Zahlen zur Effektivität des Biomüll-Bringsystem hat ART angeblich nicht

Kostenpflichtiger Inhalt: Abfallwirtschaft : Die Biomülltüte ist bundesweit ein Exot und im Eifelkreis ein Flop

Das Anfang 2018 im Eifelkreis Bitburg-Prüm eingeführte Biomüll-Bringsystem ist bislang ein Flop. Laut Zweckverband ART hängt viel von der Zahl der Sammelcontainer ab.

Wird die Umstellung von Biotonne auf Biosammelcontainer ab 1. Januar 2020 im Vulkaneifelkreis, also dem bisherigen Abhol- zu einem künftigen Bringsystem, ein Erfolg? Wird dadurch mehr Biomüll eingesammelt, aus dem dann Energie gewonnen werden kann? Das ist derzeit schwer zu sagen.

Eine Anfrage beim Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) lässt kaum Prognosen zu. Zu schwammig die Antworten. Auf die Frage, wie viel Biomüll in den Kreisen Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich seit Einführung von Biotüte und Sammelcontainer seit Anfang 2018 gesammelt wurden, gab es inhaltlich keine Antwort. Lediglich folgende Aussage: „Eine Angabe bezüglich der Mengen je Landkreis ist nicht möglich, da die Fahrzeuge auf den Leerungstouren landkreisübergreifend im Einsatz sind.“

Es wird nur ausgeführt, dass der ART 2018 in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich, also der Stadt Trier, dem Landkreis Trier-Saarburg, dem Landkreis Bernkastel-Wittlich, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Landkreis Vulkaneifel, im 2018 „mehr als 100 000 Tonnen Bioabfall“ gesammelt habe. Das entspreche rund 199 Kilogramm pro Einwohner und liege über dem rheinland-pfälzischen Durchschnitt von 171 Kilogramm.

Das Gesamtaufkommen für den ART-Bereich setzt sich aber (zum Großteil) aus dem Grüngut der Sammelstellen und (zum geringeren Teil) die über die Container gesammelten Speisereste und Küchenabfälle zusammen. Wie viel dies im Einzelnen waren, lässt der ART offen. Begründung: „Eine getrennte Ausweisung ist nicht möglich.“

Für den Bereich Vulkaneifel gibt es eine konkrete Auskunft: „Über die haushaltsnahe Biotonne wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich rund 4000 Tonnen im Jahr erfasst.“ Zu berücksichtigen sei allerdings, dass mehr als die Hälfte davon aus Grüngut bestand, der eigentlich nicht in die Biotonne gehöre.

ART-Sprecherin Kirsten Kielholtz betont in diesem Zusammenhang: „Bislang wurden die Bioabfälle aus dem Landkreis Vulkaneifel über Jahre ins Saarland gefahren und dort ,nur´ kompostiert, also ohne weitere Energie- und Wärmenutzung nur stofflich aufbereitet.“ Die über die Biotüte erfassten Abfälle würden dagegen in einer Vergärungsanlage unter Nutzung von Strom und Wärme verwertet, die Gärreste als Dünger auf Felder aufgebracht.

Die Verantwortlichen beim ART geben sich zweckoptimistisch: „Die Mengen an Speise- und Küchenabfällen, die über das neue Bringsystem erfasst werden, steigen aktuell mit jedem Container, der aufgestellt wird.“ Konkrete Prognosen zu den zu erwartenden Mengen an Biomüll seien nicht möglich. Letztlich, so Kielholtz, werde die Menge entscheidend von der Erreichbarkeit der Container abhängen.

 Ein Blick zu den Nachbarn im Eifelkreis Bitburg-Prüm, wo das Bringsystem mit Biotüte/Eimerchen und Sammelcontainer Anfang 2018 eingeführt wurde, jedoch fällt ernüchternd aus und lässt zumindest Zweifel am Erfolg des Modells aufkommen.

Laut ART wurden seit der Einführung des Biosammelcontainers im gesamten Kreisgebiet nur rund 4000 der kleinen brauen Eimer verteilt, mit der die Bürger ihre Speisereste zu Sammelcontainer bringen können. Im Schnitt verfügt dort also lediglich jeder zehnte Privathaushalt über einen der braunen Behälter. Die passenden Biomülltüten, die genau wie die Eimer kostenlos ausgegeben werden, sind ebenfalls verhältnismäßig wenig gefragt. Bislang wurden davon 105 000 unters Volk gebracht. Pro Einwohner ist das etwa eine in 20 Monaten.

Was allerdings die Nutzung der Container betrifft, so hängt diese von der Verfügbarkeit ab. Und genau daran hapert es derzeit noch. So stehen im gesamten Eifelkreis nur 109 Container. Ausschlaggebendes Kriterium für die Standorte ist die Bereitschaft der Gemeinden, dafür Plätze anzubieten. Und die ist unterschiedlich stark ausgeprägt.

Während es beispielsweise in Kyllburg drei Container für Biomüll gibt, ist es in Prüm nur einer. „Daher ist dort die Nutzung des Systems nur mit großem persönlichem Aufwand möglich“, sagt Kielholtz.

Ein wenig anders ist die Situation in Bitburg. Dort gebe es derzeit im Stadtgebiet und den Stadtteilen insgesamt vier Container, die auch gut genutzt würden, erklärt die ART-Sprecherin. Allerdings seien auch dort die Wege zur nächstgelegenen Entsorgungsstation insgesamt recht weit, weshalb der Zweckverband gerne mehr Container aufstellen würde.

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