Ziegen beweiden Steffelner Vulkangarten und schützen Biodiversität

Naturschutz : Meckern, fressen, pflegen

Als Ausgleichsmaßnahme zum Bau von Windrädern wurde in Steffeln ein neues Beweidungskonzept für den Vulkangarten umgesetzt. 25 Ziegen leben ab sofort auf dem Gelände – sie sollen die Artenvielfalt erhalten.

Erst sieht man nur ein Näschen, dann die Spitze eines Hufes und plötzlich geht das Poltern los. In nur wenigen Sekunden schießen 25 Ziegen aus einem kleinen Anhänger. Orientierung in dem für sie noch fremden Gelände suchen die Tiere nicht. Erstmal weg. Fort vom Tumult am Eingang zum Steffelner Vulkangarten, denn dort, ganz offensichtlich nicht zur Begeisterung der Ziegen, wartete nämlich ein großer Tross von Pressevertretern, Lokalpolitikern und Gästen. Begeistert verfolgen sie den sogenannten Vulkanauftrieb. Bei fünf Jungtieren muss Ziegenhirte Udo Fries zwar etwas Überzeugungsarbeit leisten, sie verstecken sich im hinteren Teil des Wagens, doch dann kann endlich Vollzug gemeldet werden: Die neuen Untermieter sind eingezogen.

„Sie werden ab jetzt jeweils von Mai bis Oktober jährlich dafür sorgen, dass der Vulkangarten nicht mehr wie in den vergangenen Jahren entholzt werden muss. Gestrüpp und Bäume sorgen ohne Pflege oder Ziegen nämlich dafür, dass das Gelände binnen kurzer Zeit zuwuchert“; sagt der Brigeler Biotoppfleger Gert Ostermann. Finanziert wird das neue Beweidungskonzept aus einem Topf für Ausgleichzahlungen für die Erichtung von 30 Windrädern in der ehemaligen Verbandsgemeinde Obere Kyll (heute VG Gerolstein).

„Der damalige VG-Rat hatte das Projekt noch auf den Weg gebracht“, sagt Landrat Heinz-Peter Thiel. Unter dem Titel „Obere Kyll – natürlich gut“ erarbeitete man in Jünkerath 25 Teilprojekte, die nun nach und nach umgesetzt werden.

„Um die Ziegen hier unterzubringen wurde ein 1,3 Kilometer langer Elektrozaun aufgebaut sowie Tore, um die Ziegen auf dem Gelände zu halten“, sagt Ostermann. Der Vulkangarten habe eine sehr hohe Biodiversität (also Artenvielfalt) die nur zu erhalten sei, indem die kulturlandschaftlich entstandene Landschaft gepflegt werde – in diesem Fall übernehmen das nun die Ziegen. 50♦000 Euro koste die Unterbringung der Ziegen.

„Sie kann man natürlich nicht einfach sich selber überlassen“, sagt Carmen Fries. Ein- bis zweimal am Tag müsse der Schäfer schon bei den Tieren vorbeischauen. „Ich prüfe dann, ob die Wasserversorgung richtig funktioniert, die Hufe der Tiere in Ordnung und die Ziegen gesund sind“, sagt Udo Fries. Er hofft, dass Besucher des Vulkangartens die Hinweisschilder an den Eingangstoren ernst nehmen. „Da muss ich ganz auf die Vernunft jedes einzelnen setzen. Die Tiere finden hier genug Futter, dafür sind sie ja hier, deswegen soll auch bitte niemand etwas mitbringen.“ Hunde solle man unbedingt anleinen und Besucher seien gebeten, auch nicht die Nähe zu den Tieren suchen.

„Wobei das eher kein Problem sein sollte. Sie sind zwar an uns gewöhnt, kommen auch, wenn wir da sind, aber vor Fremden haben sie Respekt und suchen schnell die Ferne“, sagt er. Das ist schon in der ersten Minute nach dem Einzug in der Tat zu beobachten. Während der Vulkanauftrieb in gemütlicher Runde gefeiert wird, haben die Ziegen bereits am hintersten Eingang ein lauschiges Plätzchen gefunden und machen das, wofür sie da sind: genüsslich futtern. Kaum kommt ein Wanderer vorbei, sind sie auch schon wieder verschwunden und suchen wohl ein stilleres Plätzchen zum Knabbern, Balgen und Meckern.

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