1. Region
  2. Vulkaneifel

Windkraftbefürworter an der Oberen Kyll tun sich zusammen

Regenerative Energien : Windkraftbefürworter an der Oberen Kyll tun sich zusammen

Birgel, Gönnersdorf, Lissendorf, Steffeln und Schüller wollen gemeinsam auf dem Rammelsberg Flächen für Windräder verpachten.

Die fünf Obere Kyll-Gemeinden Birgel, Gönnersdorf, Lissendorf, Steffeln und Schüller haben einen Solidarpakt geschmiedet, um künftig auf dem so genannten Rammelsberg Windkraft zu realisieren. Die Einnahmen sollen gemäß eines speziellen Schlüssels untereinander aufgeteilt werden, Bürger die Möglichkeit erhalten, sich zu beteiligen.

Die Gemeinderäte der fünf Kommunen haben sich in ihren jüngsten Sitzungen allesamt für die Solidargemeinschaft in Sachen Windkraft ausgesprochen – zuletzt in Schüller. Dessen Ortsbürgermeister Guido Heinzen, der zum Sprecher der Gruppe auserkoren wurde, berichtet: „Die Idee, uns zusammenzutun, hatten wir schon früh. Wir erhoffen uns dadurch eine stärkere Stimme innerhalb der Verbandsgemeinde, da man den Wunsch von Fünfen schlechter abtun kann als den einer einzelnen Gemeinde. Wir haben so eine bessere Verhandlungsbasis gegenüber Projektierern und erhoffen uns eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung, denn so werden viel mehr davon profitieren.“

Zwar obliegt es dem Rat der Verbandsgemeinde (VG) geeignete Bereiche für die Windkraftnutzung im Rahmen der Flächennutzungsplanung auszuweisen, doch diesbezüglich ist die Fünfergruppe optimistisch. Heinzen sagt: „Das Gebiet auf dem Duppacher Rücken, besser bekannt als Rammelsberg, war bereits in den bisherigen Überlegungen als geeignet eingestuft worden. Im Detail muss das natürlich noch geprüft werden.“

Für die Obere Kyll-Gemeinden war der Startschuss, sich mit dem Thema Windkraft näher zu beschäftigen, bereits am 31. Oktober 2019 gefallen: Da hatte der Rat der neuen VG Gerolstein (die sich aus den alten Verbandsgemeinden Gerolstein Hillesheim und Obere Kyll zusammensetzt) beschlossen, den Bereich östlich der B 51 für die Windkraftplanung zu öffnen. In der Vergangenheit war man an der Oberen Kyll übereingekommen, das Areal von Windrädern freizuhalten, weil auf der anderen Seite bereits viele Anlage aufgestellt worden waren.

Die betreffende Fläche auf dem Rammelsberg umfasst 272 Hektar, allesamt in Gemeindeeigentum. Das größte Gebiet gehört Lissendorf, Birgel ist nur dabei, weil die vor Gemeinde vor etlichen Jahren mal ein Waldstück mit Lissendorf getauscht hat. Birgels Ortsbürgermeister Elmar Malburg sagt daher auch augenzwinkernd: „Eine sehr weitsichtige Entscheidung damals.“

In der Skizze, die dem Solidarvertrag beigefügt ist, um das Gebiet räumlich darzustellen, sind 15 Windkraftanlagen eingezeichnet. Wie viele es letztlich werden, ist aber noch offen.  „Es ist kaum vorstellbar, dass es so viele werden“, sagt Heinzen und betont: „Wir wollen möglichst ökologisch vorgehen: Wenn eine Anlage zu nah an einem geschützten Wald geplant ist, verschieben wir sie eben. Auch müssen wir nicht auf Gemarkungsgrenzen achten, da ja alle mit dem Boot sind.“ Damit soll der klassische Streit, wie er sich vielerorts entzündet hat, gar nicht erst aufkommen: Das eine Dorf sieht auf das Windrad unmittelbar an der Gemarkungsgrenze, schaut aber finanziell in die Röhre.“

Apropos Finanzen: Auf Basis von bereits vorliegenden Angeboten und Erfahrungswerten aus anderen Kommunen kalkuliert die Fünfergruppe mit 150 000 Euro Pachteinnahmen pro Jahr pro Windrad. Bei 15 Anlagen wären das jährlich 2,25 Millionen Euro. Geteilt durch 5 wären das rein rechnerische 450 000 Euro für jede der fünf Gemeindekassen. Zur weiteren Entwicklung und vor allem der Flächennutzungsplanung des VG- Rats sagt Heinzen: „Schaun wir mal.“