Energie: Windkraftpläne im Kelberger Land werden noch geprüft

Energie : Windkraftpläne im Kelberger Land werden noch geprüft

Die Grünwerke, ein Unternehmen der Stadtwerke Düsseldorf, wollen bis Ende kommenden Jahres einen Windpark bei Boxberg und Bongard errichten. Ob er kommt, ist aber noch offen.

Die Nachrichten aus der Windenergiebranche sehen derzeit nicht nach Wachstum aus, so berichtete der SWR vor wenigen Tagen von einer „tiefen Krise“. Auch die News der Windanlagenbauer selbst sind weit entfernt von jeglicher „Goldgräberstimmung“, die ihr noch vor kurzem von Kritikern attestiert wurde. Sie schildern in ihrem Pressedienst Windbranche einen „dramatischen Preisverfall“, denn gezahlt werden durchschnittlich nur noch vier statt früher sechs Cent pro Kilowattstunde.

Der Wirtschaftsinfo-Dienst Heise sieht darüber hinaus vor allem die mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung als Grund für den faktischen Ausbaustopp fast überall; nicht nur gesundheitliche Risiken und Umweltschäden werden von den Kritikern ins Feld geführt, sondern auch die wegen der sinkenden Immobilienpreise im Umfeld der Windkraftanlagen „schleichende Enteignung“ der Anwohner. Dennoch haben sich die Grünwerke aus Düsseldorf die VG Kelberg als Potenzialregion für einen neuen Windpark ausgesucht. Sie beziehen sich auf Flächen, die „nach Einbezug der Bürger in 2012 für die Windkraft bereitgestellt“ worden seien, und auf einen Vertragsabschluss mit den Grünwerken. Externe Gutachten, so die Grünwerke, hätten die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für Schall- und Schattenimmissionen bestätigt. Auch würden laut Biotoptypenkartierung keinerlei empfindliche oder gesetzlich schützenswerte Areale in Anspruch genommen. Es gebe keine artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen etwa für Fledermäuse und Greifvögel seien in der Planung vorgesehen.

So soll nach dem Willen der Düsseldorfer zwischen Brück, Boxberg, Bongard und Gelenberg im kommenden Jahr ein Windpark entstehen und Anfang 2021 in Betrieb genommen werden. Sechs Windräder sollen hier den Jahresenergiebedarf von rund 20 000 Drei-Personen-Haushalten erzeugen. Vier der Anlagen mit einem Rotordurchmesser von 142 Metern würden dann im Wald stehen, zwei auf landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die Abstandsvorgaben von 1000 Metern zu Wohngebieten würden eingehalten. Unter anderem durch Streuobstwiesen und die Leistung einer Ersatzzahlung soll die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes kompensiert werden.

Alois Sicken, Ortsbürgermeister von Bongard, antwortet zum derzeitigen Stand der Dinge: „Wann, in welchem Umfang und ob überhaupt die Grünwerke die vorliegenden Pläne umsetzen können, kann Ihnen heute keiner sagen. Das beantragte Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz ist bei der Kreisverwaltung beantragt und befindet sich im Moment noch in der Offenlage, der Ablauf und Ausgang ist durch niemanden vorhersehbar.“ Gespräche mit den Kritikern, die sich in der Wählergruppe „Sturm im Wald“ zusammengefunden haben, gibt es offenbar nicht: „Von ‚Sturm im Wald‘ hat mit mir bisher niemand ein persönliches Gespräch geführt. Es gibt somit keinen Kontakt und daher kann ich dazu auch nichts mitteilen. Mit einem Bürgermeister einer Nachbargemeinde habe ich ein kurzes Gespräch geführt, dieses war aus meiner Sicht relativ locker und es streifte auch nur kurz das Thema Windkraft, ansonsten hat auch hier kein persönlicher Kontakt stattgefunden.“

Verborgen bleibt die Haltung von „Sturm im Wald“ indessen nicht. Markus Ewinger, ein Sprecher der im Kelberger VG-Rat vertretenen Gruppe, betont: „Eins darf nicht unerwähnt bleiben, der effektivste Beitrag zum Klimaschutz ist die Energieeffizienz, das heißt die Einsparung von Energie.

Allein durch diese Maßnahmen kann gemäß einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung der Stromverbrauch bis zum Jahr 2050 um nahezu zwei Drittel reduziert werden.“ Seinen Angaben zufolge laufen in der VG Kelberg Zulassungsverfahren für 23 Windenergieanlagen. Davon sind 19 Standorte im Wald geplant.

Stellungnahmen zu den Windpark-Plänen sind bis zum 5. September möglich.

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