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Zu viel Geld für Bahn, zu wenig für Bus?

Zu viel Geld für Bahn, zu wenig für Bus?

Für 13 Millionen Euro will die Landesregierung die Eifelquerbahn reaktivieren - ein Vorhaben und eine Summe, die den Busunternehmern der Eifel äußerst sauer aufstoßen. Sie fordern stattdessen, den öffentlichen Nahverkehr jenseits der Schiene stärker zu fördern. Denn der sei chronisch unterfinanziert.

Daun/Gerolstein/Stadtkyll. Rund 13 Millionen Euro will das Land lockermachen, um die Eifelquerbahn zwischen Gerolstein und Kaisersesch zu reaktivieren (der TV berichtete). Dafür soll vor allem wieder ein touristischer Schienenbus verkehren, wie er bis 2012 in den Sommermonaten von der Vulkaneifelbahn angeboten wurde, sagt Joachim Winkler, Pressesprecher des Verkehrsministeriums.
Aber auch eine Reaktivierung für den regulären Bahnverkehr steht im Raum und wird unter anderem von der SPD-Landtagsabgeordneten Astrid Schmitt gefordert: "Die vollständige Reaktivierung der Eifelquerbahn muss eine zentrale Aufgabe der rheinland-pfälzischen Landespolitik sein und bleiben", schreibt sie auf ihrer Internetseite (siehe auch Extra).
Doch an den Investitionen in den Schienenverkehr gibt es starke Kritik, vor allem von Busunternehmern: Werner André, Busunternehmer aus Dasburg, und Marco Krebs aus Stadtkyll schütteln angesichts solcher Millionensummen nur mit dem Kopf. "Das versteht doch kein Mensch", sagt André. Denn während offenbar für die Schiene genügend Geld in den Landestöpfen vorhanden sei, fehle es für die Busse. "Das ganze ÖPNV-System ist chronisch unterfinanziert", sagt Krebs. Seit Jahren streiten sich der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) mit dem Land über Zuschüsse, um defizitäre Verbindungen aufrechterhalten zu können.
Flexibler reagieren


Mit einem Bruchteil der 13 Millionen Euro könne man da schon sehr viel bewirken, sagen André und Krebs. Außerdem müsse es dringend wieder Zuschüsse für Bus-Neuanschaffungen geben. "Wir haben hier die älteste Busflotte in ganz Deutschland."
Doch stattdessen stürze sich das Land nach dem Flughafen Hahn und dem Nürburgring in das nächste Desaster - wenn auch in kleinerem Umfang. Die Busunternehmer bezweifeln den Wert der neuen Zugverbindung. "Denn die Leute müssen ja auch irgendwie zum Bahnhof kommen - und nach der Fahrt auch wieder vom Bahnhof weg, etwa in Daun", sagt André. Dafür müssen dann wieder Busse eingesetzt werden. "Am Ende bringt der Bus die Leute in Gerolstein zum Bahnhof und fährt dann leer weiter nach Daun, um sie dort wieder abzuholen. Das ist doch absurd."
Auf der anderen Seite sei eine Investition in den Busverkehr deutlich sinnvoller, sagt Krebs. Mit Bussen könne man wesentlich flexibler auf die Nachfrage reagieren und sie bedarfsgerecht einsetzen. Außerdem seien Busse deutlich umweltschonender. Bei einem Reisebus werden auf hundert Kilometer nur 1,4 Liter Diesel verbraucht und 3,1 Kilogramm CO ausgestoßen - bei einer Auslastung von 60 Prozent. Bei der Bahn hingegen seien es 2,5 Liter Diesel und 4,6 Kilogramm CO.
Das Land sieht in der Tat einen "grundsätzlichen Handlungsbedarf" im Busverkehr, sagt Joachim Winkler. Deshalb laufe gerade das Projekt "ÖPNV-Konzept Rheinland-Pfalz Nord". Ziel sei es, das Busangebot vollständig zu überprüfen und neu zu entwickeln, um es dauerhaft attraktiv und finanzierbar zu halten.Meinung

Genug Probleme
Was denn nun? Soll das Eifelquerbahn-Teilstück von Kaisers-esch bis Gerolstein auf Dauer ausschließlich touristisch genutzt oder doch ein echter Personennahverkehr eingerichtet werden? Ganz offenbar weiß das Land selbst nicht, was es will. Denn 13 Millionen Euro sind einerseits zu viel, damit der Freizeitverkehr wieder auf die Schiene gebracht werden kann, und andererseits zu wenig, um einen regulären Zug-Personennahverkehr zu installieren. Den braucht aber auf lange Sicht niemand, wenn der bestehende öffentliche Nahverkehr auf dem Land außer von Schülern kaum noch genutzt wird und absehbar nicht mehr zu finanzieren ist. Es kann nicht sein, dass eine mit öffentlichen Mitteln subventionierte Konkurrenzveranstaltung zum bestehenden Busverkehr entsteht. Der hat schon Probleme genug. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Die Eifelquerbahn Anders als das Verkehrsministerium hat der Verband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord auch die Reaktivierung der Strecke für den regulären Bahnverkehr im Blick. Demnach sollen zwischen Gerolstein und Kaisersesch ab 2015 im Rahmen des Rheinland-Pfalz-Takts wieder ganzjährig täglich Züge fahren. Die Planungen, um die Strecke wieder dafür bereitzumachen, sind laut Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord im Gange. Klar ist: Ein regulärer Bahnbetrieb stellt deutlich höhere Anforderungen. Die 13 Millionen sind lediglich eine Schätzung auf der Basis der vorliegenden Informationen, sagt Pressesprecher Joachim Winkler. Die genauen Kosten für eine zehnjährige touristische Nutzung soll ein derzeit erarbeitetes Gutachten ermitteln, das im Herbst fertig sein soll. SPD-Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt setzt sich für die vollständige Reaktivierung ein. Eine Machbarkeitsstudie von 2009 habe gezeigt, dass eine vollständige Reaktivierung von Gerolstein bis Andernach volkswirtschaftlich sinnvoll sei.