Zufriedene Befürworter, sprachlose Gegner

Zufriedene Befürworter, sprachlose Gegner

Der Rat der Verbandsgemeinde Kelberg hat nach kontroversen Diskussionen im Vorfeld die weitere Windkraftplanung auf den Weg gebracht. Die Wählergruppe Sturm im Wald scheiterte mit ihrem Antrag, das Verfahren neu aufzurollen.

Kelberg/Bongard. Karl Häfner hat schon viel erlebt in seinen mittlerweile mehr als 30 Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg, aber eine Sitzung wie die am Donnerstag im Bürgerhaus in Bongard nach eigenem Bekunden noch nicht. Dass sie lange dauern würde, war vorher klar, aber dass es zwischenzeitlich fast mehr nach einer "Völkerwanderung" (O-Ton Häfner) als nach Ratssitzung aussah, war ungewöhnlich.
Der Hintergrund: In der Beratung um die Fortschreibung des Flächennutzungsplans mit dem Schwerpunkt Windkraft war nach einem Hinweis des Innenministeriums geklärt worden, wer abstimmen darf. Geprüft wurde, ob jemand selbst oder Verwandten Grundstücke gehören, die als Standorte für Windräder geeignet sein könnten. Das Ergebnis fiel sehr unterschiedlich aus: Mal waren alle stimmberechtigt, mal war ein Ratsmitglied außen vor, mehrfach sogar acht - mit entsprechend viel Bewegung von den Sitzreihen der Räte hin zu den Besucherrängen und zurück. Wäre es nach der dreiköpfigen Wählergruppe (WG) Sturm im Wald gegangen, wäre die Sitzung schnell vorbei gewesen. Denn sie hatte beantragt, das ganze Verfahren noch einmal komplett neu aufzurollen. Wofür sich allerdings keine Mehrheit fand, wie auch bei den vielen weiteren Anträgen der WG während der Sitzung. Wobei der Ausgang der Abstimmungen immer wieder recht knapp ausfiel, weil teilweise viele Ratsmitglieder ausgeschlossen waren: 5:7 war das am häufigsten vorkommende Ergebnis. Neben den drei WG-Ratsmitgliedern stimmten mehrfach Peter Kühbach (Grüne) und Werner Ritter von der CDU für Sturm-im-Wald-Anträge. Ritter argumentierte mit viel Herzblut gegen die Windkraft-Pläne, sprach von seinen Befürchtungen, dass das Standbein Nummer eins der Region, der Tourismus, Schaden nehmen könnte. Er beantragte gar eine amtliche Einwohnerbefragung, um die Meinung der Bürger zum Thema Windkraft in Erfahrung zu bringen. Ergebnis der Abstimmung: fünf dafür, sieben dagegen. Seit drei Jahren läuft die Windkraftplanung für die VG - und hat schon für viel Zündstoff gesorgt. Nicht zuletzt durch die Empfehlung eines VG-Ausschusses, den Abstand von den Orten zu den Windrädern von - wie 2012 beschlossen- 900 auf 1000 Meter (was Sturm im Wald befürwortet) zu erhöhen. Was die Bürgermeister von Arbach, Bereborn, Kolverath, Lirstal, Oberelz, Retterath und Mannebach auf die Barrikaden gehen ließ. Werde das beschlossen, seien die Windkraftpläne der Dörfer "erheblich gefährdet oder gar gänzlich beendet", erklärten sie. In einem Brief drohten sie sogar an, sich nicht mehr an touristischen Vorhaben beteiligen zu wollen, wenn die Ausschuss-Empfehlung im VG-Rat beschlosen würde.
Seit Donnerstag können sie sich aber entspannen: Die Mehrheit des VG-Rats entschied, dass es bei einem Abstand von 900 Metern bleibt. Mit einigen Ausnahmen: Für Kelberg und Uersfeld gelten 1000 Meter ebenso wie besondere Gebiete in Kelberg-Zermüllen, Kötterichen und Lirstal. 1400 Meter soll der Abstand um die beiden Ferienparks in Drees und Gunderath gelten. Albert Grohnert, Bürgermeister von Oberelz, der sich mit seinen sechs Amtskollegen gegen eine Erweiterung des Abstands eingesetzt hatte, war zufrieden mit dem Ausgang der Abstimmung. "Es ist das bestätigt worden, was 2012 beschlossen worden war. Für mich ist das ein Vertrauensbeweis, so kann man miteinander arbeiten. Wobei jedem klar sein muss: Dieser Beschluss bedeutet nicht, dass tatsächlich Windräder gebaut werden können. Bis zu einer solchen Entscheidung kann noch viel passieren." Anders die Gefühlslage bei Werner Ritter: "Ich bin enttäuscht, und sehe echt schwarz, was den Tourismus in der VG angeht. Aber ich kämpfe weiter." Reinhard Jansen (Sturm im Wald) fand erst gar keine Worte zu den Entscheidungen des Rats: "Ich bin sprachlos".
Aber sicher nicht mehr lange: Denn der Beschluss des VG-Rats ist nur ein erster Schritt, bis tatsächlich ein Windrad gebaut wird, ist noch ein langer Weg. Deshalb gilt für Befürworter wie Gegner: Fortsetzung folgt.Extra

Die Kreisgruppe Vulkaneifel im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat Anzeige gegen unbekannt wegen des Verstoßes gegen naturschutzrechtliche Bestimmungen erstattet. Der Hintergrund: Mitglieder der BUND-Kreisgruppe haben bei einer Kontrolle von Horststandorten in der Nähe von Boxberg festgestellt, dass - in einem Bereich möglicher Windkraftnutzung - ein Horstbaum eines Rotmilan gefällt worden sei. "Dieser Horst war 2014 nachweislich besetzt…Wahrscheinlich wäre das auch dieses Jahr der Fall gewesen. Der Holzeinschlag an dieser Stelle erfolgte wohl erst vor wenigen Wochen", heißt es in der Anzeige. Gehe man nun davon aus, dass für den Rotmilan ein Schutzradius von mindestens 1000 Metern zu einer Windkraftanlage gelte, "wird deutlich, dass dieser eine Rotmilanhorst den Bau von fünf Anlagen verhindern könnte. Die Schlussfolgerung drängt sich daher geradezu auf: Der Rotmilan muss aus dem Gebiet vertrieben werden. Am einfachsten ist es, den Horstbaum zu beseitigen", lautet die Einschätzung der Kreisgruppe. Man gehe von einer "vorsätzlichen Tat" aus. Die Anzeige liegt laut BUND-Kreisgruppe der Staatsanwaltschaft vor, Ermittlungen sind angelaufen. sts