Wartezeiten auf Facharzttermin. Ärztemangel,

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Hauptsache gesund : Zu wenige Fachärzte: Patienten warten Monate auf einen Termin

Viele Mediziner in der Region gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Nicht nur die Zahl der Praxen sinkt: Auch Kliniken bekommen den Mangel zu spüren.

Der Mangel an Fachärzten ist in der Region bereits spürbar. Bis zu neun Monate auf einen Termin bei einem Kardiologen zu warten, sei völlig normal, sagt der Chefarzt der Herzchirurgie im Trierer Brüderkrankenhaus, Ivar Friedrich. Laut einer Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mussten im vergangenen Jahr bundesweit 44 Prozent der Patienten bei Kardiologen länger als drei Wochen auf einen Termin warten, bei Frauenärzten waren es 41, bei Hautärzten 37 und bei Augenärzten 35 Prozent. Auf einen Augenarzt im Eifelkreis Bitburg-Prüm kamen vor zwei Jahren rund 24 000 Einwohner, fast 49 000 waren es bei den Hautärzten. In Trier-Saarburg ist ein Kinderarzt für fast 20 000 Einwohner zuständig.

Und die Wartezeiten könnten sich noch deutlich verlängern. „Die Leute müssen sich darauf einstellen, dass nicht mehr jede Behandlung an jedem Ort zu jeder Zeit möglich ist“, sagt Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer. Bis 2023 werden 307 Fachärzte in der Region Trier in Rente gehen. Allein im Kreis Bernkastel-Wittlich waren vor zwei Jahren bereits 36 aller niedergelassenen Ärzte älter als 60 Jahre.

„Auf dem Land haben wir viel zu wenig Ärzte“, sagt auch Josef Hecken. Der Saarländer ist unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, in dem Vertreter von Kliniken, Ärzten und Krankenkassen Leitlinien für die Gesundheitspolitik bestimmen. Im Mai habe das Gremium neue Niederlassungsmöglichkeiten für Ärzte beschlossen. Zusätzlich zu den derzeit bundesweit 3440 nicht besetzten Arztsitzen gebe es weitere 3470 Niederlassungsmöglichkeiten, davon entfielen 1446 auf Hausärzte, rund 776 auf Psychotherapeuten, 476 auf Nervenärzte und 401 auf Kinder- und Jugendärzte, sagte Hecken dem TV. Das stärke die Versorgung im ländlichen Raum, „vorausgesetzt, es gibt genügend Ärztinnen und Ärzte“, sagt Hecken.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe beschäftigt sich derzeit damit, wie in ländlichen Räumen die Kliniken in die fachärztliche ambulante Versorgung eingebunden werden sollen. Doch Kliniken wie etwa das Mutterhaus bekommen den Fachärztemangel zu spüren. Seit vergangenem Jahr können nicht mehr alle Patienten stationär auf der Kinderkrebsstation aufgenommen werden, weil Ärzte das Haus verlassen hatten.

Gestern gab die Klinik bekannt, dass der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Günther Stratmann, im kommenden Jahr als Chefarzt an das Pfalzklinikum Klingemünster wechselt. Das Mutterhaus arbeite bereits an der Suche nach einer Nachfolge, so eine Sprecherin.

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