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Wo die Ritter boxen und die Bettler hausen

Daun/Gerolstein/Prüm/Bitburg. In vielen Fällen sind die Eifeler Ortsnamen relativ leicht erkennbar und deutbar. Da gibt es recht viele, die auf -feld, -born (= Quelle, Brunnen), -scheid, -roth, -rod oder -rath (Waldrodung), -bach, -dorf oder -weiler enden. Da gibt es auch Dörfer mit der Endung -ingen, entstanden gegen Ende der Römerzeit und zu Beginn der germanischen Völkerwanderung. Aber ab und zu finden sich auch Ortsnamen, die seltsam klingen, rätselhaft anmuten und teils zum Schmunzeln anregen. Alois Mayer

Daun/Gerolstein/Prüm/Bitburg. Wen gruselt es nicht, wenn er durch das kleine Straßendorf Beinhausen fährt und er dabei an Skelette, Knochen und Gebeinhaus denkt? Doch damit hat dieser Ortsnamen absolut nichts zu tun. Alte Urkunden beweisen es. Dieser kleine Ort am Ufer der noch ganz jungen Lieser kann auf ein ziemlich hohes Alter zurückblicken.
Bereits 1290 wird er erwähnt, als Beinchenhausen, aus dem dann 200 Jahre später ein Beyirhusen wurde und schließlich ein Beyusen bis zum heutigen Beinhausen. Nun gab es damals noch keinen Duden und keine festgelegte Rechtschreibung. Die wenigen Schriftkundigen schrieben, wie sie es hörten oder empfanden. Und so nennt sich der Ort 20 Jahre später schon Beyirhusen und 1504 Beyhusen. Und in dieser Schreibweise ist schon deutlich die Wortbedeutung erkennbar. Beinhausen bedeutet also nichts anders als "Bei den Häusern". Ebenso, wie aus "Bei den Eichen" der Ortsname Neichen und aus "Bei den Erlen" Nerdlen wurde.
Und wer empfindet nicht Mitleid mit Betteldorf, jenem Dorf, das auf Betteln angewiesen ist oder in dem nur Bettler wohnen? Weit gefehlt! Rund 320 Menschen leben im Dorf, das weder erheblich ärmer noch bedeutend reicher ist als andere Gemeinden der Umgebung. Die Namensgebung geht vielmehr auf einen römischen Siedler zurück, dessen Namen Betilo gewesen sein soll. Und die örtliche Überlieferung will es sogar ganz genau wissen: Betilo war ein Gastwirt, der um 475 nach Christus eine Pferdewechselstation betrieb. Er vermählte sich mit einer hübschen Frankenfrau, gründete eine Familie und blieb dort wohnen. Und als sich später durch seine Nachkommen eine kleine Siedlung gründete, übernahm sie dessen Namen "Villa Bettilonis", aus dem sich dann der heutige Ortsname entwickelte, der so schon auf einer Karte des Amts Daun von 1683 verzeichnet ist.
Auch wenn diese rührende Liebesgeschichte nicht urkundlich dokumentiert ist, so birgt sie Wahrheit in sich. Denn dicht an dem heutigen Dorf vorbei führte die bekannte Maas-Mosel-Römerstraße, heute ein empfehlenswerter Wanderweg. Und dass sich dort eine Rast- und Pferdewechselstation befunden haben könnte, ist sehr wahrscheinlich.
Nachweisbar ist aber, dass dieser Ortsname stets Stirnrunzeln hervorrief und nicht jedem gefiel. So auch nicht dem Maximilian von Ehrenberg, ehemaliger preußischer Landrat in Daun von 1889 bis 1907. In seinem Bestreben, der Eifel, die als rückständiges armes Gebiet an Deutschlands Westgrenzen einen unguten Ruf besaß, ein besseres Image zu verleihen, versuchte er mehrmals auf hoher und höchster politischer Ebene, der Gemeinde Betteldorf einen poetischeren Namen zu verleihen. Zum Glück vergebens, wäre doch so eine kurzweilige Dorfgeschichte verloren gegangen.

Mindestens zehnmal findet sich der Name Boxberg in Deutschland. Aber wohl nur einmal ist mit ihm die geistlose Erklärung eines Boxberger Dorfschullehrers verbunden, der in der Schulchronik verewigte: "Dort, wo heute das Dorf Boxberg ist, versammelten sich früher auf der Heide die Burgherren von Daun, Nürburg und Kasselburg, um Boxkämpfe auszutragen." Ob die Burgherren von Kerpen, Gerolstein und Arenberg bei diesem Boxturnier zusahen?
1324 wird die Siedlung "curia in Buxber" genannt. Auch wenn die tatsächliche Bedeutung und Herkunft jenes Ortsnamens noch nicht eindeutig geklärt ist, hat er absolut nichts mit Faustkämpfen mittelalterlichen Klitschkos zu tun. Eine eindeutige Worterklärung ist etwas schwierig. Auch eine Deutung, wie "Berg, auf dem (Schaf-, Reh- oder Hirsch-) Böcke weiden", dürfte an den Haaren herbeigezogen sein. Die wahrscheinlichste Erklärung leitet sich von dem mittelalterlichen Wort "Buocha", die Buche, ab, ähnlich wie Buchet im Prümer Raum. Boxberg ist also demnach ein Berg, dicht bewaldet mit Buchen.
Hünerbach am Fuß des Hochkelbergs hört sich ebenfalls recht lustig an, Hühner am Bach. Doch auch diese oberflächliche Deutung ist falsch. Man muss sich nur bewusst machen, dass es vor rund 150 Jahren noch keine festgelegten Rechtschreibregeln gab. Jeder schrieb, wie er wollte, wie er es hörte.
Und im Eifeler Dialekt, besonders in dem der Struth und des Kelberger Raumes, sagt man eben für "hinten oder hinter" "hönnen, hinnen, hünnen". Und wenn dann ein französischer oder preußischer Kartograph in breitem Dialekt "Hönnerm Baach" oder "Hünnerm Bösch" hört, schreibt er eben sauber hin: Hünerbach, Hühnerbusch (bei Schleiden). Gut, dass aus "Hunnerweiler und Hunnerhausen" (Hinterweiler, Hinterhausen) nicht "Hühnerweiler" oder "Hühnerhausen" wurde.
Aber in der Tat, Hünerbach war die einzige Siedlung im ehemaligen Amt Daun im Kurfürstentum Trier, die hinter dem Grenzbach lag. Jener Bach, der Kurköln von Kurtrier trennte und noch heute Trierbach heißt. Ein munteres Bächlein, das eben erst bei Hünerbach in einer klaren Quelle seinen Anfang nahm.