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Wo kleine Hampelmänner geboren werden

Wo kleine Hampelmänner geboren werden

Es ist nicht leicht für Jan Heller, sich im Zeitalter von Internet und Billigkonkurrenz zu behaupten. Aber der gelernte Schreiner lässt sich davon nicht unterkriegen. Er leitet den Familienbetrieb, der seit 1927 besteht, gerne. Er hat seine Nische gefunden: handgefertigtes Kinderspielzeug, das er mittlerweile bis nach Japan liefert.

Dreis-Brück. In einem Ziegenstall in Dreis-Brück fing alles an. Magda Heller und ihr Mann Georg, die gemeinsam an der Kunstgewerbeschule Wuppertal studiert hatten, machten sich in Dreis-Brück selbstständig. Dass es eine Firma für Holzdekoration für Kinder geworden ist, lag daran, dass Magda Heller sich mit Entwürfen für die Wandgestaltung von Kindergärten in der Wuppertaler Gegend einen Namen gemacht hatte. Ihre Figuren wurden mit einer Dekupiersäge ausgesägt, und sie malte sie anschließend an.
Vom Ziegenstall in alle Welt

 Genaueste Handarbeit ist hier gefragt: Was so einfach aussieht, braucht lange Übung und Perfektion.
Genaueste Handarbeit ist hier gefragt: Was so einfach aussieht, braucht lange Übung und Perfektion. Foto: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"


Heute, neun Jahrzehnte später, ist aus dem Ziegenstall eine Werkstatt geworden, die um einiges an Fläche gewonnen hat. Überall finden sich Zeugnisse vergangener Zeiten - etwa aus den 70er Jahren, als die Heller-Produkte in Amerika der Renner waren.
Heute zählen vier Mitarbeiter zur Werkstatt. Gefertigt werden Hampelmännern, Garderoben, Uhren, Messlatten, Kleiderbügel und Ähnliches. Betriebs-Chef Jan Heller sägt die Motive, die auf Birkensperrholzplatten mit Siebdruck gedruckt sind, selbst aus. Auch für die Entwürfe ist er verantwortlich. "Die Ideen kommen mir beispielsweise bei der Sendung mit der Maus, oder wenn ich mir Tierfotos ansehe", sagt Heller und beschreibt seinen Stil: "klare Linien, Formen und Farben". Das sei ihm wichtig. "Das war schon bei meinem Vater Ralf, der den Betrieb vor mir führte und meinen Großeltern so", erzählt Heller.
Ein bis zwei Neuheiten entstehen pro Jahr. Einer seiner ersten Entwürfe war eine Serie mit wilden Tieren: Löwe, Elefant, Giraffe, Nilpferd, Krokodil und Zebra, die dann Messlatten, Mobiles oder Kleiderbügel zierten. Stolz sagt er: "Der ist inzwischen schon fast ein Klassiker."
Unterstützt wird er im Unternehmen von seiner Schwester Sabine. Sie sagt: "Neue Entwürfe werden bei uns auch immer in der Familie diskutiert." Dabei wird auch sehr viel Sorgfalt auf die Form verwendet, damit alleine durch den Umriss die Figur für Kinder zu erkennen ist. "Zu verrückt ist nichts für uns", erklärt Sabine Heller. Vor Kurzem hat Heller eine Garderobe mit Baumotiven wie Mischer, Bagger, Kran, Dampfwalze und Bauarbeiter in rot, blau, orange, grün und braun entworfen.
Aus der Mode kommen die Märchenfiguren nie, daneben sind Uhren sehr gefragt und Mobiles, besonders in Japan, das zu einem sehr wichtigen Markt für die Firma geworden ist. "Gerne werden auch Gebrauchsgegenstände wie Garderoben, Messlatten und Kleiderbügel gekauft."
Weiter expandieren will die Firma aktuell nicht. Denn damit wären neue Auflagen verbunden und Investitionen nötig, so dass sich das, erklärt der Betriebs-Chef, derzeit nicht rechnen würde: "Wir haben Arbeit genug, und es ist wirklich schwierig, für unsere Firma Arbeitskräfte zu finden. Das Aussägen ist eine sehr schwierige Aufgabe, die man nur mit langer Anlernzeit auf hohem Niveau ausführen kann." Hinzu kommt, dass nach Erfahrung von Heller "so kleine Firmen wie wir" für viele "ein bisschen aus der Zeit gefallen wirken".
Trotz rückläufiger Verkaufszahlen im Einzelhandel, Billigspielzeug und technischem Spielzeug, dass für immer jüngere Kinder angeboten wird, ist Heller optimistisch: "In Japan läuft es sehr gut, und wir bauen einen Onlinehandel auf, damit man unsere Produkte überall kaufen kann." Aufgeben kommt für ihn ohnehin nicht infrage: "Einen Familienbetrieb gibt man nicht einfach so auf."