"Wir kalkulieren lediglich unsere Kosten"

"Wir kalkulieren lediglich unsere Kosten"

DAUN/GEROLSTEIN.. Was kostet ein Telefongespräch pro Minute? Wer diese Allerweltsfrage in einem Krankenhaus stellt, erlebt sein blaues Wunder: "Da haben Sie mich auf dem falschen Fuß erwischt", "das wissen wir nicht". Nur zwei exemplarische Antworten für das allgemeine Schulterzucken, wenn es um dieses Thema geht. Keines der 15 Häuser in der Region kann dem Patienten den Minutenpreis nennen.

Aber warum das Ganze? "Es bereitet den Verantwortlichen zu viel Arbeit, die Daten zusammen zu stellen und zudem mangelt es an Einfühlungsvermögen dem Patienten gegenüber", sagt Jutta Nill von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Hier hat man vor drei Jahren eine ähnliche Untersuchung gemacht. "Es wird sich keiner ein Krankenhaus nach den Telefonkosten aussuchen, aber man fühlt sich wohler, wenn man weiß, was man zahlen muss." Das Problem haben einige Häuser nach den TV-Recherchen erkannt: "Ich gebe zu, dass wir uns da noch ein paar Gedanken machen müssen", sagt Otmar Clemens, Technischer Leiter im Trierer Brüderkrankenhaus. Ähnlich argumentiert Ralf Lunkenheimer, Geschäftsführer im Mutterhaus: "Dass der Patient nicht die Minutenpreise kennt, ist sicherlich nicht verbraucher-orientiert, da besteht Nachholbedarf." Auch in den kleineren Häusern teilt man diese Einschätzung und gibt in einem Fall sogar zu: "Das hab ich ehrlich gesagt gar nicht gewusst, dass wir die Minutenpreise nicht kennen." Einzig im Prümer Krankenhaus zeigte man sich verschnupft über die TV-Anfrage und machte keine detaillierten Angaben zu den Minutenpreisen. Per Mail teilte der kaufmännische Direktor Walter Minkenberg mit: "...dass wir je Einheit 0,15 Euro abrechnen, die Einheit je Orts- und Ferngespräch ist in der Regel eine Minute. Die Abrechnungen erfolgen harmonisiert zu den Telekom-Abrechnungen zum Beispiel unter Berücksichtigung der gewählten Vorwahl- oder Sondernummern. Wir sind nicht bereit, weitere Auskünfte zu erteilen."Fernsehen meistens kostenlos

Das Fernsehen ist in den meisten Häusern kostenlos. Nur in sechs Fällen wurden Grundgebühren zwischen 1,16 und 2,05 Euro pro Tag kassiert. Im St. Josef-Krankenhaus Zell wurden zusätzlich noch zeitabhängige Kosten fürs Fernsehen erhoben. Von dieser Praxis rückte man aber im Laufe der Recherchen ab. Bleibt die Frage, warum die Kosten für Telefon und Fernsehen in den einzelnen Krankenhäusern so erheblich schwanken. In Trier sind sie halb so hoch wie in Bitburg und Hermeskeil. "In unseren Häusern handelt es sich um teure Anlagen, die auch refinanziert werden müssen. Wenn das der Fall ist, denken wir gerne über eine Preissenkung nach", sagt Wolfgang Walter, Kaufmännischer Direktor der Krankenhäuser in Bitburg und Hermeskeil und ergänzt: "Größere Häuser können ihre Anlagen schneller refinanzieren, weil sie die Kosten auf viel mehr Patienten umlegen können als kleinere Häuser." Anderswo sieht man die Lösung in einem Anbieterwechsel: "Wir kalkulieren lediglich Kosten und wollen keinen Gewinn mit der Telefonanlage machen. Wenn wir einen günstigeren Telefonanbieter bekommen könnten, wären wir bereit, die Preise zu senken", sagt Alfred Pitzen, Stellvertretender Kaufmännischer Direktor im Gerolsteiner Krankenhauses. Fazit: Alle Häuser verweisen auf die hohen Kosten einer Telefon- und Fernsehanlage. Wolfgang Walter nennt ein Beispiel: "In Hermeskeil (180 Betten) haben wir 2003 eine neue Anlage gekauft. Für die Endgeräte inklusive Steuerungs-computer und Installation haben wir rund 650 000 Euro bezahlt." Die Wartungskosten beziffert er mit etwa 20 000 Euro pro Jahr, in Ehrang rechnet man sogar mit bis zu 30 000 Euro im Jahr. Nicht berücksichtigt sind da die Gebühren für GEZ und Gema. "Die Gema geht davon aus, dass der Patient auch Besuch hat und mit diesem gemeinsam fernsieht, was dann einer öffentlichen Aufführung ähnlich wäre", sagt Stefan Eiden, kaufmännischer Direktor im Ehranger Marienkrankenhaus. Ob angesichts der Preisunterschiede mit den Einnahmen der Patienten im Einzelfall tatsächlich nur Kosten kalkuliert werden, bleibt offen. "Es ist nicht auszuschließen, dass hier quersubventioniert wird", sagt die Verbraucherschützerin Jutta Nill. "Das Telefon wird als Einnahmequelle gesehen, denn wer im Krankenhaus liegt, hat Zeit und telefoniert, weil er oft einsam ist." Die Tabelle zeigt durch die Bank, dass es sich lohnt, in der Nebenzeit (je nach Anbieter ab 18 Uhr) zu telefonieren. Hier kann der Patient teilweise mehr als 66 Prozent sparen. Generell teuer sind dagegen Mobilfunkgespräche. Selbst in den preisgünstigsten Trierer Häusern ist das Telefonat zu einem Handy fast doppelt so hoch wie vom Standard Analog-Anschluss zu Hause. Geht man davon aus, dass ein Patient aus Trier in einem Trierer Krankenhaus überwiegend Ortsgespräche führt, fallen die Gesamtkosten in der Realität wohl geringer aus, weil Ortsgespräche günstiger sind als Ferngespräche. Analog dazu wird ein Patient aus einer ländlichen Gegend im Krankenhaus eher Ferngespräche führen und damit würde er, im Vergleich zum Modellkunden, möglicherweise mehr zahlen. Patienten die nicht bettlägerig sind, haben in allen Krankenhäusern die Möglichkeit, öffentliche Fernsprecher zu benutzen. In zwei Häusern ist das Telefonieren mit dem Handy sogar erlaubt. Bei Preisen von drei Cent ins Festnetz, je nach Vertrag, fallen die Gespräche dann mit dem eigenen Telefon deutlich billiger aus. Wer ans Bett gebunden ist hat die Möglichkeit, ein Telefon anzumelden und sich anrufen zu lassen, um zumindest die variablen Telefonkosten zu sparen.

Mehr von Volksfreund