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Zeugen der Vergangenheit sind Lust und Last

Zeugen der Vergangenheit sind Lust und Last

Bekannte Burgen vermutet man an Rhein und Mosel, aber auch die Vulkaneifel hat in dieser Hinsicht viel zu bieten. Im Vulkaneifelkreis finden sich nahezu 100 mehr oder weniger gut erhaltene Wehranlagen, Burgen und Schlösser.

Daun/Gerolstein. Burg- und Schlossbesitzer - egal, ob es das Land, eine Kommune oder Privatleute sind - wissen: Die steinernen Zeugnisse der Vergangenheit sind Lust und Last zugleich. Beispiel Löwenburg: Sie ist der Stolz Gerolsteins, die im 11. Jahrhundert erbaute und im 13. Jahrhundert erweiterte Anlage. Mit dem Stolz allein ist es aber nicht getan, viel Arbeit und Geld sind erforderlich, um ein solches Kulturdenkmal zu erhalten. So hat das Land bei der jüngsten Sanierung 1,3 Millionen Euro investiert. In finanzieller Hinsicht sind die Anlagen eine Last, aber es gibt eben auch den anderen Aspekt: "Ein historisches Gemäuer zu bewohnen, hat für uns seinen ganz speziellen Reiz. Es zu erhalten, nutzt nicht nur den Eigentümern", sagt Johannes Graf von Preysing, Besitzer von Schloss Oberehe.
Zwar sind die Burgen und Schlösser in der Vulkaneifel längst nicht so bekannt wie die beispielsweise an Rhein und Mosel, aber die Region hat einiges zu bieten, mehr, als viele wissen. "Im Kreis Vulkaneifel finden sich nahezu 100 mehr oder weniger gut erhaltene Wehranlagen, Burgen und Schlösser, ohne die zahlreichen Anlagen, die urkundlich und archäologisch nicht gesichert sind", berichtet Markus Kowall von der Unteren Denkmalbehörde bei der Kreisverwaltung.
Im 17. Jahrhundert wurden viele Burgen wie die in Daun, Gerolstein, Kerpen oder die Kasselburg bei Pelm zerstört. Ein Wiederaufbau oder ein Neubau lohnte nicht mehr, zurück blieben Ruinen wie die Löwenburg oder Schloss Glaadt. Zum Glück gab es aber Burgherren, die ihre Anlagen weiterhin hielten und sie im Stil der jeweiligen Epoche umbauten. Renaissance und Rokoko hielten Einzug. Herrenhaus oder Schloss nannten sich nun diese künstlerisch gestalteten Bauten (wie in Oberehe). Einige sind zu besichtigen und ermöglichen durch ihre typischen Innenräume (Burgküche, Rittersaal, Kemenate, Kapelle, Wehrgänge und Turmstuben) eine Reise in vergangene Jahrhunderte.
Etliche Burgen sind ganz oder teilweise in Privatbesitz oder noch bewohnt, wie die in Lissingen, Kerpen, Mürlenbach und weitere. Wer privater Burgherr werden will, für den gibt es seit einiger Zeit ein Angebot im Kreis: Für 399 000 Euro wird die Burg Dreis im Internet zum Verkauf angeboten. Der Besitzer will sich von der Immobilie trennen, da seine Kinder kein Interesse daran.
Die übrigen wie die Ruinen Neublankenheim und Jünkerath-Glaadt sind in Besitz des Kreises. "Eigene Gelder, Burgreste zu restaurieren, fehlen dem Kreis. Dennoch setzen wir uns für die Erhaltungsmaßnahmen ein, fördern wenn möglich Projekte mit Geld der Dorferneuerung", sagt Kowall. Für ihn steht fest: "Die Burgen unseres Kreises müssen gesichert, dokumentiert, wissenschaftlich aufgearbeitet werden." Sie seien nicht nur sichtbare Zeugen der Vergangenheit und damit schützenswerte Kulturdenkmäler, sondern hätten große touristische Bedeutung.
In den kommenden Wochen wird der TV in einer Serie hinter die Kulissen einiger Burgen und Schlösser schauen. Wir stellen Besitzer vor, zeigen, wie die Gebäude genutzt werden und welcher Aufwand betrieben werden muss, um sie zu erhalten.
Extra

 Beispiel für gelungene Restaurierung: Nach der Sanierung im Jahr 2006 ist der 24 Meter hohe Turm der Burgruine Neublankenheim wieder weithin sichtbar. TV-Foto: Archiv/Alwin Ixfeld
Beispiel für gelungene Restaurierung: Nach der Sanierung im Jahr 2006 ist der 24 Meter hohe Turm der Burgruine Neublankenheim wieder weithin sichtbar. TV-Foto: Archiv/Alwin Ixfeld

Die ersten Burgen im heutigen Kreisgebiet entstanden ab dem 10. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten Rittersitze des Vulkaneifelkreises, die Bertradaburg in Mürlenbach und die Burg Daun. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sich dann größere Burganlagen. Innerhalb der schützenden Mauer entstanden oft verschiedene Gebäude, in denen verwandte oder fremde Ritterfamilien lebten, wie zum Beispiel auf der Dauner Burg. Sehr oft wurden Burgen zum Schutze einer Handels- oder Heerstraße errichtet. Oft "markierten" aber auch die Grund- oder Landesherren ihr Territorium mit entsprechenden Bauten, zum Beispiel die Burg Freudenkoppe bei Neroth oder die Burg Freudenstein bei Brockscheid. Aber es gibt auch Bauten, die vorgeben, älter zu sein: So dürfte die jüngste künstliche Burgruine wohl die um 1901 erbaute in Mirbach sein. Der Grundstein für die Altburg bei Daun (wird heute als Fachklinik genutzt) wurde 1913 gelegt. sts/am