Zweiter Anlauf für Jugendtreff

Zweiter Anlauf für Jugendtreff

In Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Rappelkiste will die Gemeinde Kalenborn-Scheuern den Jugendraum umgestalten. Er soll sich in einen Raum der 1000 Möglichkeiten und zu einem Treffpunkt für Jung und Alt verwandeln. Im Internet wird das Vorhaben scharf kritisiert.

Kalenborn-Scheuern. Aus dem Jugendraum der Gemeinde Kalenborn-Scheuern (460 Einwohner) soll ein "Raum der 1000 Möglichkeiten" werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich ein Projektteam aus Erzieherinnen, Familien und Ortsbürgermeister Lothar Streicher beim "Team mit Stern" (eine Initiative des Gerolsteiner Brunnens, mit der Kinder- und Jugendprojekte gefördert werden) beworben.
Mit dem möglichen Preisgeld von 5000 Euro wollen sie den Raum in eine Begegnungsstätte für alle Altersgruppen verwandeln.
Vormittags könnten Gruppen der Kindertagesstätte den Raum nutzen, nachmittags soll der Raum für Spielaktionen, gemeinsame Bastelnachmittage oder zum Ausrichten von Kindergeburtstagen genutzt werden.
"Wir haben den Jugendraum vor einiger Zeit geschlossen, da er in einem furchtbaren Zustand ist", sagt Streicher. Er kritisiert, dass der Raum zuletzt vor allem dazu genutzt worden sei, sich Horrorfilme anzuschauen und unbeobachtet Wodka zu trinken. "Leider haben die Jugendlichen den Raum nicht verantwortungsvoll genutzt."
"Mein Ziel ist es, für Kinder, Jugendliche und alte Leute einen Ort zu schaffen, in dem sie einander begegnen können", sagt Gabi Finken, Leiterin des Kindergartens Rappelkiste in Kalenborn-Scheuern. Sie habe beobachtet, dass sich im Ort die etwa 40 Jugendlichen auf zwei Lager verteilen.
Gabi Finken sagt: "Da gibt es die Gruppe, die sich im Jugendraum trifft, um zu trinken, und die andere Gruppe, die damit nichts zu tun haben möchte."
Kritik an Schließung

Finkens Ziel ist es, den Raum vormittags mit den Kindergartenkindern zu nutzen. Sie kann sich vorstellen, den Raum beispielsweise für Medienprojekte zu nutzen. "Die Kinder von heute sind die Jugendlichen von morgen", sagt sie. Wenn alle Gruppierungen mitziehen würden, könnte der Raum zu einer Begegnungsstätte für alle werden.
Diese Idee wird auf der Internetseite von "Team mit Stern" teilweise scharf kritisiert. Ein Nutzer schreibt: "Was labert Ihr für dummen Bockmist? Der Raum wurde den Jugendlichen weggenommen. Er wurde genutzt, um zu feiern, DVDs zu gucken oder um abzuhängen."
Der Nutzer "Bauer" findet, dass "es ganz normal ist, dass man ,Trinkgelage\' startet, wenn man erwachsen wird". Er schlägt vor, dass sich die Jugendlichen das nächste Mal in der Garage von Ortsbürgermeister Streicher treffen könnten, um dort eine ausgelassene Party zu feiern.
Finken und Streicher stellen klar, dass es ihnen nicht darum geht, die Jugendlichen zu bevormunden. "Wir wollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen ins Boot holen und gemeinsam überlegen, wie der Raum künftig sinnvoll genutzt werden kann", sagt Streicher, als er den Jugendraum hinter sich abschließt. Denn so, wie der Raum zurzeit aussehe, könne er nicht bleiben.
Das nächste Treffen, um über die Zukunft des Jugendraums zu diskutieren, findet am Mittwoch, 20. Juni, um 18 Uhr im Gemeindehaus statt.
Meinung

Neue Chance verdient
Der Versuch, Jugendliche in die Verantwortung für den Jugendraum zu entlassen, ist in Kalenborn-Scheuern gescheitert. Statt pfleglich mit dem Treffpunkt umzugehen und ihn sinnvoll zu nutzen, dient er einigen Nutzern im Ort dazu, Trinkgelage zu feiern. Dass die Gemeinde Kalenborn-Scheuern das nicht dauerhaft hinnehmen würde, war vorhersehbar. Verständlich ist, dass die jungen Leute im Ort den Raum gerne weiter für sich nutzen wollen. Jugendpfleger betonen immer wieder, dass es wichtig sei, ihren Schützlingen einen geschützten Rückzugsraum anzubieten - zumal dies auch Orte sind, an denen Sozialpädagogen gezielt Jugendliche ansprechen und ihnen Hilfe anbieten können. Noch ist über die weitere Verwendung des Jugendraums nicht endgültig entschieden worden. Es ist Sache der Nutzer, den Raum wieder in einen akzeptablen Zustand zurückzuversetzen. Damit können sie selbst unter Beweis stellen, dass sie eine zweite Chance verdient haben. a. schumitz @volksfreund.de

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