"Ziemlich cool und sehr swingy"
Vorher vom Regen getauft, im ersten Teil gelegentlich beschirmt, dann aber hatte Petrus Erbarmen: Bei bester Laune von Musikern und Maarkonzertbesuchern wurde das Sommer-Musik-Festival "Klassik auf dem Vulkan" eröffnet. Der viel gelobte junge Bratschist Nils Mönkemeyer und ein ebenso jugendliches Ensemble spielten barocke Musik — mit Vorliebe Bach.
Daun. (bb) "Seit ich 2004 bei den Meisterkursen in Daun war, geht es mit mir aufwärts", sagte Nils Mönkemeyer (29) zu Beginn, sprach über die Kulturgeschichte der Bratsche als dem Alt-Instrument der Violinenfamilie, sah, dass im Publikum die ersten Schirme aufsprangen und meinte: "Oje! Wir werden ganz schnell spielen."Was sich in diesen ersten fünf Minuten zwischen dem Hauptakteur und Moderator Mönkemeyer und den etwa 200 Besuchern in den Stuhlreihen, auf der Liegewiese und an den Tafeltischen abspielte, war der sprichwörtliche Funke, der den weiteren Abend prägen würde. Thomas Räthlein, Ingrid Wesseler und das Team vom Forum Daun hatten als Veranstalter Einmaligkeit versprochen. Und gehalten. Denn wo sonst korrespondiert barocke Musik mit Vogelgezwitscher? Wo sonst wird das Tageslicht mit schwimmenden Kerzen und knisternden Feuerkörben kompensiert? Wo sonst komponieren Köche ein Menü zu Landschaft und Musik?Auf dem Spielplan standen vielfach und selten aufgeführte Stücke — im Mittelpunkt die Musik, mit der Johann Sebastian Bach aufwuchs und die er in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schrieb. Etwa das sechste der Brandenburgischen Konzerte, von Kritikern als intimstes und nur von exzellenten Musikern bewältigbar bezeichnet, ein reizvoller Grenzfall zwischen Orchester- und Kammermusik und daher ein Idealfall für die kleine Bühne am Gemündener Maar, von Mönkemeyer als "ziemlich cool und sehr swingy" angesagt und von ihm und den sechs jungen, aus aller Welt stammenden Musikern großartig interpretiert.Dass das Konzert in Daun für den international auftretenden Mönkemeyer etwas Besonderes ist, ließ er in der Moderation immer wieder anklingen. Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund erklärte er, dass er die Stadt und ihre Musikfreunde im Jahr 2004 bei Meisterkursen mit der in der Eifel lebenden Musikprofessorin Diemut Poppen kennen und lieben gelernt habe. "Es ist so toll hier, absolut zauberhaft, schöner kann es gar nicht sein", schwärmte er. Und: "Ich spiele wahnsinnig gerne hier und möchte wiederkommen."Von der "fantastischen Musik vor wunderschöner Kulisse" war auch Gerd Hommelsen aus Daun (wieder) höchst angetan. "Seit der ersten Auflage vor vier Jahren bin ich mit Freunden bei jedem Konzert von ,Klassik auf dem Vulkan' dabei", erzählte er und meinte: "Wir werden immer professioneller." Will heißen: Neben einem hochkarätig gefüllten Picknickkorb ("Jeder bringt was mit") hatte die Gruppe diesmal auch Kerzenleuchter und anderes dekoratives Beiwerk im Gepäck. "Was wir uns allerdings wünschen", sagte Hommelsen mit Blick in das zum Teil weit angereiste Publikum, "ist, dass noch mehr Menschen aus Daun und der unmittelbaren Umgebung dieses einmalige Angebot annehmen." Das meinte auch Friedbert Wißkirchen, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Daun. Die Einheimischen sollten von den großartigen kulturellen Möglichkeiten, die vor Ort geboten würden, mehr Gebrauch machen. An dem Premierenkonzert gefalle ihm die lockere, charmante Art von Mönkemeyer und die überzeugende Interpretation der jungen Musiker. Das Sommer-Musik-Festival "Klassik auf dem Vulkan" wird am Sonntag, 27. Juli, 17 Uhr, in der St.Nikolauskirche Daun mit einer "Menage á Deux" fortgesetzt: Thomas Hammes (Trompete) und Christian Schmitt (Orgel) präsentieren bekannte Musikstücke vom Barock bis heute.