"Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

"Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

GILLENFELD. In der Pulvermaargemeinde formiert sich mit einer Bürgerinitiative Widerstand gegen die Errichtung eines dritten Mobilfunksendemastes durch E-Plus mitten im Ortskern. In der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung konfrontierten die Anwohner den Gemeinderat mit der Frage der Bauerlaubnis dafür.

Noch vor einigen Jahren war Gillenfeld ein absolutes Funkloch in Sachen Mobilfunk. Das änderte sich erst mit der Errichtung der D 1-Sendeanlage am Feuerwehrgebäude. Später kam dann noch auf dem Dach des Hotels "Gillenfelder Hof" ein Sendemast von D 2 hinzu, so dass die Netzversorgung für Handys dieser beiden Provider geregelt ist. Lediglich Kunden von E-Plus hatten angesichts des weit entfernten Funkmasts in Pantenburg noch Empfangsprobleme in Gillenfeld. Dem soll jetzt abgeholfen werden: Mitten im Ort soll ein 20 Meter hoher Sendemast installiert werden. Ein Anwohner in der Holzmaarstraße hat mit E-Plus einen Vertrag für die Installation eines Sendemastes in seiner alten Scheune abgeschlossen, und das sorgt für Ärger - besonders bei den Anwohnern und auch anderen Gillenfeldern. "Schon vor einigen Jahren hat unser Nachbar Andeutungen gemacht, dass er daran denke, auf seinem Anwesen einen Sendemast installieren zu lassen, wobei ich ihm aber deutlich machte, dass ich das nicht gerne sehen würde", sagt Nachbar Richard Hesse. Bis jetzt war Ruhe in dieser Sache, doch kürzlich überraschte der Nachbar Hesse mit der Ankündigung, dass der Sendemast nun doch gebaut wird und nichts mehr dagegen zu machen sei.Die Angelegenheit war absolut geheim

"Davon wusste kein Mensch, das war so etwas von geheim. Wir waren alle überrascht darüber. Niemand im Dorf war informiert", so Hesses Ehefrau Edeltrud. Der Gemeinderat von Gillenfeld hatte dem Bauantrag für den dritten Mobilfunksender inmitten der Ortslage in einer nicht öffentlichen Sitzung zugestimmt, und der Anwohner hat mit E-Plus einen Vertrag unterschrieben. "Warum hat man die Bürger nicht vor der Genehmigung gefragt, und es bekannt gemacht?", wundert sich nicht nur Claudia Spechtmayer, die im Friedhofsweg wohnt. "Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, jetzt langt es aber", sagt sie. Erst vor acht Jahren hat Harald Meul "Im Gänspesch" gebaut - und deshalb nun demnächst in 30 Meter Entfernung einen Funkmast vor der Nase. "Welche Gründe die Gemeinderatsmitglieder zu dieser, für die Einwohner ihrer Heimatgemeinde folgenreichen Entscheidung bewegt hat, ist für die Bürgerinnen und Bürger nicht nachvollziehbar", sagt er. In der jüngsten Gemeinderatssitzung machten die Bürger dem Rat deutlich, dass sie angesichts der Strahlungsgefahr Angst vor der Errichtung eines dritten Sendemasts haben und verlangten vom Gemeinderat zu erfahren, warum die Anfrage nach einer Genehmigung nicht öffentlich bekannt gemacht wurde. Ortsbürgermeisterin Heike Hermes legte die Verfahrensweise des Rates der Baugenehmigung dar und erläuterte, "dass die Bedenken bekannt sind und wir uns weiter mit dem Thema beschäftigen werden". Der betreffende Grundstückseigentümer, der seinen Namen nicht genannt haben möchte, lehnte auf Anfrage des TV eine Stellungnahme zu seinem Vertrag mit E-Plus ab. Alle Nachbarn haben Angst vor der Strahlung der Funkmasten, die nun in Gillenfeld dreifach verstärkt auf die Menschen einwirkt. Die Aussagen von Fachleuten sind in der Frage der Strahlengefährdung je nach Couleur und Auftraggeber der Untersuchung kontrovers. Während die einen behaupten, es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, sagen die Gegner, dass die Strahlung der Mobilfunkanlagen für Erkrankungen wie Leukämie verantwortlich ist, Schäden am Erbgut und eine Schwächung des Immunsystems hervorrufen sowie Hirnschäden verursachen kann, das Krebswachstum fördere oder andere die Gesundheit schädigende Wirkungen habe.Auch drei Anlagen sind nicht gesundheitsschädigend

Besonders E-Plus sendet noch mit einer stärkeren Leistung als die beiden anderen Netzbetreiber. "Wir haben grundsätzlich nichts gegen Mobilfunk, wenn er gesundheitsverträglich gestaltet wird. Dies ist in Gillenfeld nicht mehr der Fall. Deshalb fordern wir, dass dieser Sendemast nicht gebaut wird und für alle Mobilfunkanbieter ein gemeinsamer Standort außerhalb der Gemeinde gefunden wird. Die Menschen hier haben eine große Angst", sagt Richard Hesse. E-Plus verweist auf die Bundesimmisionsschutz-Verordnung und dass bundesweit kein Vorfall von gesundheitlichen Schäden durch Mobilfunkstrahlung bekannt sei. In der Regel würden noch nicht einmal drei Prozent des Grenzwertes durch die Anlagen ausgeschöpft. Auch wenn in Gillenfeld drei Anlagen bestehen würden, sei dies noch nicht gesundheitsschädlich. Wenn die Anlagen nun außerhalb der Ortschaft kämen, würden die Menschen mehr Strahlen-Belastung direkt am Ohr haben, weil die Handys in diesem Moment auf mehr Leistung schalten müssten. Der Empfang könne nicht aus einem weit entfernten Abstand gewährleistet werden. Mobilfunksender in Wohnlagen sind grundsätzlich umstritten. Besonders für ihre Kinder, die noch im Wachstum sind, sehen die Bürger eine Gefahr. In Gillenfeld liegen der Kindergarten und die Schule in einem Radius von nur 500 Metern aller drei Mobilfunksender. Kindergarten und Schule sind von der neuen Anlage gerade einmal 230 Meter entfernt. Jetzt will die Bürgerinitiative eine Unterschriftenaktion in der Gemeinde starten. Wie ist Ihre Meinung zu Mobilfunksendern in Wohnanlagen? Schicken Sie uns dazu eine Mail unter eifel-echo@volksfreund.de