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Warum in der Region Trier weniger Menschen am Coronavirus erkranken als anderswo

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Warum in der Region Trier weniger Menschen am Coronavirus erkranken als anderswo

Disziplin zahlt sich aus, sagen Trierer Mediziner. Die Experten appellieren, sich weiter strikt an die Vorschriften zu halten – so wenige Kontakte wie möglich und Hygiene.

Vergleichsweise wenige Menschen in der Region sind bislang mit dem Coronavirus infiziert. Und die Zahl steigt nur langsam an. Auch werden nur wenige schwer Erkrankte in Kliniken behandelt.

In dem Corona-Schwerpunkt-Krankenhaus Mutterhaus Nord in Trier, wo 135 Normal- und 24 Intensivbetten zur Verfügung stehen, wurden am Donnerstag neun Patienten behandelt, darunter zwei, die aus der von der Corona-Epidemie besonders stark betroffenen Region Grand Est in Frankreich nach Trier verlegt wurden. Zwei der in der Klinik behandelten Patienten liegen auf der Intensivstation und müssen beatmet werden.

Im Kreis Bernkastel-Wittlich wird derzeit ein Infizierter im Krankenhaus behandelt. Bis Donnerstag hat es keinen an dem Virus Gestorbenen in der Region gegeben. Die Zahl derjenigen, die einen Corona-Infekt überstanden haben, wächst. In Trier und Trier-Saarburg wurden gestern drei Infizierte aus der Quarantäne entlassen, in Bernkastel-Wittlich waren es sieben, in der Vulkaneifel vier.

Doch warum ist die Situation hier im Vergleich zu anderen Regionen derzeit noch nicht so dramatisch? Infektionsexperten wie der Trierer Virologe Ernst Kühnen und der Chef der Infektiologie im Mutterhaus, Rolf Mahlberg, führen das zum einen auf die ländliche Struktur zurück. Weil die Region nicht so dicht besiedelt sei, gebe es hier nicht so viele Menschenmassen, sagt Mahlberg.

Auch die „gewisse Disziplin“, mit der die Menschen hier die verordnete soziale Distanz einhielten, trage dazu bei, dass die Zahl der Neuinfektionen verhältnismäßig niedrig sei. „Je mehr öffentliche Kontakte es gibt, desto größer ist das Risiko, dass viele Menschen infiziert werden“, erklärt der Internist. Man habe in der Region sehr früh, direkt bei den ersten bestätigten Fällen, konsequent die Infizierten und die Kontaktpersonen von anderen Personen isoliert, so Kühnen. So befinden sich nach Angaben der Kreisverwaltung Vulkaneifel derzeit 350 Personen in häuslicher Quarantäne, weil sie Kontakt zu Infizierten hatten.

Kühnen, der Facharzt für Mikrobiologie ist, geht davon aus, dass die Fallzahl in den vier Landkreisen und der Stadt Trier in den nächsten Wochen noch weiter steigen wird. Die bisherige Entwicklung deute allerdings nicht darauf hin, dass es in der Region zu einer sehr hohen Sterberate unter Corona-Patienten kommen werde, sagt Kühnen und ergänzt: „Falls sich die Menschen weiter an die Maßnahmen halten.“ Auch Mahlberg mahnt, man dürfe die rigiden Vorschriften und Kontaktsperren nun nicht lockern. Er geht davon aus, dass diese acht Wochen andauern werden.

Der Infektologe aus dem Mutterhaus vermutet, dass die geringe Zahl der Sterbefälle in Deutschland (bis Donnerstag hat es rund 200 an dem Virus Gestorbene gegeben) damit zusammenhängt, dass es hier andere Familienstrukturen gebe als in Italien. Dort existierten noch viel mehr Großfamilien, in denen mehrere Generationen zusammenlebten. Die Jüngeren hätten in Italien das Virus in die Familie gebracht und damit viele Ältere infiziert. Über 7500 an dem Virus Erkrankte sind in dem Land gestorben.