Wirklich nur Holz, Schotter und Lava?

GEROLSTEIN. Welche Zukunft hat der Schienengüterverkehr in der Eifel - in der Zeit nach der Maut-Einführung? Kontroverse Meinungen beim Forum in Gerolstein: Während Land und Bund für das Vorhaben Geld versprechen, sind die Spediteure zwiegespalten, die Bahngesellschaften optimistisch, doch die Kunden nach wie vor zurückhaltend.

"In Rheinland-Pfalz steigt der Güterverkehr in den nächsten Jahren um 30 Prozent, und bei den Straßen stoßen wir schon heute an die Grenzen bei Veränderungen der Infrastruktur", sagte Franz Schwarz, wirtschafts-und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und verwies dabei auf den zögerlichen Weiterbau der A 1 oder den Hochmoselübergang. Ein Konzept für kombinierten Güterverkehr auf der Straße und der Schiene müsse her. Er versprach: "Wenn Sie ein tragfähiges Konzept haben, soll Geld nicht das Hemmnis sein. Bundes- und Landesmittel sind zu kriegen." Dass Geld fließe, dafür gab es in Gerolstein schon den Beweis: Vor zwei Jahren wurde die Gesellschaft CTG (Container Terminal Gerolstein) gegründet. An der 1,3 Millionen Euro teuren Investition beteiligte sich der Bund "in erheblichem Umfang", so CTG-Geschäftsführer Josef Müller. Jüngst wurde für 150 000 Euro die Verladestraße erneuert. So steht in Gerolstein jetzt ein funktionstüchtiger Umschlagplatz (der einzige zwischen Köln-Eifeltor und Trier) zur Verfügung, aber es liegen nur wenige Aufträge vor. Das soll sich bald ändern. Jörg Petry, Chef der Vulkaneifelbahn (VEB) und somit CTG-Gesellschafter, erklärt: "Die CTG kann das Auslastungsrisiko nicht alleine stemmen." Die CTG hat die Stinnes AG (Nachfolger der DB Cargo) mit ins Boot genommen. Christoph Tews kam eigens aus Berlin, um beim von der SPD-Landtagsabgeordneten Astrid Schmitt organisierten Forum in Gerolstein die Kooperation zu bestätigen. Die Stinnes AG sei jede Nacht mit 50 000 Güterwagen unterwegs. Tews: "Wir planen einen Zug aus der Eifel, der in Köln von uns übernommen und in die Richtungen Berlin und Hamburg geteilt wird." Rentabel würde der Kombi-Verkehr erst ab Entfernungen von 600 Kilometern, in Ausnahmefällen 400 Kilometern."Holztransport per Bahn bisher sehr kompliziert"

Hans-Josef Gräfen, Dauner Spediteur mit 50 LKW, kritisiert: "Der Kombi-Verkehr klappt auch in Trier nicht. Die Politik erhöht über die Maut die Preise für den Transport auf der Straße, um die Bahn konkurrenzfähig zu machen." Nach seiner Meinung gehören aus der Eifel nur "Holz, Schotter und Lava auf die Schiene, für Stückgut ist das Utopie". Wolfgang Witzel, Leiter des Gerolsteiner Forstamts, mäkelt: "Bisher war der Holztransport mit der Bahn sehr kompliziert. Außerdem unterschieden sich die Preise: Ab Daun waren es 150 Euro mehr und ab Kaisersesch 200 Euro." Der Holztransport wird über die VEB abgewickelt. Dazu Petry: "Wir können andere Preise machen, wenn die Aufträge stetig sind." Ralf Wagner-Nowak, Chef der Vulkan-Spedition in Kelberg, glaubt, die Lösung parat zu haben: "Wir haben das Abroll-Container-System. Damit braucht man für die Verladung keinen Kran. Das wäre die optimale Ergänzung für die anderen Verladestellen." Eckhard Uebach, Geschäftsführer des gleichnamigen Technologieunternehmens, stellte Automatisierungsprojekte für Güterumschlagplätze vor. Er meinte: "Durch Automatisierung werden die Zeiten verkürzt und der Anliefer-Rhythmus präzisiert. Was wir für Porsche geschafft haben, können wir ebenso für Papier, Sprudel oder Joghurt."Sprudelbranche erteilt Bahn Absage

Bernd Engelhaupt, technischer Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens, blieb skeptisch: "Es geht nicht nur um die Lieferung. Wir brauchen unser Leergut zurück." Zudem würden bei Gerolsteiner 80 Prozent der Waren abgeholt. "Wir haben eine andere Struktur. Wir beliefern keine großen Zentrallager, und weniger als ein Prozent unserer Kunden hat einen Bahnanschluss." Herbert Bauer, Prokurist der Nürburg-Quelle in Dreis, sagte ebenso: "Verladung über die Schiene ist für uns kein Thema."