Zwischen Angst und Freude: Der Wolf und die Eifel

Zwischen Angst und Freude: Der Wolf und die Eifel

Rheinland-Pfalz heißt den Wolf willkommen. Das betonen Landesregierung und Naturschutzverbände. Auch eine Besiedelung der Eifel ist dabei möglich. Vor diesem Hintergrund hielt der Wolfsexperte und ehemalige Förster Hubertus Becker am Freitagabend in Wiesbaum einen umfassenden Vortrag unter dem Titel "Willkommen zurück: Wolf in der Eifel".

Wiesbaum. Der Wolf findet auch im zersiedelten Deutschland seinen Platz; Rheinland-Pfalz ist mit dem "Managementplan Wolf" (der TV berichtete) gut vorbereitet: So lauteten die Kernaussagen von Hubertus Becker, der in Wiesbaum über die mögliche Besiedlung der Eifel durch den Wolf berichtete.
Wie wichtig eine solche Informationsveranstaltung ist, um aufklärend berechtigte Ängste abzubauen, belegte die anschließende Diskussion mit den rund 60 Interessierten. Insbesondere Nutztierhalter, Hundebesitzer und Jäger wollten mehr wissen. Eltern fragten, ob der Wolf aktiv Siedlungen aufsuche. "Ja", antwortete Becker, "der Wolf meidet zwar den Menschen, aber keine menschlichen Strukturen".
Was offizielle Stellen mit verhaltensauffälligen, gegen Menschen scheulosen oder aggressiven Wölfen tun würden, wollte ein Zuhörer wissen. "Diese Tiere werden zunächst gefangen, besendert und eventuell entfernt", so Becker. Die Frage, wie viele Rudel die Eifeler Fläche zulasse, könne man noch nicht beantworten. Sicher sei aber, dass die Nahrungskonkurrenz die Wolfsdichte natürlich beschränke.
Wölfe könnten zwar bis zu elf Tage hungern, benötigten aber ansonsten durchschnittlich pro Tag zwei bis drei Kilo Fleisch. Weil Wölfe vorrangig Reh-, Rot- und Schwarzwild erbeuten, sorgen sich die Jäger um ihren Bestand. "Die Streckenmengen", sagt Becker, "wo der Wolf vorhanden ist, sind nicht zurückgegangen."
Der Wolf übe keinen rückläufigen Einfluss auf den Schalenwildbestand aus. Weiter erkundigte sich ein Jäger, wie man damit umgehen wolle, dass das Rotwild sich offenbar aus Furcht vor dem Raubtier zu Großrudeln zusammenstelle und im Wald schwere Verbiss- und Schälschäden anrichte. Worauf Becker erklärte, Großrudel stellten beim Rotwild Nahrungsgemeinschaften dar, die es so auch ohne den Wolf gebe.
Die Weidetierhaltung, betonte Becker, sei - trotz Wolf - weiterhin möglich. Allerdings müssten Schutzmaßnahmen wie Zäune, Gatter oder Hütehunde erhöht werden, weil sonst bei Wolfs-Rissen keine Entschädigung gezahlt werde. Neuerdings, fügte Becker hinzu, werde empfohlen, Esel oder Lamas zur Herde zu stellen, da diese "außerordentlich wehrhaft" bei Wolfsangriffen reagierten.
Den Befürchtungen von Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner in Gefahr sehen, begegnete Becker mit dem Hinweis, dass der Wolf den Hund zwar als Nahrungskonkurrenten begreife und - anders als beim Menschen - ein Angriff nicht auszuschließen sei, es jedoch bundesweit innerhalb von zehn Jahren erst zwei Wolfs-Angriffe auf Hunde gegeben habe. Davon einer allerdings tödlich.
Unverständnis über die bisweilen vorbehaltlose Freude von Diskussionsteilnehmern über die mögliche Rückkehr des Wolfs äußerte ein Zuhörer: "Den Wolf heißt man willkommen. Wenn mein Hund aber knurrt, müssen er und ich zum Hundeführerschein."

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