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Zukunftskonferenz für Frauen rund ums Pulvermaar

Landleben : Gesucht: Orte für spontane Treffen

Die Zukunftskonferenz für Frauen zeigt: Es lebt sich gut auf dem Dorf. Dennoch bleiben einige Wünsche offen.

Für die  große Zukunftskonferenz hat es nicht gereicht. Diese sollte sich mit der Arbeit in  Kleingruppen über einen Abend und einen ganzen Tag hinziehen. Dafür sind allerdings nicht genügend Teilnehmerinnen gekommen. Mindestens 50 Frauen wären nötig gewesen, nur etwa 40 waren angemeldet.

„Sicher war die Aussicht, das halbe Wochenende miteinander zu diskutieren, für manche zu unübersichtlich“, meinte Mitorganisatorin Birgit Laux aus dem Pulvermaardorf. Und so gab es stattdessen ein mehr als dreistündiges Alternativformat unter dem Motto „Wir gestalten mit“.

Doch positiv überraschend für sie und die anderen Initiatorinnen war, dass längst nicht nur in Ehren ergraute Damen kamen, die traditionell das Rückgrat gemeinschaftlicher Dorfaktivitäten bilden. Auch einige Jugendliche und viele jüngere Frauen ab Mitte 20 stellten sich der Thematik, wie ihr Leben in den Gemeinden verbessert werden kann. „Jede einzelne Meinung zählt“, sagte Laux.

Damit war bereits ein großer Wunsch an die Zukunft beispielhaft erfüllt. Denn auf mehr Generationenmix hofften viele beim männerlosen Gesprächsabend. Ein besseres Miteinander von älteren und jüngeren Frauen stand als eines der Ergebnisse ganz oben auf der Prioritätenliste. Auch die Sorgenden Gemeinschaften, die in der Verbandsgmeinde Daun entstehen, sollten nicht nur das Wohl der Alten, sondern ebenso das der Jungen im Blick behalten.

„Wir können von Seniorinnen lernen, wie man einen tollen Braten macht, die können von uns lernen, wie man mit dem Internet umgeht“, brachte es eine etwa 20-Jährige auf den Punkt.

Aber dabei sollte es nicht perfektionistisch und gezwungen zugehen. Oft herrsche ein Wettbewerb darum, wer zum Beispiel den besten Kuchen beisteuert – eine abschreckende Vorstellung vor allem für alle, die zeitlich beansprucht sind, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut bringen müssen. „Es sollte auch um ganz andere Themen gehen als nur um Haushalt oder Handarbeiten“, lautete eine Kritik an den herkömmlichen Angeboten. Zu kurz kämen Fragen des Rollenverständnisses von Frauen oder der Gleichberechtigung. Und: „In den üblichen Vereinsstrukturen kann man sich nur ganz oder gar nicht einbringen, das müsste flexibler möglich sein.“

Mögliche konkrete Lösung für diese Forderung: informelle Dorftreffpunkte, an denen man sich spontan und ohne besonderen Zweck zusammenfinden kann. „Plätze, an denen man einfach mal vorbeikommen kann, schauen, wer da ist, und miteinander reden, solche Orte brauchen wir wieder“, waren sich die Frauen einig.

So kristallisierte sich heraus, dass gerade Jüngere ein Gemeinschaftserleben wünschen, das sich in  früheren Jahrzehnten automatisch beim Spaziergang auf der Dorfstraße ergab. Das sei keine Nostalgie, sondern die Erfahrung, dass Internet kein Ersatz für die persönliche Begegnung ist, aber etwa mit Dorfnewslettern oder Whatsapp-Gruppen hilft, sie zu ermöglichen.

Auch eine Willkommenskultur für Zugezogene ist nach Vorstellung der Frauen rund ums Pulvermaar etwas, das allen – auch ihnen selbst – zugute kommen würde. Zudem sollten alleinstehende Frauen aller Altersklassen besser integriert werden.

„Sie fühlen sich einfach nicht wohl in einer Umgebung, in der alles auf Paare zugeschnitten ist“, lautete die Beobachtung etlicher und Erfahrung einiger Frauen, die selbst betroffen sind. Die Wunschliste der Frauen war am Ende lang. Aber wohl auch ihr Atem, die Liste abzuarbeiten.