Wohlfühlen in der Krimistadt

Wohlfühlen in der Krimistadt

Stadtmauer, beispielhaft sanierte Altstadt, Bolsdorfer Tälchen und Kriminelles an vielen Ecken und Enden: Die Stadt Hillesheim ist zwar keine Metropole, hat aber bei Gästen und Einheimischen den Ruf einer schmucken und interessanten Kleinstadt. Völlig zu Recht. Der TV war mit Hillesheimern in ihrer Heimatstadt unterwegs.

Hillesheim. Treffpunkt Stadtmauer, natürlich. Wo sonst? "Das ist einfach der schönste Platz in Hillesheim", sagt Anita Römer (64) und erhält kopfnickende Zustimmung von ihrem Mann Peter Weyhofen (66), Juliane (43) und Elena (14) Thome sowie Hubert Renkes (68). Der TV hat sich mit den fünf Menschen, die in Hillesheim leben und teilweise auch dort geboren und aufgewachsen sind, zu einem Rundgang durch und Gespräch über die Beispielstadt getroffen. Europäische Beispielstadt heißt Hillesheim übrigens deshalb, weil sie 1982 für ihre beispielhafte Stadtsanierung ausgezeichnet worden ist.
Ebenfalls in mehreren Etappen und über viele Jahre saniert worden ist die historische Stadtmauer samt Umfeld, das weithin bekannte Markenzeichen der Stadt. Mit Teich, Bänken und derzeit blühenden Beeten und Bäumen - ein kleiner Park und herrlicher Platz zum Verweilen. Und auf der Bühne werden ab und an Theaterstücke unter freiem Himmel aufgeführt. Früher jedoch mehr als heute.
Für das Areal der Stadtmauer wie für die gesamte Stadt gilt, was Peter Weyhofen sagt: "Sie ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schöner geworden." Als er 1976 vom Niederrhein nach Hillesheim gezogen ist, um als Betriebsführer bei der Molkerei Eifelperle anzufangen (was er bis zur Molkerei-Schließung auch war), habe er erst nachschlagen müssen, wo die Eifel und Hillesheim überhaupt sind. "Noch heute kann ich meine Frau damit ärgern, was dort über die Eifeler stand: kleines diebisches Bergvolk im Westen Deutschlands." Die Stadtsanierung war schon fast abgeschlossen, und für ihn war schnell klar: Hier ist es schön, hier wird meine neue Heimat. Und so kam es auch. Weyhofen hat das nicht nur durch Worte gezeigt, sondern auch durch Taten: 20 Jahre Wehrführer und gemeinsam mit seiner Frau Prinzenpaar 1991 und 1992. Einen deutlicheren Beweis von Heimatverbundenheit muss man erst einmal finden.
Mit diesem Prädikat ebenfalls aufwarten kann Juliane Thome, die vor drei Jahren als Prinzessin den Hillesheimer Narren vorstand - und Tochter Elena als Funkenmariechen.
Doch zurück zur Stadtmauer, die nicht immer in einem solchen Glanz erstrahlte wie heute. Anita Römer erinnert sich: "Früher war die Stadtmauer mit Ställen und Scheunen zugebaut. Da habe ich abends immer den Wagen meines Vaters einparken dürfen und war jeden Tag zweimal hier, um mit Kannen Milch zu holen." Einerseits Landidylle, andererseits aber alles andere als eine würdige Wahrung des historischen Gemäuers.
Und auch bei der jungen Generation kommt der Platz gut an. "Ich bin gerne hier, weil es schön und ruhig ist und man einen tollen Ausblick vom Turm hat", sagt die 14-jährige Elena Thome.
Einen guten Ausblick schätzen übrigens alle fünf. Jeder hat so sein geheimes Plätzchen -meist etwas außerhalb und - natürlich - mit Blick auf Stadt und Stadtmauer.
"Wisst ihr, dass allein in Hillesheim 65 Bänke stehen?", fragt Stadtratsmitglied Hubert Renkes (68) in die Runde. Er muss es wissen, ist er doch bei der Hillesheimer Rentnertruppe, die sich seit Jahren um ein schöneres Stadtbild kümmert. Da werden ehrenamtlich Beete angelegt, Mauern ausgebessert, Sträucher geschnitten und eben auch die Ruhebänke gereinigt und gepflegt.
Und auch sonst hat sich nach Ansicht der Gruppe vieles zum Guten entwickelt. Da sind zum einen die vielen kleinen, aber feinen Einzelhandelsgeschäfte. "Hier bekommt man alles, was man braucht - ob Fahrradschlauch oder einzelne Schraube", sagt Weyhofen. Und auch die 14-jährige Elena ist angesichts des Angebots zufrieden. Sie sagt: "Hier gibt es Klamotten, Spielsachen, eine Eisdiele und eben auch ein Kino. Das ist okay."
Dann ist da ja noch der Markt alle 14 Tage donnerstags - zwar nicht mehr wie früher samt großem und weithin bekanntem Viehmarkt, aber doch ein Wochen- und Krammarkt. Einkaufen ist da ja eh nur die eine Sache. "Man muss viel Zeit mitbringen, weil man so viele Bekannte trifft", sagt Anita Römer.
Und dann trifft man in Hillesheim seit ein paar Jahren noch viele andere Menschen - Wanderer und Krimi-Fans. Wegen des Eifelsteigs und weil Hillesheim zu Deutschlands Krimi-Hauptstadt ausgebaut worden ist - mit Krimi- und Gefängnishotel, Krimicafé, -archiv, -wanderwegen. Und alles nur wegen eines gewissen Herrn Berndorf.
Das lockt auch viele schräge Vögel an. "Da werden wir noch Herr drüber", sagt Ex-Wehrführer Weyhofen, der angesichts der gesamten Entwicklung ebenso wie die anderen einen gewissen Stolz auf sein Hillesheim nicht verhehlen kann.Extra

Der Trierische Volksfreund stellt in den kommenden zwei Wochen im Rahmen der Serie "Ich lebe gern in Hillesheim" die Stadt und das Hillesheimer Land vor. Dabei werden die Besonderheiten des einzigartigen Landstrichs in Wort und Bild dargestellt, es kommen viele Bürger zu Wort, und es werden Menschen porträtiert. Höhepunkt der Berichterstattung wird ein eigenständiges Magazin sein, das in der kommenden Woche kostenlos an alle Haushalte verteilt wird. mh

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