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Zilsdorfer Windräder  bleiben nun doch stehen

Energie : Zilsdorfer Windräder  bleiben nun doch stehen

Kreisverwaltung sieht von Rückbauverfügung der Industriebrachen ab, da sie befürchtet, auf den Kosten sitzenzubleiben.

Im März 2019 hatte Uli Diederichs, Dezernent der Kreisverwaltung Vulkaneifel, gegenüber dem TV gesagt: „Wir werden Herrn Temme zeitnah anschreiben und anordnen, dass die Anlagen noch in diesem Jahr rückgebaut werden müssen.“ Kurz zuvor hatte er gesagt: „Die Dinger müssen weg. Sobald wir Rechtssicherheit haben, werden wir die Anlagen wegnehmen. Man kann nicht die Backen aufblasen und dann nicht pfeifen.“ Jetzt, im Februar 2020, zehn Monate später, stehen die Brachen noch immer: ein Turm mit abmontiertem und am Boden liegendem Rotor sowie zwei Anlagen, die aber seit Jahren nicht mehr genutzt werden und auch nicht mehr funktionstüchtig sind. Um im Bild zu bleiben: Der Pfiff ist doch ausgeblieben.

Wieso das so ist, wollte der TV von Diederichs wissen. Seine Antwort: „Wir haben bewusst von einem Bescheid über einen Rückbau der Anlagen abgesehen, da wir befürchten, auf den Kosten sitzenzubleiben. Und das können und wollen wir dem Steuerbürger nicht zumuten.“ Auf die Frage, wie er darauf komme, sagte Diederichs: „Er (Temme, Anm. d. Red.) hat sich bei anderen Verfahren vor Gericht von Zahlungspflichten befreit.“

Die Kosten für Rückbau und Entsorgung der drei Zilsdorfer Anlagen schätzt Diederichs auf 500 000 Euro, denn: Zwar sind die Türme aus Metall und dürften daher sogar einen gewissen Erlös bringen. Hingegen wird die Entsorgung der Rotorblätter als kostspielig eingeschätzt, da es sich dabei um ein Verbundmaterial (unter anderem aus Kohlenstoff) handele „und es in Deutschland nur eine Firma gibt, die die Entsorgung macht“, so Diederichs. Hinzu kommen die Kosten für einen Spezialkran von dieser Höhe und für das Entfernen und Entsorgen der Betonfundamente.

Ursprünglich war laut Diederichs geplant, den Windkraftunternehmer zum Rückbau der Anlagen zu verpflichten. Falls dieser dies innerhalb einer gesetzten Frist nicht mache, wollte der Kreis den Rückbau per sogenannter Ersatzvornahme selbst in Auftrag geben, vorfinanzieren – und dann das Geld von Temme zurückfordern. Das wird nun offenbar nicht mehr verfolgt.

Dennoch will die Kreisverwaltung nun tätig werden, aber auf andere Weise, „denn so kann es auch nicht bleiben“, sagt Diederichs und spricht damit fehlende Sicherheitsvorkehrungen an. An der Spitze der Türme soll erstens wieder eine Befeuerung installiert werden, damit Piloten sie rechtzeitig erkennen. Zweitens werden auf den Wegen, die an den Industriebrachen vorbeiführen, Warnschilder aufgestellt – und zwar im Abstand von einer Kipphöhe, was rund 150 Metern entspricht. Und drittens werden alle drei Türme mit einem Blitzschutz versehen. Laut Diederichs kostet das zusammen rund 25 000 Euro. Geld, das über den Kreishaushalt bereitgestellt wird.

Für die Zukunft hofft der Dezernent aber noch auf eine andere Lösung: Repowering, also den Austausch alter WKA gegen neuere, größere und leistungsstärkere Anlagen. Er sagt: „Falls die Bundesregierung die Abstandsregeln zur Wohnbebauung lockert, werden die Interessenten hier anklopfen. Da bin ich mir sicher, denn es hat jetzt schon Anfragen gegeben. Und die werde ich dann mit Herrn Temme zusammenbringen.“

Nach derzeitigem Recht müssen WKA mindestens 1000 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein, das nächstgelegene WKA in Zilsdorf liegt nur 830 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt.

Die Windkraftanlagen bei Zilsdorf stehen seit Jahren still, von einer Anlage steht nur noch der Turm, der Roter liegt am Boden. Die Kreisverwaltung in Daun als Genehmigungsbehörde will den Rückbau der Industriebrachen nun doch nicht verfügen. Foto: TV/Mario Hübner
Die Windkraftanlagen bei Zilsdorf stehen seit Jahren still, von einer Anlage steht nur noch der Turm, der Rotor liegt am Boden. Von einer Rückbauverfügung nimmt die behörde nun dennoch Abstand. Foto: TV/Mario Hübner
Die Windkraftanlagen bei Zilsdorf stehen seit Jahren still, von einer Anlage steht nur noch der Turm, der Roter liegt am Boden. Die Kreisverwaltung in Daun als Genehmigungsbehörde will den Rückbau der Industriebrachen nun doch nicht verfügen. Foto: TV/Mario Hübner

Unternehmer Jörg Temme antwortete inhaltlich nicht auf die Fragen des TV, was mit den WKA bei Zilsdorf nun passiere und ob es Überlegungen gebe, die Anlagen durch neue, leistungsstärkere WKA zu ersetzen.