"Wir zwei sind ganz lieb"

Die 15-jährigen Freundinnen Sarah Gierden und Serina Zoaeter besuchen am heutigen Heiligabend als Christkind und Engel die Kinder im Dorf. Damit halten sie einen Brauch aufrecht, den schon ihre Mütter in Schönbach gepflegt haben.

Als Christkind in Schönbach unterwegs: Sarah Gierden und Serina Zoaeter. TV-Foto: Brigitte Bettscheider

Schönbach. Für den Termin mit dem Trierischen Volksfreund haben Sarah Gierden und Serina Zoaeter ihre Heiligabend-Kleidung schon ein paar Tage vorher angelegt: weiße Kleider aus feinem Chenille-Stoff, dezent mit Goldborten verziert, dazu einen Schleier aus Taft und einen Haarreifen aus Goldfolie. Zum dritten Mal bereits gehen die Mädchen als Christkind und Engel durchs Dorf.Der Brauch ging von den Müttern auf die Töchter über

Dass sie sich auch dieses Jahr wieder auf den Besuch bei etwa einem halben Dutzend Familien mit kleinen Kindern freuen, sieht man der Realschülerin Sarah und der Gymnasiastin Serina förmlich an: Sie strahlen und lachen. Als ihre Mütter Petra und Monika in ihrem Alter waren, hatten auch sie diesen Brauch gepflegt.Vom Ablauf des Christkind- und Engel-Rundgangs in dem knapp 300 Einwohner zählenden Schönbach berichten die Mädchen, dass Ortsbürgermeister Armin Breuer regelmäßig frühzeitig nachfrage und die Nachricht "Das Christkind kommt" in das Mitteilungsblatt setze. "Dann melden sich die Familien bei uns an", erklärt Petra Gierden, die an Heiligabend auch die Fahrt von Haus zu Haus übernimmt. "Damit die beiden nicht frieren und damit es nicht zu spät wird", erklärt sie. Für jede Familie werde etwa eine Viertelstunde eingeplant.Wenn das Christkind und der Engel ankommen, geben die Eltern schon an der Haustür Hinweise über das Verhalten der Kinder. "Wir finden es schön, dass wir die Kinder meistens mehr loben als tadeln sollen", sagen Sarah und Serina. Auch die Geschenke werden von den beiden himmlischen Botinnen überbracht: Barbie-Haus und Ketcar, Puzzle und Bausteine."Am Anfang sind die Kleinen meistens total ängstlich", erzählt Sarah Gierden. Sie versteckten sich hinter den Erwachsenen, manche weinten sogar. "Aber wenn sie dann merken, dass wir zwei ganz lieb sind, dürfen wir sie sogar auf den Arm nehmen", erinnert sich Serina Zoaeter. Als Lohn für ihren Dienst bekommen Sarah und Serina Geld oder ein Geschenk. Die letzte Station des Christkinds und des Engels wird auch in diesem Jahr wieder Serinas Familie sein; sie hat vier jüngere Geschwister. Und Sarahs 13-jährige Schwester Julia hat dem TV-Gespräch aufmerksam zugehört. Gut möglich, dass auch sie einmal das Christkind- oder Engelsgewand in Schönbach tragen wird.