Zu alt für den Wald - Forstämter plagen Personalsorgen

Zu alt für den Wald - Forstämter plagen Personalsorgen

Die Forstämter im Land klagen über Personalsorgen: einerseits wegen Überalterung, andererseits wegen Rationalisierung. Das Umweltministerium will daher künftig pro Jahr 35,5 Stellen landesweit neu besetzen. Trotzdem gehen viel mehr Förster in den Ruhestand. Vor allem in Daun ist die Lage dramatisch.

Daun/Bitburg. "Personalbestand im freien Fall" - so schreibt das Dauner Forstamt in einer Pressemitteilung, die den TV erreichte. In der Nachricht klagt Forstamtsleiter Karl-Ludwig Pentzlin über einen "drastisch zunehmenden Personalmangel", der nach 20 Jahren kontinuierlichen Personalabbaus "nicht nur die ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes, sondern auch Naturschutz und Tourismus" gefährde.
Gemeinsam mit Kollegen von anderen Forstämtern hat Pentzlin deshalb eine Resolution der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) unterstützt, die auf die drohende Personalnot aufmerksam macht. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium, dem die Landesforsten unterstehen, hat die Forstleute offenbar gehört: Ministerin Ulrike Höfken teilte mit, jährlich 35,5 Stellen bei den Forsten neu zu besetzen - zuvor waren lediglich drei vorgesehen.
Zahl der Ämter mehr als halbiert


Dennoch müssen die Forstleute in Zukunft mit weniger Personal auskommen: Ein Drittel der 1630 Landesbediensteten erreicht in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter.
Die Neubesetzungen können diesen Ausfall nicht kompensieren. Eine Personal-Untergrenze von 1461 Beschäftigten soll das Schlimmste verhindern und sicherstellen, dass der Wald auch in Zukunft bewirtschaftet werden kann.
"Wir hoffen, den Personalabbau durch weitere Rationalisierung auffangen zu können", sagt Karl-Ludwig Pentzlin. Dabei fahren die Forstämter schon seit langem einen Sparkurs. Durch die maschinelle Holzernte wurde auf viele Waldarbeiter verzichtet, die Zahl der Forstämter wurde in 20 Jahren mehr als halbiert. "Und dies alles bei einer gleichzeitigen Verdoppelung des Holzeinschlags", erklärt Pentzlin. Denn der Wald, der 42 Prozent der Landesfläche von Rheinland-Pfalz ausmacht, ist ein großer Wirtschaftsfaktor. Überschüsse aus dem Verkauf des geernteten Holzes fließen direkt in die Kassen von Land und Gemeinden. Und mit dem Holz selbst produzieren rheinland-pfälzische Unternehmen jedes Jahr Baustoffe, Möbel, Heizmittel oder Papier im Wert von insgesamt 8,3 Milliarden Euro.
Das entspricht acht Prozent des rheinland-pfälzischen Bruttoinlandsproduktes - und sichert laut IG Bau 50 000 Arbeitsplätze.
Eine weitere Funktion des Waldes: der Erholung der Menschen zu dienen. Der Wald gehört allen. Und jeder kann dort wandern, reiten und radfahren - und zwar kostenlos. Aber auch dafür müssen die Bäume gepflegt und die Waldwege von Profis gesichert werden.
"Wir müssen aufpassen, dass die Arbeit noch geleistet werden kann", sagt Pentzlin. 39 Menschen arbeiten im Dauner Forstamt, darunter sechs Auszubildende (siehe Extra). Gemeinsam mit den Forstwirten der Kommunen tragen sie Sorge für 16 000 Hektar Wald in der Vulkaneifel, sind als Sicherheitstrainer und Ausbilder aber in Forstämtern von der Schneifel bis zum Westerwald im Einsatz. In den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der Förster in Daun in Rente.
Im Forstamt Traben-Trarbach stehen 16 Menschen im Dienst des Landes, gemeinsam mit kommunalen Forstwirten bewirtschaften sie 22 000 Hektar Wald. Amtsleiter Franz-Josef Sprute ist mit dem Angebot der Landesregierung zufrieden. "Ich bin positiv überrascht, dass man das erreicht hat", sagt er. "Es konnte nicht so weitergehen - wir wären in fünf Jahren arbeitsunfähig gewesen."
"Wir sind an einem Punkt, wo es an die Substanz geht", sagt auch Karl-Heinz Heyne vom Forstamt Bitburg. 14 Menschen, die hier arbeiten, sind beim Land angestellt, das Amt bewirtschaftet 14 500 Hektar Wald. Die Situation ist in Bitburg aber etwas entspannter als in Daun: "Der älteste Mitarbeiter hier ist 59. Deshalb sind über die nächsten Jahre planmäßig keine Abgänge zu erwarten", sagt Heyne. Der Forstamtsleiter kennt aber auch die Situation in den anderen Ämtern: "Es war absehbar, dass wir landesweit ein sehr großes Personalproblem bekommen werden", sagt er.Meinung

Nicht kaputtsparen!
Wie viele Behörden in unserem Land erwirtschaften einen Gewinn, anstatt Steuergeld zu verbrauchen? Die Forstämter gehören zu den wenigen Staatsbetrieben, die das schaffen. Von der nachhaltigen Betreuung des Waldes profitiert nicht nur der Landeshaushalt, sondern auch die holzverarbeitende Industrie, die einen großen Teil zur Wirtschaftsleistung unserer Heimat Pfalz beiträgt. Außerdem fließen die Überschüsse, die die Forsten in den Gemeindewäldern erwirtschaften, in die Kassen der Kommunen. Und das kommt direkt den Bürgern zugute. Natürlich muss auch der Forst sparen. Aber nur so viel, dass das gewinnbringende "Unternehmen Wald" erhalten werden kann. Alles andere wäre töricht. Deshalb ist das Angebot aus Mainz ein Schritt in die richtige Richtung. t.senzig@volksfreund.deExtra

Das Forstamt Daun bewirtschaftet 16 000 Hektar Wald. Das Amt ist in acht Reviere unterteilt: Daun, Darscheid, Dreis, Demerath/Mehren, Gillenfeld/Üdersdorf, Niederstadtfeld und Weidenbach/Deudesfeld. Zudem gibt es ein Revier, das sich nur der Pflege der Staatswälder widmet. sen

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