Warum die Kirche nicht so weitermachen kann

Trierer Bistum : Warum die Kirche nicht so weitermachen kann

Das Bistum Trier legt einen ausgeglichenen Haushalt vor – aber nur, indem die Kämmerer von Bischof Stephan Ackermann an die Ersparnisse gehen. Kurios ist, dass die Kirchensteuereinnahmen sprudeln, obwohl die Zahl der Katholiken sinkt. Nicht nur die Frauen fordern Reformen.

„Same procedure as every year“, „dieselbe Prozedur wie in jedem Jahr“. Wenn das Bistum Trier einmal jährlich einen Blick in seine Kassen und Bücher gestattet, erinnert dies schon seit einigen Jahren unweigerlich an den englischen Kult-Silvester-Klassiker „Dinner for one“ und die immer gleichen Antworten der betagten Miss Sophie auf die Fragen ihres etwas trotteligen Butlers James. Das weiß natürlich auch der Trierer Generalvikar und Verwaltungschef des Bistums, Ulrich Graf von Plettenberg, der den Miss-Sophie-Satz zitiert, als müsse er sich für seine folgenden Ausführungen entschuldigen. Plettenbergs zentrale Botschaft bei der Vorstellung des Haushaltsplans fürs kommende Jahr: Nur durch einen millionenschweren Griff in die Ersparnisse kann der Haushalt des Bistums ausgeglichen werden. Der Grund: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen um stolze 21,3 Millionen Euro. Ein Betrag, der nun aus den Rücklagen entnommen werden muss, die laut Bistum noch deutlich über 300 Millionen Euro betragen. Aber der Rücklagen-Berg schrumpft – und das schon seit einigen Jahren.

Dabei weist das sogenannte operative Geschäft, also die laufenden geschäftlichen Aktivitäten, sogar ein Plus aus, wie die bischöfliche Finanzchefin Kirsten Straus sagt. Doch die wegen der niedrigen Zinsen zusätzlich erforderlichen Rückstellungen für Pensions- und Beihilfeverpflichtungen in Höhe von 33 Millionen Euro machen aus den schwarzen Zahlen rote.

Der mit Abstand größte Einnahme­posten ist nach wie vor die Kirchensteuer. 332 Millionen Euro soll sie im kommenden Jahr in den Säckel des Bistums spülen. Das wäre gegenüber diesem Jahr abermals eine Steigerung um stolze zehn Millionen Euro. Aber wie geht das, wo doch die Zahl der Katholiken im Bistum von Jahr zu Jahr abnimmt – um 1,6 Prozent auf 1,36 Millionen Katholiken Ende vergangenen Jahres? Die Wirtschaft brummt, und je mehr Leute arbeiten und damit Geld verdienen, desto mehr Gläubige zahlen auch Kirchensteuern. Unterm Strich steigen somit die Einnahmen, obwohl es weniger Katholiken gibt. Geld bekommt das Bistum aber auch in Form von Zuschüssen, Staatsleistungen oder Erträgen aus Finanzanlagevermögen und Zinsen.

Auf der Ausgabenseite schlagen besonders die Personalaufwendungen zu Buche. Knapp 40 Prozent der Gesamtausgaben in Höhe von 466 Millionen Euro gehen fürs Personal drauf. Das Bistum hat weit über 2000 Mitarbeiter auf seiner Payroll. Von den fürs kommende Jahr geplanten Baukostenzuschüssen geht mehr als die Hälfte an die Kirchen (14,6 Millionen Euro). Kindertagesstätten, Pfarrhäuser und Pfarrheime bekommen jeweils zwischen 3,3 und 4,5 Millionen Euro.

Ein besonderes Augenmerk wird 2019 laut Generalvikar von Plettenberg auf die Umsetzung der Synodenbeschlüsse  gelegt. 1,5 Millionen Euro sind dafür im Haushalt eingeplant. Auch die Synodenumsetzung sei kein Freifahrtschein für unkontrollierte Ausgaben, sagte der oberste Verwaltungschef des Bistums. Man erhoffe sich durch die Bistumsreform eine größere Effizienz, so von Plettenberg, „aber wir werden keine Millionen einsparen“.

Teil der Reform ist die geplante Auflösung der derzeit noch 887 Pfarreien im Bistum, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind. Ab dem Jahr 2020 soll es nur noch 35 XXL-Pfarreien geben, die im offiziellen Sprachgebrauch Pfarreien der Zukunft heißen. Nach Angaben des Generalvikars ist man bei der Umsetzung im Zeitplan. Die Arbeitsgruppen seien nun in der Endphase; im nächsten Jahr würden konkrete Maßnahmen vorgestellt. Noch im Januar sollen auch die letzten bis dato noch nicht bekannten Pfarrorte bekanntgegeben werden. Überraschungen seien dabei aber nicht zu erwarten, sagte von Plettenberg auf Anfrage unserer Zeitung.

Unter Verweis auf die kirchliche Statistik begründete der Generalvikar noch einmal die Notwendigkeit von Reformen. Die Zahlen bestätigten, dass es nicht mehr so weitergehen könne wie bisher. Demnach ist die Zahl der Katholiken in Deutschlands ältestem Bistum innerhalb von zehn Jahren um 164 000 Gläubige und damit knapp elf Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung sank im gleichen Zeitraum von rund 62 auf 55,5 Prozent. Als positiv vermerkte von Plettenberg, dass sich 80 000 Gläubige ehrenamtlich engagierten.

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