Winter verhagelt die Bilanz

Winter verhagelt die Bilanz

Vorwiegend wegen des langen und frühen Winters hat es 2010 auf den Straßen im Vulkaneifelkreis viel öfter gekracht als im Jahr zuvor. Dennoch bleibt die Polizei gelassen. Denn erstens blieb es meist bei Bagatellschäden, zweitens ging die Zahl der Schwerverletzten erneut deutlich zurück.

Daun. 2101 Verkehrsunfälle gab es im Jahr 2010. Das waren zwar 198 mehr als im Jahr zuvor, aber es handelte sich aber fast ausschließlich um kleinere Blechschäden.

Horst Krämer, Verkehrssicherheitsexperte bei der Polizei in Dau, hat dafür eine einfache Erklärung: "Hauptverantwortlich für die Zunahme der Unfälle ist der langanhaltende Winter Anfang 2010 sowie der früh einsetzende Winter Ende 2010. Vor allem wegen mangelnder Fahrerfahrung sowie nicht angepasster Geschwindigkeit hat es so oft gekracht."

Besonders erfreulich ist für ihn, dass es trotz der Zunahme der Unfälle erneut weniger Schwerverletzte als im Jahr zuvor gegeben hat: 65 statt 81. Ein Trend, der seit Jahren anhält.

Die Zahl der Unfallopfer ist mit 272 auf dem niedrigsten Stand seit 2007. Für Krämer auch eine Folge der verbesserten Fahrzeugtechnik. Sein Appell in diesem Zusammenhang: "Gerade Fahranfänger sollten nicht mit alten Schrottkisten fahren, sondern mit Autos mit hohem Sicherheitsstandard."

Die Zahl der Unfalltoten blieb im Vergleich zum Vorjahr gleich: Auch 2010 starben bei Verkehrsunfällen im Vulkaneifelkreis vier Menschen.

Einen hohen Anteil an der Gesamtbilanz (38,5 Prozent) machen nach wie vor Wildunfälle aus: Deren Zahl stieg um 117 auf 808. Alfred Haas, stellvertretender Chef der Polizeiinspektion Daun, sagt: "Es ist leider festzustellen, dass in Waldgebieten immer noch zu schnell gefahren und zu selten mit Wild auf der Fahrbahn gerechnet wird." Sein Appell: "Langsam und besonders aufmerksam fahren." Auf die Frage, ob Hupen in Waldgebieten sinnvoll sei, winken Haas und Krämer unisono ab: "Damit wird nur das Wild aufgeschreckt."

Noch immer die Risikogruppe Nummer eins stellt die Gruppe der Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren dar, die 461 Unfälle baute (2009: 377). Dass trotz der Zunahme der Unfälle die Zahl der dabei verletzten (86) und getöteten Menschen (1) auf dem Niveau der Vorjahre blieb, ist für die Polizei ein Ergebnis der ausgeweiteten Präventionsarbeit an den Schulen. Außer in der Berufsschule in Gerolstein wurden im vergangenen Jahr erstmals auch an den drei Gymnasien im Kreis Verkehrssicherheitstage veranstaltet. Das soll beibehalten werden.

Die älteren Verkehrsteilnehmer bauten im Vorjahr 256 (+ 10) Verkehrsunfälle. Laut Krämer stellen sie "noch keine Risikogruppe" dar. Dennoch sieht er besonders bei ihnen künftig Handlungsbedarf. "Wir überlegen, künftig mit Informationsveranstaltungen oder Auffrischungskursen in Theorie und Praxis die älteren Herrschaften wieder etwas fitter für den Straßenverkehr zu machen. Denn Ziel muss es sein, die Senioren so lange wie möglich mobil zu halten", sagt Krämer. EXTRA

Unfallursachen: Häufigste Unfallursache innerhalb geschlossener Ortschaften ist nach wie vor "Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren" (24,9 Prozent). Überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit ist in 21,5 Prozent der Fälle ursächlich. Alkohol oder Drogen am Steuer hingegen sind nur noch in 2,7 Prozent aller Fälle Unfallursache. Dennoch gab es in diesem Bereich eine leichte Zunahme: 57 (+7) Unfälle wurden registriert. Unfallflucht: Die Zahl der registrierten Unfälle mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort stieg um 43 auf 294. Davon konnte wie in den Vorjahren aber knapp die Hälfte (48 Prozent) aufgeklärt werden. Krämer: "Dann drohen aber eine Geldbuße, bis zu sieben Punkte in Flensburg und der Führerscheinentzug." Kinder: Die Zahl der Unfälle mit aktiv als Fußgänger oder Radfahrer oder passiv als Mitfahrer beteiligten Kindern stieg um zwei auf 17 Unfälle leicht an. Verletzt wurden dabei 14 Kinder. Wie im Vorjahr wurde aber kein Kind bei einem Unfall getötet, und es ereignete sich auch erneut kein Unfall auf dem Schulweg. (mh)

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