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Wirtschaftsförderungsgesellschaft Vulkaneifel zieht Bilanz

Wirtschaft : Geprägt von Pandemie und Flut – wie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Eifeler Unternehmen stützen und Firmengründer stärken will

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Kreises Vulkaneifel besteht seit 40 Jahren. Doch es herrscht alles andere als „business as usual“, weder für die Förderer, noch für die Unternehmen. Ein Beispiel: der Unverpackt-Laden „FüllMal“.

Das Pressegespräch zur Bilanz des vergangenen Jahres und zum Ausblick auf die nahe Zukunft war einmal mehr digital und keine Präsenzveranstaltung in den Räumen der WFG: Corona lässt noch nicht locker. So wunderte es nicht, dass die Präsentation, durch die WFG-Chefin Judith Klassmann-Laux führte, grafisch mit dem gewohnten Mund-Nase-Schutz garniert war. Neu in dieser Auflage des traditionellen Treffens: ein Foto vom überfluteten Gerolsteiner Bahnhof. Beides illustrierte die Belastungen, denen auch die Vulkaneifeler Wirtschaft ausgesetzt ist: Pandemie und Flut. Beharrlichkeit lautet da die Devise.

Interessant sind die Gründungsvorhaben, mit denen potenzielle Neuunternehmer auf die WFG zugingen, um sich beraten zu lassen. Insgesamt waren es 51 Erstkontakte und somit zahlenmäßig ein niedrigeres Niveau als in den Jahren vor Corona. „Aber es sind trotz Pandemie keine Existenzgründungen, die aus der Not angepeilt werden, sondern es handelt sich um eigene Geschäftsideen vor allem in den Bereichen Gesundheit, eCommerce und Landwirtschaft“, berichtete Angelika Gerhartz, die bei der WFG erste Ansprechpartnerin für Gründungswillige ist. Auf den ersten Blick erstaunt vor allem, dass in speziellen Nischen der Landwirtschaft so etwas wie Aufbruchstimmung herrscht: Kleine Hofläden oder Modelle für ökologische Gemüsekisten im Abo sind da einige Projekte.

Wie der Unverpackt-Laden „FüllMal“ Flut und Corona-Pandemie trotzt

Eine, die ihre Existenzgründung auch mit Beratung durch die WFG bereits hinter sich hat, ist Jessica Thijs mit ihrem Unverpackt-Laden „FüllMal“. Den gibt es seit 2019 als Mobil auf Wochenmärkten, seit vergangenem Jahr auch stationär in der Gerolsteiner Fußgängerzone. Thijs bietet haltbare Lebensmittel, Feinkost, Süßes oder Kosmetik an. Auch Biogemüse und Coffee-to-go gibt es, natürlich in nachhaltigen Gefäßen oder in den selbst mitgebrachten Pott. Alles ist ökologisch zertifiziert, vieles stammt aus der Region. Die in den Metropolen bereits erfolgreichen Unverpackt-Läden, die mit ihrem Ansatz die Umwelt vom überhand nehmenden Plastikmüll entlasten wollen, ist für die Eifel eine Innovation.

Doch die Pandemie und die Flut machen der Neuunternehmerin zu schaffen: Kurz vor der Eröffnung des Ladens wurde er überschwemmt und musste neu eingerichtet werden. Seit dem verzögerten Start ist mangelnde Kundenfrequenz in der Fußgängerzone ein Problem. „Um mich herum sind Läden mit 2G. Meiner ist nicht betroffen, da ich Dinge des täglichen Bedarfs verkaufe, aber das muss sich bei einem neuen Geschäft wohl erst herumsprechen“, hofft die junge Händlerin auf ein besseres Frühjahr. Und wünscht sich Unterstützung seitens der Stadt: Sie hat die Anbringung eines Werbebanners beantragt und wartet seit Wochen auf Antwort. Ihr Beispiel zeigt, dass es nicht allein auf gute Beratung durch die Wirtschaftsförderung ankommt, sondern dass zu einem lebendigen Standort die Bürgerinnen und Bürger selbst sowie die Kommunen beitragen müssen.

Zurück zu Bilanz und Ausblick: So wurden und werden in den vergangenen Jahren erfolgreich etablierte Angebote und Formate der WFG Vulkaneifel fortgesetzt wie beispielsweise der Wettbewerb „Funkensprüher“ für vorbildliche schulische oder studentische Arbeiten, die an Schulabsolventen und Azubis gerichtete Publikation „Eifel Starter“, die Neuunternehmertreffen oder die Gründungsberatung. Und manches erfährt neue Entwicklungen. Die online-Veranstaltungsreihe „ImPuls“ kümmert sich in diesem Jahr unter anderem um die Vorteile der Standortmarke Eifel, um die positiven Aspekte des Delegierens oder um neue Wege der Mitarbeiterbindung gehen. Die Gründungsberatung wird ergänzt um das Modul Senior-/Tandem-Beraternetzwerk, sodass junge Unternehmen von den Erfahrungen der „alten Hasen“ derselben Branche profitieren. Für den Einzelhandel wird es neue Informationsevents zu den Chancen einer passgenauen Digitalisierung geben. Gestärkt wird auch ein Netzwerk speziell von und für Unternehmerinnen: „Die sind selbstbewusst und benötigen keinen geschützten Raum“, erläuterte Klassmann-Laux, „aber es gibt viel Verbindendes und Gemeinsames, das sie von männlichen Chefs unterscheidet.“ Darum sei die Vernetzung der Frauen im Chefinnensessel für die Beteiligten besonders inspirierend.