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Wo Anstifter Applaus bekommen

Gemeinde : Wo Anstifter Applaus bekommen

Eine Gruppe von Gillenfeldern setzt zahlreiche Projekte fürs Dorf um und spornt andere zum Mitmachen an. Dabei enstand auch ein sogenannter Lasterfriedhof am Pulvermaar.

„Jemanden zu etwas anstiften“ bedeutet nicht immer etwas Gutes. Das Wort wird meistens im Zusammenhang mit Straftaten genutzt. Aber nicht immer hat einer Böses im Sinn, wenn er ein Anstifter ist. In Gillenfeld gibt es gleich eine ganze Gruppe davon, genauer gesagt 21 Personen. Und die haben wirklich nur beste Absichten: „Wir wollen die Gemeinschaft stärken und den Gillenfeldern bewusst machen, was sie eigentlich hier haben“, sagt Kurt Becker, der Oberanstifter, wie die anderen ihn nennen. Denn in den umliegenden Ortschaften höre man immer, wie gut die Situation im 1500-Einwohner-Ort sei, aber die Gillenfelder selbst würden das oft gar nicht so empfinden. „Und das war die Grundidee, den Leuten das auch zu vermitteln“, sagt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schlifter, der selbst von Anfang an zu den „Anstiftern“ gehörte.

Die Idee  wurde im Rahmen eines Arbeitskreises zur Ortsinnenentwicklung geboren. Acht Bewohner gehörten zum Gründungsteam und begannen im Anschluss an die erste Sitzung im Dezember 2012 neue Ideen für die Dorfgemeinschaft zu entwickeln. Nun musste noch ein Name her für die Gruppe. Schnell einigte man sich auf den Vorschlag von Berthold Ternes: „Die Anstifter“.

Aber wie sollte man nun die Dorfbevölkerung über die neue Gruppe informieren? Ganz einfach: „Wir haben eine Weihnachtskarte im Amtsblättchen verteilt und diese nur mit dem Namen ,Die Anstifter’ signiert.“ Niemand wusste, wer das war, und die Karte weckte Interesse. „Es gab viele, die gefragt haben ’Wer sind denn die?’“, sagt Becker. „Schließlich haben wir uns auch wieder im Amtsblatt geoutet.“

Mittlerweile sind „Die Anstifter“ bekannt und „treffen auf große Sympathie im Dorf“, betont Becker. So treffen sich also seit fünf Jahren in regelmäßigen Sitzungen männliche und weibliche kreative Köpfe und diskutieren hier ihre Ideen für eine visionäre Zukunftsgestaltung. Einiges ist bereits umgesetzt worden: Die Bürger haben Hundekotbeutel im Dorf verteilt, den Lastahuddelhuppen am Pulvermaar (siehe Info) errichtet, einen Bouleplatz am Spielplatz in der Nähe des Scheunencafés angelegt und den Gillenfelder Groschen eingeführt. Auch das „Café für Alle“, in dem besonders Flüchtlinge willkommen sind, basierte auf der Idee der Anstifter, bis die Kirchengemeinde es übernahm.

Zukünftige Projekte sind unter anderem die Aufarbeitung der drei Spielplätze im Ort sowie ein lebendiges Ortsschild. Wie das genau aussehen soll, muss noch beraten werden. Auch auf die Genehmigung dafür warten die Anstifter noch. Man habe auch darüber nachgedacht, einen Tag der Entschleunigung anzukündigen oder auch einen Tag ganz in Weiß. Oder wie wäre es, wenn man versuchen würde, die Flut an Prospekten, die täglich im Papiermüll landet, zu vermeiden? Die Vorschläge gehen den Gillenfeldern bislang nicht aus.

Nicht zu vergessen ist das Dorfblättchen „Gillenfelder Vision“, das seit Juli 2013 vierteljährlich an die Haushalte verteilt wird und Neuigkeiten und Geschehnisse in Wort und Bild aus dem Dorf verbreitet oder anekdotenhaft über frühere Zeiten berichtet. Anfangs hatte das Blatt 16 Seiten, heute sind allerdings 60 bis 70 Seiten keine Seltenheit. Und das sorgt für viel Beifall bei den Dorfbewohnern. Die nämlich können mithilfe eines Vordrucks im Dorfblättchen oder im Internet in jedem Quartal einen Gillenfelder bestimmen, dem ihrer Meinung nach besonderer Applaus für einzigartige Verdienste um die Dorfgemeinschaft gebührt. Damit alle sehen, wem die Gillenfelder für sein Engagement danken wollen, wird der Name des Auserwählten auf ein Blechschild eingraviert. Das hängt an einem großen Basalt­stein auf dem Marktplatz. Im letzten Quartal des Jahres kam diese Ehre Kurt Becker zu.

Das Dorfblättchen gibt es unter www.gillenfelder-vision.de oder auf Facebook.