Zu teuer: Endstation für die Freizeitfahrten mit der Eifelquerbahn

Zu teuer: Endstation für die Freizeitfahrten mit der Eifelquerbahn

24 Millionen Euro für touristische Nutzung der Eifelquerbahn? Kommunen sagen: Eine solche Investition ist nicht zu verantworten.

Zehn Jahre lang gehörten sie zum touristischen Angebot der Eifel: Schienenbusse und Dampfloks, mit denen Gäste auf dem Eifelquerbahn-Teilstück zwischen Gerolstein und Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell) befördert wurden. Von Frühjahr bis Herbst an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien waren sie unterwegs - bis Ende 2012.

Die Frage, die seitdem diskutiert wird: Einführung eines regulären Schienennahverkehrs (SPNV) oder Wiederbelebung der Freizeitfahrten? Die kommunale Arbeitsgemeinschaft (AG) "Reaktivierung Eifelquerbahn", der die Kreise Vulkaneifel und Cochem-Zell sowie die Verbandsgemeinden Kaisersesch, Ulmen, Daun, Kelberg und Gerolstein angehören, hat nun die Möglichkeiten und Strategien zur Zukunft der Strecke in einer Resolution zusammengefasst.

Darin heißt es, dass wenn etwa 100 Millionen Euro in die Schienenerschließung des Flugplatzes Hahn durch die Reaktivierung der Hunsrück-Bahn fließen würden, müsse auch den Menschen in der Eifel Mobilität durch die Reaktivierung der Eifelquerbahn ermöglicht werden. "Demzufolge darf die noch vorhandene Schieneninfrastruktur der Eifelquerbahn keinesfalls dem Verfall überlassen werden. Der Großraum Eifel darf nicht in weiten Teilen vom Schienenverkehr ,abgehängt' bleiben."

Bekannt ist: Die Bahnstrecke zwischen Kaisersesch und Gerolstein müsste für etwa 40 Millionen Euro saniert werden, sollte in Zukunft dort auch der Personenverkehr rollen. 24 Millionen wären für die touristische Reaktivierung fällig. Die Einschätzung der Landräte und VG-Bürgermeister dazu: "Es ist kommunalpolitisch nicht zu verantworten, dass eine derartig hohe Summe Steuergeld, davon rund 3,6 Millionen Euro aus kommunaler Kasse, in die Schieneninfrastruktur investiert werden soll. Sind doch die Kosten für eine Gesamtreaktivierung für den fahrplanmäßigen SPNV mit rund 40 Millionen Euro vergleichsweise günstig. Vor dem Hintergrund, dass nach den aus den Gutachten gewonnenen Erkenntnissen eine rein touristische Nutzung nicht in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht, halten wir eine Aktivierung nur für touristische Zwecke für nicht vertretbar."

Das Land - verantwortlich für den SPNV - solle nun die Anbindung an Oberzentren und Fernlinien entlang des Rheins - auch auf der Schiene - ermöglichen.
Deshalb fordert die AG die zur Umsetzung des Beschlusses der Verbandsversammlung des SPNV-Zweckverbands Rheinland-Pfalz Nord von 2012: die Reaktivierung der Eifelquerbahn als Bahnlinie im Rheinland-Pfalz-Takt. Das könne in drei Phasen passieren.

Erste Stufe: Reaktivierung des Teilstücks Kaisersesch - Ulmen. Der Instandsetzungsaufwand sei aufgrund der Streckenlänge (15 Kilometer) überschaubar. Zudem seien von 2007 bis 2009 bereits rund drei Millionen Euro investiert worden.

Zweite Stufe: Abschnitt Ulmen - Daun. Die Bahn sollte im Herzen des Naturpark- und Unesco-Global Geopark Vulkaneifel und dem Gesundland Vulkaneifel für Einheimische und Gäste zur Verfügung stehen.

Dritte Stufe: Abschnitt Daun - Gerolstein. Der Ausbau bis nach Gerolstein sei kosten- und zeitaufwändig, da die Eisenbahnbrücke über die Kyll bei Pelm für einen funktionierenden Schienenverkehr erneuert werden müsse. Jedoch bietet eine Anbindung der westlichen Eifel mit der Eifelstrecke (Trier-Köln) an die Rheinschiene viel Fahrgastpotential.KommentarMeinung

Klare Worte - endlich
Klare Worte hat die kommunale Arbeitsgemeinschaft nun gefunden, wie es mit der Strecke weitergehen könnte - endlich. Denn die teilweise immer noch gehegten Hoffnungen, Ferkeltaxi und Dampflok würden wie einst wieder fahren, waren angesichts der schon lange bekannten Rahmenbedingungen unrealistisch. Denn jeder weiß: Kosten und Nutzen einer Strecke, auf der ausschließ-lich Freizeitfahrten angeboten werden, stehen in keinem vernünftigen Verhältnis. Kreise und Verbandsgemeinden haben andere Aufgaben, als Bahnunternehmer zu werden. Für den Tourismus vielleicht bedauerlich, aber aus wirtschaftlichen Erwägungen nur konsequent. Und regulärer Schienennahverkehr? Vor fast jedem Haus steht mindestens ein Auto, Busse fahren oft genug fast leer durch die Gegend. Und nun noch für viel Geld den Zugverkehr wiederbeleben? Nein danke. s.sartoris@volksfreund.deExtra: DIE GESCHICHTE DER EIFELQUERBAHN


Die Geschichte der Eifelquerbahn beginnt am 1. April 1878 mit der Eröffnung des Teilstückes von Andernach nach Niedermendig. Der Abschnitt nach Mayen folgte 1880. 15 Jahre dauerte der Ausbau der Strecke bis Gerolstein. Ende der 1960er Jahre tauchten erste Pläne zur Stilllegung der Strecke auf, die in Etappen vorgenommen wurde. Am 11. Januar 1991 fuhr der letzte Zug von Mayen nach Gerolstein. Von 2001 bis 2012 bot die Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft auf dem Abschnitt Gerolstein-Kaisersesch Freizeitfahrten an. Aber auch Güter wurden transportiert.

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