Zeit nehmen und nicht auf schnelle Erfolge bauen

Sarmersbach/Bochum · Der erste Geistliche, der aus Sarmersbach stammt, ist Winfried Pauly. 1990 feierte er seine Primiz, nun sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Mit ihm feiert die Hilgerather Kirche und sein Geburtsort.

Winfried Pauly feiert sein 25jähriges Priesterjubiläum. TV-Foto: Alois Mayer

Foto: (e_daun )

Winfried Pauly wollte Priester werden, aber keiner, der eine Pfarrei leitet und verwaltet. Er begeisterte sich für die Ziele und Aufgaben des Redemptoristenordens, der sich besonders dem Dienst an den Menschen im sozialen Abseits verpflichtet fühlt. So begann er in einer Obdachlosensiedlung in Wuppertal, arbeitete dann als Telefonseelsorger in Trier, wechselte 1991 in die ehemalige DDR-Stahlstadt Brandenburg an der Havel, um sich dort der Sorgen von Asylbewerbern und Obdachlosen, Jugendlichen und Strafgefangenen anzunehmen.

"Ich fühle mich weniger als Pfarrer, sondern mehr als Streetworker. Drum mag ich auch das Wort Seelsorger weniger, da ich mich eher als Menschensorger verstehe", sagt er. Auf die Frage, ob die Arbeit eines Streetworkers nicht der eines klassischen Ordens widerspricht, antwortet er: "Ich möchte als Ordensmann und Priester Menschen an Gott erinnern. Darum suche ich sie als Streetworker auf. Das ist für mich eine Form, die Botschaft Jesu in unsere Zeit zu übersetzen. Schließlich sind viele biblische Erzählungen Streetworkergeschichten."
Bis 2009 verwirklichte Pater "Winni", wie er bei den Jugendlichen genannt wird, etliche Projekte in Wulfen-Barkenberg (Nordrhein-Westfalen), zog dann nach London, wo er sich in einem Obdachlosenprojekt engagierte. Weitere Stationen waren Irland und die Niederlande. Seit Mai 2013 ist er als Pater und Streetworker in der Gemeinde St. Paulus in Bochum-Hustadt tätig.

Pauly erklärt: "Ein Redemptorist legt sich mit dem Eintritt nicht auf einen Ort fest. Wir gehen dorthin, wo es nottut. Jedoch hoffe ich, dass ich hier in Hustadt noch viele Jahre bleiben kann, um in diesem multikulturellen Stadtteil Sozialpastoral auf den Weg zu bringen."
Man sieht ihm nicht an, dass er Pater ist. Er trägt keine Ordenstracht, ist locker gekleidet wie Jugendliche und spricht auch deren Sprache. Das ist auch notwendig, wenn er sich ihrer Sorgen und Anliegen annehmen will. "Die Ordenstracht ist wie eine Uniform. Sie kann hemmen." Hustadt sei ein Stadtteil, deren Bewohnerschaft aus etwa 50 verschiedenen Nationen stamme. Mehr als 80 Prozent der Kinder in den drei Kindergärten und der Grundschule seien muslimisch. "Als Sozialpastor bin ich nicht bevorzugt für die Katholiken da, sondern als einer von der Kirche für alle in diesem Stadtteil."
Sein "Brunnenprojekt" (siehe Extra) zeigt Früchte. "Sicher gibt es auch zwischenmenschliche Probleme. Gerade die Kontaktaufnahme mit Jugendlichen erfordert viel Geduld", erklärt Pauly. aviExtra

Das Brunnenprojekt ist eine soziale stadtteilbezogene Initiative für die Bewohner von Hustadt. Der Name leitet sich vom zentralen Brunnenplatz ab. Brunnen erschließen, was lebensdienlich ist. Das Projekt sucht und fördert den interreligiösen und interkulturellen Dialog. Es gilt Brücken zu bauen und einander an den jeweiligen Quellen teilhaben zu lassen. avi