnes Hennen geht davon aus, dass ihr haariges Pflegekind im Frühjahr sanft ausgewildert wird. Sie bittet alle Spaziergänger, die vermeintlich ausgesetzte junge Kätzchen in der Natur finden, nicht mit nach Hause zu nehmen, denn es könnten Wildkatzen sein. Was ist zu tun? Am besten sollte man sofort den zuständigen Förster, Jagdpächter oder auch die Polizei informieren. wildkatze-rlp.de