Zwei Tausendjährige halten zusammen

Zwei Tausendjährige halten zusammen

Der Startschuss der 1000-Jahr-Feiern, auf die sich vier Orte in der Verbandsgemeinde Daun vorbereiten, fällt am Samstag mit einer gemeinsamen Veranstaltung von Ober- und Niederstadtfeld. Aber damit nicht genug: Jedes Dorf präsentiert Geschichte und Gegenwart mit einem eigenen Fest.

Oberstadtfeld/Niederstadtfeld.
Räumlich (zwei Kilometer) sind die Dörfer zwar getrennt, aber es gibt doch vieles, was verbindet: Die Ober- und die Niederstadtfelder mögen sich, was beispielsweise die vielen Hochzeiten belegen. Aktuell sind es 16 Paare in den beiden Orten, die einen Partner aus dem Nachbardorf gefunden haben.Festakt zum Auftakt


Und auch die Geschichte verbindet: Als "Stadefeld" wird Niederstadtfeld erstmals im Jahre 1016 erwähnt (siehe Extra), wobei davon ausgegangen wird, dass auch Oberstadtfeld als Siedlungsort damit gemeint ist. Bei so viel Gemeinsamkeit ist es nicht überraschend, dass die Dörfer auch zusammen feiern: am Samstag im Bürgerhaus in Oberstadtfeld mit Tanz und Musik.
Zuvor steht der Festakt "1000 Jahre Stadtfeld" für geladene Gäste an, bei dem unter anderem Günter Kern, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Innenministerium, Landrat Heinz-Peter Thiel sowie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun, Werner Klöckner, erwartet werden. Aber jedes Dorf feiert die urkundliche Erwähnung vor 1000 Jahren auch noch einmal selbst: Oberstadtfeld am 16. und 17. Juli, Niederstadtfeld am 1. und 2. Oktober. Um das alles zu organisieren, wurden Arbeitsgruppen gegründet. Das Vorzeigeprojekt ist für beide Gemeinden jeweils eine Chronik, die zu den Festen mit einer Auflage von 300 Exemplaren erhältlich sein wird.
"Die Akzeptanz der Bürger für das große Fest ist da, das Gerüst steht, nun geht es ans Eingemachte", berichtet Hubert Molitor, der Bürgermeister von Oberstadtfeld. Gut 80 Bürger im 1000-Jahr-Shirt wollen dazu beitragen, dass das Fest im Juli ein Erfolg wird.
Zu ihnen gehört Willi Häp, der als Gemeinderatsmitglied im Festausschuss sitzt. "Ich kümmere mich im Vorfeld um die musikalische Unterhaltung und bin selbst an der historischen Hochzeit beteiligt. Ich war immer engagiert in meinem Dorf, deshalb ist es für mich selbstverständlich, zu helfen", sagt er. Das alles lässt sich die Gemeinde auch etwas kosten: 20 000 Euro. Zuversicht auch in Niederstadtfeld: "Ich bin sicher, dass unser Fest ein Knaller wird", sagt Bürgermeister Günter Horten.
Mittelpunkt des Fests in Oberstadtfeld im Juli wird die sogenannte Attraktionsmeile. Die Gäste können in die Vergangenheit eintauchen: Sie erleben unter anderem einen historischen Hochzeitsumzug mit Kostümen und Instrumenten, Köche präsentieren Speisen aus vergangenen Tagen, Oldtimer und landwirtschaftliche Geräte aus früheren Zeiten werden ausgestellt.
Auch in Niederstadtfeld hat man einiges vor beim Fest im Herbst, ein Programm "bunt, kreativ und voller Ideen", kündigt Bürgermeister Horten an. Dazu gehören traditionelles Handwerk zum Schauen und Mitmachen wie auch der Blick zurück auf die Geschichte von Feuerwehr und Landwirtschaft. Einen Beitrag steuert Stefan Schmitz bei. Er ist gebürtiger Oberstadtfelder, hat aber seine Heimat mittlerweile in Niederstadtfeld gefunden. Was hat er vor? "Ich habe hobbymäßig ein paar Kartoffelfelder und werde den Gästen eine Ernte mit alten Maschinen zeigen. Außerdem kümmere ich mich um die Organisation alter Traktoren zum Fest. Es war für mich selbstverständlich, zur 1000-Jahr-Feier etwas zu machen."Erinnern an Rennsportgeschichte


Von der Ernte profitieren die Besucher, denn es wird Feuerkartoffeln mit Kräuterquark und Reibekuchen geben. Für Liebhaber frischer Backwaren sind drei Backhäuser am Festwochenende in Aktion.
Eine große Ausstellung mit Rennautos und Seitenwagen erinnert an die Zeiten, als Niederstadtfeld in der Motorsport-Szene noch ein bekannter Name war. Viele Jahre wurden am Risselberg Rennen gefahren.Extra

Ober- und Niederstadtfeld sowie Weidenbach berufen sich bei ihren Jubiläen auf Urold von Daun, den 17. Abt des Klosters Prüm, der nahe der Abtei ein Stift gegründet hatte (Quelle Alois Mayer). Damit beide genügend Einkünfte hatten, übertrug Urold ihnen aus seinem Besitz die Güter in Witenbuoch (Weidenbach), Stadefelt (Stadtfeld) und Liudesheim (Lüxheim, Kreis Düren). Kaiser Heinrich II. wurde am 17. Oktober 1016 unter anderem von den Erzbischöfen aus Trier, Köln und Mainz gebeten, zum einen das neu gegründete Liebfrauenstift unter seinen kaiserlichen Schutz zu stellen als auch die Rechtmäßigkeit der Schenkung des Urold von Daun zu bestätigen. Diesem Wunsch kam der Kaiser nach durch seine Unterschrift unter die Urkunde, die sich im Stadtarchiv Trier befindet. HG

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