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Infrastruktur: Wunsch stößt auf taube Ohren

Infrastruktur : Wunsch stößt auf taube Ohren

Die Dockweilerer träumen von einer neuen Mehrzweckhalle. Doch der Verbandsgemeinderat Daun ist nicht bereit, sich an den Kosten eines solchen Projekts zu beteiligen. Für beide Positionen gibt es gute Argumente ...

Die gerade einmal gut 35 Jahre alte Turnhalle Dockweiler soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dies ist nicht nur Wille der Ortsgemeinde, sondern auch des Rats der Verbandsgemeinde (VG) Daun, der dies in seiner jüngsten Sitzung per Beschluss bekräftigt hat. Eine Sanierung der maroden Bausubstanz (Bürgermeister Werner Klöckner: „Da gab es Pfusch am Bau“) wird ebenfalls von beiden Seiten abgelehnt. So weit die Einigkeit.

Komplett auseinander gehen allerdings die Meinungen darüber, welche Art von Halle errichtet und wer wie viel davon bezahlen soll. Die Ortsgemeinde Dockweiler möchte eine Turnhalle mit der Möglichkeit der Mehrzwecknutzung – wie für die großen Kappensitzungen. Die soll laut Kostenschätzung der Bauabteilung des Dauner Rathauses mit 2,13 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine reine Turnhalle knapp 1,72 Millionen Euro (siehe Extra).

Die Mehrkosten betragen laut Verwaltung 413 000 Euro. Die setzen sich wie folgt zusammen: 100 000 Euro für ein Stuhllager und 313 000 Euro für eine Küche, ein Foyer und um den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung gerecht zu werden. Das heißt zum Beispiel mehr Parkplätze und eine größere Lüftungsanlage.

Da sich die schulische Nutzung der Turnhalle (für die die VG zuständig ist) sowie die Nutzung für gesellschaftliche und sportliche Veranstaltungen (die Sache der Ortsgemeinde ist) in etwa die Waage halten sollen, ist die Ortsgemeinde bereit, gut 100 000 Euro davon zu tragen.

Im VG-Rat Daun stieß dieser Vorschlag allerdings auf taube Ohren. So sagte Friedhelm Marder (CDU): „Angesichts der Tatsache, dass in den nächsten Jahren weitere Sanierungsvorhaben auf uns zukommen, sollten wir hier Zurückhaltung üben.“ Etwas konkreter, aber in die gleiche Richtung argumentierte Hermann Simon (BUV): „Die Mehrkosten für eine Mehrzweckhalle muss die Ortsgemeinde tragen.“

Alfred Gundert von FDP und Ortsbürgermeister von Gefell  meinte: „Ich bin gegen einen Neubau mit Mehrzweck-Nutzung. Dockweiler hat ein Bürgerhaus, wenn sie ein zweites wollen, sollen sie das selber bezahlen.“ Und er fügte hinzu: „Die anderen Ortsbürgermeister denken auch so.“ Auch Hans-Walter Schmitt (SPD) hielt den „Mehrzweck-Bedarf für sehr diskussionswürdig“.

Dauns Stadtbürgermeister Martin Robrecht schaltete sich ebenfalls in die Diskussion ein. Er fragte rhetorisch: „Wieso sollte die Stadt Daun – über die VG-Umlage – die Mehrkosten für eine Mehrzweckhalle in Dockweiler mittragen?“

Auch Waltraud Rexrodt (Grüne) war für eine strikte Trennung: „Die VG übernimmt die Kosten für die reine Turnhalle, die Ortsgemeinde die für die Mehrzwecknutzung.“

Letztlich beschloss der VG-Rat, einstimmig, das Neubauvorhaben einer Turnhalle in Dockweiler im Etat 2019 aufnehmen zu wollen und einen Zuschuss aus dem Investitionsstock des Landes zu beantragen.

Auf Intervention von Bürgermeister Werner Klöckner, der nicht wollte, dass „bereits Pflöcke eingerammt werden“, wurde auf einen strikten Beschluss verzichtet, dass die Verbandsgemeinde sich nicht an den Mehrkosten beteiligt. Klöckner wurde aber beauftragt, die Ortsgemeinde davon zu unterrichten, dass von VG-Seite keine Bereitschaft zur Mitfinanzierung der Mehrkosten bestehe. Ein Ausweg könnte nach Vorstellung des Bürgermeisters sein, dass die Mehrkosten einerseits durch die Ortsgemeinde, andererseits durch den Zuschuss aus dem Investitionsstock des Landes finanziert würden.

Dockweilers Ortsbürgermeister Bruno von Landenberg sagte zum Beschluss des Verbandsgemeinderats: „Darüber bin ich natürlich nicht erfreut.“

Man sollte schließlich bedenken, dass auch die Schule Veranstaltungen mit mehr als 200 Gästen habe, die dann ja auch der Versammlungsstättenverordnung unterliegen würden.

„Die Verbandsgemeinde muss sich überlegen, wie sie mit ihren Schulstandorten umgeht und das Engagement in den Schulen unterstützt“, sagte von Landenberg und fügte hinzu: „Es geht hier auch um ein Stück dörfliche Infrastruktur. Denn wenn wir die größere Lösung nicht realisiert bekommen, ist beispielsweise der Karnevalsverein tot, da unser Bürgerhaus für die drei Veranstaltungen zu klein ist.“ Laut von Landenberg gehen ins Bürgerhaus bis zu 250 Leute rein, „wir bräuchten aber Platz für 500 Leute“.

Infrastruktur: Wunsch stößt auf taube Ohren
Foto: Mario Hübner
 Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen.
Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen. Foto: Mario Hübner
 Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen.
Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen. Foto: Mario Hübner
 Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen.
Die Turnhalle Dockweiler ist marode und soll deshalb generalsaniert werden. Sie zu einer Turn- und Gemeindehalle auszubauen, wie von der Ortsgemeinde erwünscht, will die Verbandsgemeinde aber nicht finanziell unterstützen. Foto: Mario Hübner

Angesprochen auf die 413 000 Euro Mehrkosten und die Bereitschaft der Ortsgemeinde, davon 100 000 Euro zu übernehmen , sagte er. „Für uns ist das ein Achtel unseres gesamten Etats, also ein richtig dicker Brocken.“