Dörfer: Zwei Großvorhaben und eine Wahl

Dörfer : Zwei Großvorhaben und eine Wahl

In Stadtkyll stehen mit dem Bau eines Kreisverkehrs in der Ortsmitte und dem 1,5 Millionen teuren Umbau der Kyll zwei richtungsweisende Projekte an.  Ortsbürgermeister Harald Schmitz stellt sich im Mai der Wiederwahl. 

Wenn Harald Schmitz, seit zehn Jahren Ortsbürgermeister von Stadtkyll, aus seinem Friseursalon nach draußen schaut, sieht er nicht nur viel Verkehr, sondern blickt auch einem Straßenbauprojekt entgegen, das eines der bedeutendsten in der Geschichte der Gemeinde werden wird: ein großer Kreisverkehrsplatz in der Ortsmitte. Daran angeschlossen werden fünf Straßen: von zwei Seiten die Hauptverkehrsader des Dorfes, die B 421, die vom Ende der A 1 einmal quer durch den Kreis Vulkaneifel bis hin nach Belgien führt. Zudem die Kirch-, die Wirft- und die Prümer Straße. „Wenn diese fünf Straße angebunden sind, erhoffen wir uns alle eine spürbare Entschärfung der gefährlichen Kreuzung, über die enorm viel Verkehr läuft. Vor allem für Fußgänger wird es künftig deutlich besser, da in jede Straße, die in den Kreisverkehr mündet, eine Mittelinsel als Überquerungshilfe eingebaut wird“, sagt der Ortsbürgermeister.

In der Tat hat man es als Fußgänger in diesem Bereich schwer. Selbst über den deutlich gekennzeichneten Zebrastreifen vor Schmitz` Laden sollte man nicht im Vertrauen auf den eigenen Vorrang gehen. Hier – das hat der Reporter rasch erkannt – fühlt sich zumeist der Auto- oder Brummifahrer im Recht. Das kann Schmitz nur bestätigen, ist ihm doch schon mal ein Auto über den Fuß gefahren, wie er berichtet.

Die Bauarbeiten für das Verkehrsprojekt sollen Ende dieses, Anfang nächsten Jahres starten. Dennoch rücken die Bagger schon bald an, kurz nach Karneval, wie der Ortsbürgermeister sagt, denn: „Zunächst wird die Alte Schule abgerissen. Die hat der LBM (Landesbetrieb Mobilität, Anmerkung der Redaktion) bereits gekauft.“ Es sei zwar schade um das, wie er sagt, „ortsbildprägende Gebäude“, aber nach mehr als zwei Jahren Leerstand und dem heruntergekommenen Zustand des Hauses, sei der Abriss die beste Lösung. Auf dem Areal dahinter sollen dann auch zentrumsnah Parkplätze entstehen.

Doch das ist nur eines von zwei Großprojekten, die dieses Jahr in der 1500 Einwohner zählenden Gemeinde anstehen: Denn auch die Kyll wird renaturiert und der Uferstreifen in der Ortsmitte umfangreich umgebaut – ähnlich dem Vorhaben am Rathaus in Gerolstein, wo ein schöner Treffpunkt für Familien, Wanderer, Einheimische und Touristen entstanden ist.

Schmitz freut sich bereits darauf: „Die Planung ist abgeschlossen, die Förderung ist durch: Die Kyll wird auf einer Länge von rund 700 Metern von der Auel- bis zur Kirchstraße erlebbar gemacht, der Kurpark dadurch deutlich aufgewertet.“ Ein Fußpfad entlang des Flusses soll ebenso angelegt werden wie Freiflächen mit Bänken und Tischen. Trittstufen sollen bis ins Wasser führen, wo an einer Stelle auch eine Insel geschaffen wird. Fichten werden und wurden gefällt, damit mehr Licht ins Areal kommt. Und die Anlieger hätten das Vorhaben unterstützt. Schmitz sagt: „Das Land, das wir dafür benötigt haben, haben wir bekommen, das hat wunderbar funktioniert. Die Leute sind sehr offen für das Projekt.“

Mit Gesamtkosten von rund 1,5 Millionen Euro und einem Eigenanteil der Ortsgemeinde von rund 250 000 Euro (bei 1,25 Millionen Euro Landeszuschuss) ist das Projekt ebenfalls eines der ambitioniertesten Vorhaben, das in Stadtkyll je angepackt wurde. Auf die Frage, ob sich die Gemeinde das überhaupt leisten könne, sagt Schmitz selbstbewusst: „Wir haben das Geld!“ Ein Großteil des Eigenanteils werde über die Tourismusabgabe von 75 Cent pro Gast und Übernachtung finanziert – bei rund 200 000 Übernachtungen (vor allem durch den Landal-Ferienpark) im Jahr komme da einiges zusammen. „Das Geld ist aber zweckgebunden und muss dem Tourismus wieder zugute kommen. Aber das ist hierbei ja gegeben“, sagt der Ortschef.

Und wenn dann planmäßig im Herbst der Kyllumbau fertig ist, wird es, so Schmitz, „selbstverständlich auch ein Fest geben“. Dafür sei dann auch noch Geld da. Natürlich hofft er, dann auch dazu einladen zu können. Dafür muss er bei der Kommunalwahl am 26. Mai wiedergewählt werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür werde er erfüllen, kündigt Schmitz an: „Ich trete nochmal an, denn der Job ist ein Stück meines Lebens geworden.“