Wünsch dir was!

Aus Märchen kennen wir die gute Fee, die unverhofft erscheint und mindestens einen, manchmal sogar drei Wünsche frei gibt. Eine tolle Sache, nur geht das im Märchen meistens schief und am Ende wird es oft sogar gefährlich.


Uns passiert das natürlich nicht. Erstens hatten wir noch nie Besuch von einer Fee, und wenn wir uns zweitens doch etwas wünschen dürften, dann natürlich nur sinnvolle und gute Dinge. Vor dem Wünschen steht deshalb die Frage: "Was fehlt mir?" Die Antwort kann aus unserer Perspektive nur sehr vordergründig sein: Ich bin allein und mir fehlt ein lieber Partner, ich bin arm und mir fehlt ein Vermögen, ich bin arbeitslos und mir fehlt eine sinnvolle Aufgabe, ich ärgere mich über Andere und mir fehlt die Macht, ihnen das deutlich zu sagen.
Reichtum, Gesundheit, gutes Aussehen, Macht und ein langes Leben stehen auf der Liste unserer Wünsche bestimmt ziemlich weit oben.
Verständlich, schließlich zeigen uns die entsprechenden Hochglanzmagazine und Fernsehsendungen jeden Tag, wie man dadurch angeblich ein erfolgreiches und glückliches Leben führt. In der alttestamentlichen Lesung erfüllt Gott heute dem jungen Salomo einen Wunsch. Dieser wünscht sich nicht Reichtum oder den Sieg über seine Feinde. "Gib mir ein hörendes Herz!", so bittet er den Herrn. Salomo erkennt, dass weder Besitz noch Macht, noch Gesundheit das Leben ausmachen.
Ein hörendes Herz - für mich ist das ein eindrucksvolles Bild für einen sensiblen und feinfühligen Menschen, der ein wirkliches Gespür für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen hat.
Ein hörendes Herz beinhaltet auch die Fähigkeit, genau und immer wieder hinzusehen, heißt auch zu fragen: Was ist heute dran? Was will Gott heute von mir?
Wenn wir Gott am Anfang jeden Tages um ein "hörendes Herz" bitten würden und wenn es uns - so wie Salomo - geschenkt würde, könnte es unseren Umgang miteinander von Grund auf verändern. Ein hörendes Herz ist eben nicht angeboren, sondern jeden Tag ein neues Geschenk und eine neue Aufgabe.
Hildegard Cremer, stellvertr.
Vorsitzende Pfarreienrat Direkt Schönecken-WaxweilerGlaube im Alltag

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